http://www.welt.de/finanzen/article152445863/bargeld-entzieht-sich-der-geldpolitik-der-ezb.html schrieb:
"es geht nur vordergründig um organisierte kriminalität"
auffällig ist, dass sich das bargeldvolumen in der euro-zone bereits in den vergangenen monaten spürbar erhöht hat. Seit 2014 ist elf prozent mehr bargeld im umlauf. Das entspricht scheinen im wert von 107 milliarden euro. "bargeld kann über die negativzinsen nicht besteuert werden und entzieht sich damit auch den geldpolitischen maßnahmen der ezb", sagt david owen, ökonom bei jefferies. "umgekehrt würde eine bargeldlose gesellschaft, in der die ezb auf knopfdruck jeden gewünschten strafzins verhängen kann, ohne dass sich auch nur ein euro den maßnahmen entziehen kann, die geldpolitik viel effektiver machen."
die tatsache, dass es die ezb derzeit vor allem auf den 500-euro-schein abgesehen hat, passt in die theorie. Denn während das volumen der im umlauf befindlichen lilafarbenen riesen seit 2012 nur langsam wächst und bei etwa 300 milliarden stagniert, ist das volumen des ungleich beliebteren 50-euro-scheins deutlich schneller auf mittlerweile 425 milliarden angestiegen.
"die befürworter der bargeldabschaffung argumentieren: Bargeld ist gleich kriminalität und damit eine gefahr für die allgemeinheit", sagt ulrich horstmann, analyst bei der bayernlb und autor des buches "bargeldverbot". "es geht nur vordergründig um organisierte kriminalität, vor allem jedoch um eine breitere kontrolle unter dem aspekt der steuereintreibung und nicht zuletzt darum, negativzinsen besser durchsetzen zu können."
amerikaner lieben ihre 100-dollar-note
die debatte erinnert frappierend an das sogenannte goldhalteverbot. Im jahr 1933 wurde im zuge der weltwirtschaftskrise der besitz von gold in den usa unter strafe gestellt. Und auch in deutschland wurden in den 1920er-jahren unter dem eindruck der hyperinflation gesetze erlassen, die den privaten besitz von gold einschränken sollten.
Bei den banknoten hat amerika ein paar jahrzehnte später gehandelt: Im jahr 1969 wurde die ausgabe von 500-, 1000-, 5000 und 10.000-dollar-noten eingestellt. Knapp zwei jahrzehnte später appellierte der damalige bürgermeister von new york, edward koch, auch den 100er einzustampfen. Allerdings gehört die geldnote mit dem konterfei benjamin franklins zu den beliebtesten der amerikaner. Der appell scheiterte.
Dass das schreddern der großen scheine nicht nur der kriminalitätsbekämpfung dient, hat schon der frühere us-notenbankchef alan greenspan durchblicken lassen. 1996 warnte er vor dem unersättlichen verlangen der staaten, auf das vermögen ihrer bürger zuzugreifen: "das schuldenmachen ist im grund ein versteckter zugriff auf das vermögen der bürger." gold – oder im jetzigen fall bargeld – das privat gehalten wird, stehe dem entgegen.