Gestern bis Folge 6 bei The Witcher gekommen und es hat sich leider bestätigt, dass das nix halbes und nix ganzes ist.
Die überbordende Story kommt kaum voran und die Serie schafft es nicht, dass ich mich auch nur an einen einzigen Charakter emotional binden kann. Der Witcher als wandelnder Glückskeks taugt mehr als Schlächter als als Identifikationsfigur. Die Romanze von Yen und Geralt hat keinerlei Chemie. Ciri war schon in den Büchern und den Spielen nicht gerade der spannendste Charakter. Fringilla läuft schwanger durch die Gegend und macht ansonsten sehr wenig. Bei welchem Charakter soll ich hier bitte mitfiebern? Bei 90% ist's mir Wurscht, wenn die in der nächsten Folge den Löffel abgeben (bei Jaskier würde es mich sogar freuen, der nervt und durchbricht die düstere Tonalität der Folgen regelmäßig und ungekonnt).
Vesemir ist eine Lusche, der gefühlt auch einfach der bierbäuchige Barkeeper in einem Gasthaus sein könnte. Überhaupt gibt es, abgesehen von der Beziehung zwischen Geralt und Ciri, keine Beziehungen, die auch nur irgendwie interessant wären beim Zuschauen. Das liegt auch daran, dass dem Beziehungsaufbau zu wenig Zeit gewidmet wurde. Sie werden nur behauptet aber man spürt sie nicht.
Man merkt, das hier ist kein Game of Thrones, das einen durch die komplexen Ränkespiele der Beteiligten bei der Stange hält und bei der das Ableben eines Charakters einen emotionalen Impact auf den Zuschauer hatte.
Ich bleibe dabei, dass The Witcher eine bessere Serie wäre als eine einfache "Monster of the Week" Geschichte (siehe die erste Folge).
Die übergreifende Handlung mit Ciri erhält an keiner Stelle irgendeine Dringlichkeit und die "Wild Hunt" wird mutmaßlich erst gegen Ende der Staffel relevant (zu langsam). Vlt. habe ich Glück und sie landen mit Zoltan noch einen Glücksgriff, der die Zuschauer binden kann. Auch Dijkstra hätte das Potential im Hintergrund Intrigen zu spinnen, die einen bei der Stange halten, aber dazu müsste er mehr tun und mehr Fleisch bekommen als unbekannte Charaktere zu morden und mit Eulen zu labern. Immerhin ist das Casting hier zur Abwechslung mal gelungen.
Zwei Folgen stehen noch aus, aber ich bezweifle, dass die Macher das Ruder da noch rumreißen können. Bisher ist das eine vertane Chance, die lediglich dadurch einen Tacken besser als die erste Staffel ist, dass die Zeitsprünge wegfallen. Schade drum.