Re: Eilmeldung: Explosionen und Schüsse mit Todesopfern in Paris
Ich spar mir das mimimi - ich kannte keinen der Toten, mimimi macht keinen davon wieder lebendig und Paris ist für mich genauso interessant wie Aleppo oder der Gaza-Streifen. Tote gibts überall, und wenn ich die Wahl hätte zwischen einer Kugel im Kopf bei einem Rockkonzert und dem schleichenden Verhungern im seuchendurchvölkerten Zentralafrika, wäre mir die Kugel wesentlich lieber...
"Es gibt keine Argumente, es sprechen die Waffen" - der Diskurs ist vorrüber.
Richtig, das war er schon vor Jahren. Aber man musste ja unbedingt Assad loswerden, der Iran durfte auf keinen Fall dem geschwächten Irak helfen und überhaupt ist das Öl dort unten viel zu interessant. Es ist eine Tatsache, dass wir uns das selbst eingebrockt haben, mit Gier, Machtspielchen und Doppelmoral. Oh, jetzt hat es Paris erwischt, es kam aus dem Nichts in einer friedlichen Stadt. Das ist völlig anders als $RANDOMWÜSTENKAFF, wo Leute friedlich heiraten und plötzlich kollateral durch eine Drohne ins Heilige Land verfrachtet werden. Da muss unbedingt was gemacht werden. Wie wärs mit mehr Drohnen, mehr Überwachung, mehr Machtsicherung und mehr Unterdrückung. Hilft toll, kann Russland ein Liedchen von singen (Georgien, Afghanistan), die USA sowieso (Irak, Afghanistan, Vietnam, Korea...). Karma is a bitch.
So zynisch es klingt: Die Attentäter waren mutiger als der Rest der Bagage auf "unserer" Seite: Ein Drohnenpilot geht ein wahnsinnig hohes Risiko ein...
Ich hab da mal nen ganz revolutionären Vorschlag: Halten wir uns doch einfach mal aus den Vorgärten anderer Leute raus. Kein Bombardieren der Bevölkerung fremder Staaten aus heiterem Himmel, keine militärische Präsenz in irgendwelchen Kolonien, deren jetzige politisch-korrekte Bezeichnung ich nicht kenne (wahrscheinlich "befreundete Nationen"), keine Wirtschaftskriege und keine Waffenlieferungen an irgendwelche Machthaber oder Machtmöchtegerne. Lassen wir doch die Probleme anderer Leute von ebenjenen gelöst werden, und kümmern uns mal um die eigenen, von denen wir wahrlich genug haben. Wenn uns die Zipfel dann immer noch angreifen, können wir ja immer noch nen Bataillon Scharfschützen runterkarren und mal ein paar Exempel statuieren. Und wenn wir eh so gute Geheimdienste haben, dann gäbe es auch immer noch die Möglichkeit, ein paar "Unfälle" mit dem ganzen rumliegenden Waffengedöns zu veranstalten - schwächt den Gegner sowohl in Bezug auf Führung als auch auf Ausrüstung.
Final bliebe zu sagen, dass irgendwelche Überwachungsforderungen ebenfalls Mist sind: Frankreich hat sie, und es hat nichts gebracht. 100% Sicherheit gibts nur im Hochsicherheitstrakt, und selbst da kann man sadistische Wachen haben. Wozu Angst haben? Angst lähmt nur, und was sind schon ein paar Terroristen gegenüber wirklichen Gefahren (Alkohol am Steuer, anyone?). Wer mir jetzt vorwirft, ich würde mich hier leicht tun, weil Computer und sicheres Deutschland etc. - ich sitze grade (unabhängig von den Ereignissen) in Feuerwehruniform auf der Wache in einer der prominentesten Städte Deutschlands, die zufällig jährlich das Größte Volksfest der Welt ausrichtet. Wenn da was passiert, stehe ich mit Führungsverantwortung in blutigen Eingeweiden (falls nicht unmittelbarer betroffen) und hab wahrscheinlich mehrere Tote im Freundeskreis. Und trotzdem will ich nicht mehr Überwachung.
Wie sagt man so schön: Man kann nicht in Würde sterben - was bleibt ist, in Würde gelebt zu haben.
Und dazu gehört, sich nicht aus Furcht vor dem Tod in einen goldenen Käfig sperren zu lassen. Der Tod ist gewiss, wir entscheiden nur, wie wir ihm entgegentreten. Dann doch lieber frei und stolz auf das, was wir hinterlassen - eine freie Gesellschaft, die sich nicht von Feiglingen und Psychopathen hat verunstalten lassen.