Wie kann etwas im Nichts einen Anfang haben und wie wurde es angestupst?
Bereits die Frage behauptet ihre Antwort. Natürlich sehen wir immerzu, wie Ereignisse auf andere Ereignisse folgen, und von manchen dieser Ereignisse sprechen wir als Ursache, von anderen als Wirkung. Doch klebt an keinem Ereignis ein Schild mit dem Namen "Ursache / Wirkung". Das sind alles Zuschreibungen des Menschen. Die Naturwissenschaft und unser täglicher Umgang mit der Welt gründen auf diesen Zuschreibungen - weil sie für unseren Umgang mit der Welt hilfreich sind (und wir gar nicht anders können). Überraschenderweise (nicht!) stellen wir nun fest, dass in unserer Welt wir jeder Wirkung eine Ursache zuschreiben; dummerweise geraten wir damit in der Quantenphysik, also sogar noch innerhalb unserer Welt, an Grenzen. Für manche solcher Ereignisse werden wir grundsätzlich keine Ursachen benennen können, sie erscheinen uns daher zufällig. Wir kennen also bereits Ereignisse, die stattfinden, aber zu denen ein Wesen innerhalb dieser Welt niemals die Ursache finden wird. Über die Frage, ob sie trotz dieser grundsätzlichen Unkenntnis determiniert sind von Ursachen oder zufällig sind, wird gestritten ohne Aussicht auf gerechtfertigte Einigung - es sind Spekulationen.
Nichts weiter als Spekulation ist auch deine Behauptung, unsere Welt bräuchte eine Ursache für ihre Entstehung. Unsere gesamte Erkenntnis von Ursachen und Wirkungen stammt aus unserer Erfahrung mit unserer Welt, einschließlich der Erkenntnis, dass wir Ereignisse als Ursache und Wirkung bezeichnen können. Nur in unserer Welt und nur insofern wir auf sie bezogen sind, ergeben solche Zuschreibungen Sinn. Ohne den Menschen, der Ursache und Wirkung zuschreibt, gibt es keine Ursachen und Wirkungen; ohne unsere Welt, die sich uns so zeigt, dass wir zuverlässig aus ähnlichen Ereignissen ähnliche andere Ereignisse schlussfolgern können, ergibt die Zuschreibung von Ursache und Wirkung ebenfalls keinen Sinn.
Du behauptest aber, Ursache und Wirkung existiert (1) unabhängig vom Menschen und (2) auch außerhalb unserer Welt (die Ursache der Welt müsste außerhalb der Welt liegen). Dein Geist (und der jedes Wesens dieser Welt) ist zu beschränkt, um solche Behauptungen aufstellen zu können. Deswegen ist jede Antwort, die auf solchen Behauptungen aufbaut, ebenso beschränkt wie der Geist, dem sie entspringen. Aus dieser Beschränktheit nun möchtest du Rückschlüsse ziehen auf ein höheres Sein. Die Ironie gefällt mir, das muss ich zugeben.
Richtig wäre eine Reflexion über die Frage, worüber wir noch sinnvoll reden können und wo wir nur Spekulation betreiben, also uns unseren Phantasien hingeben und versuchen, diese zu rechtfertigen.
@RedlightX:
Evolution ist kein Zufall, sonst wäre die Theorie wesentlich einfacher: Arten entstehen aufgrund von Zufall - sehr witzig. Es ist aber gerade mehr als Zufall, nämlich verkürzt gesagt der Zufall der spontanen Veränderung und die Notwendigkeit des Überlebens in bestimmten Lebensräumen, um diese Veränderungen vererben zu können. Das erklärt alle unsere Beobachtungen, und sollten doch einmal Beobachtungen unvereinbar damit sein, wird die nächste Theorie aufgestellt, die auch diese Beobachtungen wissenschaftlich erklärt.
Wenn die Theorie also hinreichend zur Erklärung aller gegenwärtigen Beobachtungen ist: Wozu annehmen, es wäre Gott im Spiel? Solche Vermutungen gründen auf der Unkenntnis der Theorie oder auf dem Unwillen, sie in ihren Grundzügen zu verstehen. Oder sie entspringen der Hoffnung auf irgendein übergeordnetes Sein und der Zweifel an der Evolutionstheorie ist nur einer der Punkte, an dem sich diese Hoffnung manifestiert.