Jetzt wirst du auch schon zynisch.
Was?
Hat er im Auftrag des IS gehandelt, oder nur aufgrund einer irren Ideologie?
Spielt es tatsächlich eine Rolle, ob er im Auftrag einer konkreten Person, welche den IS verkörpert, gehandelt hat oder direkt der Idee des IS gefolgt ist? Sicherlich ist er nicht von alleine auf die Idee gekommen. Die Idee des IS wird, wie jede Ideologie von Personen gelebt und der direkte oder indirekte Aufruf der Adaption der Ideologie erfolgt durch das Ausleben der Ideologie durch andere. Entweder durch deren aktiven und direkten Aufruf "folge uns" oder durch indirekte Aufrufe, wie dem Versprechen der 75 Jungfrauen im Paradies. Das kann man nun drehen und wenden, ohne IS, keine Ideologie des IS, ohne Ideologie nichts zu folgen.
Wenn einem die Argumente ausgehen, kommt der dümmliche Nazi-Vergleich. An der Wehrmachtsbefehlskette ändert das nichts. Ja ganz oben stand Adolf, und nur wenige der untersten Soldaten bekamen direkte Befehle von ihm. Aber wie gesagt, die Befehlskette funktionierte, und da hatte jeder Soldat einen Vorgesetzten. Wer war denn der Vorgesetzte dieses Jungen?
Und was heißt das nun für dich? Ist die Tat nicht dem IS zuzuordnen, weil du nicht konkret benennen kannst, von welcher Person er seinen Auftrag erhalten hat?
Der an die Allgemeinheit gerichtete Aufruf, sich gegen die westliche Welt zu wenden könnte auch eine Rolle gespielt haben.
Keiner bestreitet, das der Junge meinte, im Namen dieser Sache zu dienen, deswegen ist und bleibt er ein Einzeltäter, der keine wirkliche Terrorzelle hinter sich gehabt hat. Oder weißt du mehr?
Wenn er im Auftrag des IS, unabhängig davon, ob er aus eigenem Antrieb der Ideologie gefolgt ist oder durch den direkten Aufruf eines Vertreters, die Tat begangen hat, dann steht natürlich der IS als solcher dahinter.
Das ein Junge, der psychisch labil ist, eher anfällig für irgendwelche Propaganda ist, hältst du also für Unwahrscheinlich, bzw. weniger wahrscheinlich, wie das der Junge einer Terrorzelle angehörte, die das langfristig geplant hat? Denkst du eigentlich auch manchmal drüber nach, was du so täglich von dir gibst?
Mich interessiert nicht der Grund, warum der Junge im Namen des IS Menschen töten will. Für mich ist der Fakt, dass der Junge im Namen des IS Menschen töten wollte, ausschlaggebend.
Also wenn ich so eine angenommene Terrorzelle haben würde, und diesen Jungen auf die Menschen loslassen wolle, würde ich ihm ja mehr mitgeben, als nur ne einfache Axt und ein Messer.
Wozu Geld, Material und wahrscheinlich noch Zeit für die (terroristische) Ausbildung des Angeworbenen verschwenden? Die Vertreter des IS wären ganz schön blöd, wenn die in jeden Bauern hohe Investitionen stecken würden. Terrorismus funktioniert auch ohne das alles. Es braucht keinen ausgetüftelten, hoch komplexen Plan um Terror auszuüben. Einem Bauern (taktisch Bauer im Schachspiel) ein besseres Leben zu versprechen reicht doch aus, damit er in einer U-Bahn auf Leute los geht. Effektivität definiert sich nicht rein über den Output, sondern auch über den Input. Er mag zwar "nur" 5 Leute verletzt haben, aber welche Investitionskosten hatte der IS mit der Werbung des Jugendlichen? Wahrscheinlich nahezu keine. Ein wenig Propaganda für die eigene Sache und er ist ihnen möglicherweise von ganz alleine gefolgt. Das Ziel, nämlich Terror zu verbreiten, wurde erreicht.