Weil der Mensch die Möglichkeit zur Reflektion über sein Handeln hat, ist es also sein Recht diese nicht wahrzunehmen?
Das ist mal die fatalistischste Einstellung, die ich zu dem Thema bisher gelesen habe.

Kann man machen.
Nicht
weil der Mensch die Möglichkeit hat, sondern weil der Mensch Teil dieser Natur ist, Teil des Ganzen. Weil er weder besser noch schlechter ist, hat er das gleiche Recht wie alles andere.
Was er aus seiner Fähigkeit - zum Beispiel zu Reflektieren - macht, ist doch eine ganz andere Sache.
Rechte, Pflichten und verantwortungsvolles Handeln sind ja keine Synonyme.
Du dürftest demnach aber auch nichts dagegen haben, wenn Menschen Menschen essen.

Woran machst du denn fest, was der Mensch darf? Ausschließlich an Gesetzen? Wie definierst du Moral?
Runtergebrochen auf den einfachen Akt des Kannibalismuses ungeachtet meiner Moral - ja, ist es genau so. Wenn ein Mensch einen Menschen isst, ist das erst mal so.
In einigen Kulturen besteht Kannibalismus bis heute. Wie käme ich dazu diese Menschen zu verurteilen? Sie leben, wie sie leben.
Für mich ist - mag radikal klingen - allein der Umstand entscheidend ob jemand etwas mit einem reinen Gewissen tut oder nicht. Erst hier entsteht für mich der Punkt an dem ich die Tat für mich einordnen würde in eine gute oder böse Tat oder eben eine Tat, die nicht zu bewerten ist.
Bringen wir mein Moralempfinden mit rein: Siehe Menschen die z.B. im Internet zusammenfinden - die einen, die gerne Menschen essen und die anderen, die sich von diesen Menschen essen lassen wollen.
Für mich okay. Geschieht in
gegenseitigem Einverständnis und nicht Beteiligte kommen nicht zu Schaden. (trauernde, evtl. Familienangehörige bewusst rausgelassen.)
Alles andere geht mich nichts an.
Wieder zurück auf Tiere natürlich ein schwieriger Vergleich, die fragt keiner ob sie gegessen werden möchten.
Aber das Kannibalismusthema kam ja auch nicht von mir.
Wahrscheinlich sehe ich die Welt in vielen Dingen einfacher, als andere oder möglicherweise, als sie ist.

Ich behalte im Hinterkopf dass es "Gut" und "Böse" eigentlich nicht gibt. Das wird durch uns definiert und unterscheidet sich von Region zu Region.
Deshalb schrieb ich oben: Für mich ist einzig entscheidend welcher Überzeugung der "Täter" war, der eine Tat ausübt - wusste er, dass es schlecht war oder war er sich keiner Schuld bewusst oder gar in dem festen Glauben etwas Gutes zu tun?
Wieso sollte ich meine Urteilsfähigkeit denn aufgeben, nur weil ein anderer es (in deinem Weltbild gerechtfertigterweise) tut? Wenn er die Wahl hat sich pro oder contra einer Moral zu entscheiden, muss ich doch die Wahl haben das Scheiße finden zu dürfen oder eben nicht.
Wer spricht von aufgeben? Hab ich mich missverständlich ausgedrückt (passiert mir leider öfter)? Tust du, was andere tun? Wie gesagt: Du hast das Recht, nicht die Pflicht, aber die Verantwortung.
Und du kannst etwas scheisse finden, aber mit welchem Recht urteilst du in so einem Fall?