Als Grund wurde immer genannt, der Täter wollte in Wirklichkeit nachmachen was er in den Spielen gesehen hat - das Spiel war also stehts alleiniger Auslöser.
Zusammenfantasierter Auslöser, aber nicht nachweisbare Tatwaffe. Das ist doch eine ganz andere Hausnummer.
Die Tatwaffe kennt man genau. Man weiß auch, dass der Täter ohne sie, also mit anderen Tatwerkzeugen wie Messer etc. keine 15 Menschen hätte töten können. Und ohne die Aussicht, so viele auf einen Streich zu schaffen, hätte er vermutlich die ganze Sache abgeblassen, weil er mit ihr ganz groß rauskommen wollte. Die Beretta hat eine entscheidende Rolle beim Zustandekommen der Tat gespielt. Und die akute Reaktion darauf kann es nur sein, den Bestand an derartigem Schießgerät derart restriktiv zu regeln, dass Jugendliche auch über Umwege nicht mehr rankommen.
Die Kaffeesatzleserei, warum und wieso der Täter... etc., kommt später.
Diese jugendlichen Ausraster in Form von Amoklauf sind ein Zeitphänomen. In den 50er Jahren und davor hat es das nicht gegeben. Auffällig an der familiären Herkunft: Kein Migrationshintergrund; keine Unterschicht. Immer Mittelschicht und höher, Familie äußerlich intakt bis mustergültig. Dominanter Vater, Sohn steht unter Erfolgsdruck, dem er nicht gewachsen ist. Will, wenn nicht beim Papa, dann bei den Mitschülern punkten, schafft es aber nicht, macht sind unbeliebt, vereinsamt und wird gemobbt. Er ist der Looser, der es auf einen Schlag allen zeigen will.
Aber selbst wenn diese Theorie stimmen würde, was sie vermutlich nicht tut, wäre ihr weder zu entnehmen, was man dagegen tun soll, noch könnte sie das Zeitphänomen hinreichend erklären. Es fällt ja zusammen mit ganz ähnlichen Phänomenen anderswo, mit den islamischen Selbstmordattentätern, mit den Suicide Bombers. Wie sie ist der Täter von Winnenden nicht daran interessiert gewesen, zu überleben.
Alles sehr rätselhaft und Stoff für langjährige Forschungsarbeit und ein dickes Buch. Geht es in den vordergründig intakten Mittelstandsfamilien wegen des Erfolgsdrucks für die Kinder besonders grausam zu, viel schlimmer als bei Assis und Migranten? Who knows.
Praktisch wichtig ist nur, dass man ihnen in der gefährlichen Lebensphase - die geht ja wieder vorbei - keine Gelegenheit gibt, sich das Tatwerkzeug zu verschaffen.
Ein guter Ansatz, erklär mir mal was daran falsch ist.
Nicht nochmal, das ist so ein alter Hut.
Kennst Du das Musical "West Side Story"? Die Szene, wo die Gang sich über den Jugendpychologen amüsiert? Und wie man den Sozialarbeiter mit der Triefgeschichte reinlegt, die er hören will?
Stammt aus den 50er Jahren, das wusste man sogar damals schon. Heute weiß man es noch viel besser.
Also sollten wir doch auch an Schule Metalldetektoren anbringen, oder? In Banken gibts auch schonmal Sicherheitspersonal, das sollte dann in Schulen auch vorhanden sein, korrekt?
Natürlich, wenn die Umstände es erfordern. Keiner macht das zum Spaß.
Vollkommen korrekt. Also sollten wir unbedingt da ansetzen wo es am effektivsten ist. Bei illegalen Waffen, die sind nämlich am einfachsten zu beschaffen.
Nein, vollkommen falsch. Am einfachsten ist es, dem Sportschützenpapa die Kanone von Nachttisch zu klauen, wie der Täter von Winnenden es gemacht hat.