Re: Situation im Irak
Warum wird der Holocaust immer als etwas besonderes dargestellt.
Eventuell weil du dich in einem deutschsprachigen Forum befindest und deshalb die Familien vieler hier von der Terrorherrschaft der Nazis direkt betroffen oder eventuell sogar an ihr beteiligt waren?
Ich kann wenig Familiengeschichte zur Schoa beitragen, aber meine Heimatstadt war vor der Zeit des Nationalsozialismus ein regelmäßiger Anlaufpunkt von fahrender Roma von denen sich viele auch im Ort niedergelassen hatten. Meine Großeltern hatten damals geschäftlich mit ihnen zu tun und auch viele Freunde innerhalb dieser Gruppe. Ich werde niemals die Erzählungen von ihnen vergessen, wie ein Freund nach dem anderen einfach verschwunden ist. Wie sie von schlimmen Gerüchten gehört haben, was mit ihnen passiert sein soll und wie das dann irgendwann traurige Gewissheit wurde.
Und das schlimmste ist: Das Arschloch, das in unserem Gau die Gestapo geleitet hat, hat im Haus neben ihnen gewohnt. In den letzten Kriegstagen wollte er meine Großeltern noch beiseite schaffen lassen und sich unser Grundstück unter den Nagel reißen - ist aber im letzten Moment von den Amis davon abgehalten worden. Die Entnazifizierung hat er aber heil überstanden - wie viele andere Arschlöcher mit guten Kontakten auch.
Und heute bürsten sich seine Urenkel mit den Taten ihres Urgroßvaters. Und freuen sich über die antisemitischen Ausschreitungen hier in Deutschland, feiern die Hamas, etc.
Wenn ich in einem Forum irgendwo eine Relativierung der Schoa oder Ähnlichem lese, dann fühle ich mich deshalb besonders davon betroffen. Ich sehe dann in dem Poster nicht mehr ein anonymes Mitglied, das seine Meinung postet. Für mich hat er dann die hässliche Fratze unsere Nazi-Nachbarn und deshalb nehme ich so etwas dann besonders persönlich. Und vermutlich geht es vielen anderen ebenfalls so.
Zum Topic:
Eine Dreistaatenlösung wäre sehr schwer umzusetzen. Ein Sunnitenstaat ist ohne die Erdöleinkünfte ein Pulverfass, die anderen arabischen Staaten würden Kurdistan vermutlich nicht anerkennen usw. usf.
Der stärkste Hinderungsgrund ist aber, dass die Gebiete der Schiiten sowie der Sunniten nicht scharf getrennt sind. Es gibt dort einen sehr breiten Streifen in dem sowohl Schiiten als auch Sunniten leben. Bei einer Teilung in drei Staaten würde also mindestens ein Staat mit einer sehr großen Minderheit im Grenzgebiet, die bei der momentanen Situation vermutlich auch noch mit Diskriminierung zu rechnen hätte, entstehen.
Eine Lösung ist vermutlich nur möglich, wenn sich die Verschiedenen Parteien (damit meine ich keine politischen Parteien) zu einer Einheitsregierung zusammenraffen und glaubhaft eine Politik umsetzen, die keine Volksgruppe diskriminiert. Dies würde auch den IS-Terroristen den Rückhalt in der Bevölkerung entziehen und einen militärischen Erfolg somit überhaupt erst möglich machen. Danach wäre dann auch tatsächlich die Möglichkeit eröffnet, eine Dreistaatenlösung mit ordentlichem Minderheitenschutz umzusetzen (sofern es dann überhaupt noch gewollt wird).
Außerdem werden die USA (und die anderen Beteilligten) vermutlich über kurz oder lang die bittere Pille schlucken und Assad unterstützen müssen. Ein Polizeistaat mit Religionsfreiheit ist eben das kleinere Übel gegenüber einem religiös begründeten Terrorregime.