Fragmentierte Platten gibt's unter Windows seit 7 nichtmehr und in der Linux-Welt seit mehr als einem Jahrzehnt.
Gleich zwei falsche Aussagen in einem einzigen Satz. Klar gibt es die Fragmentierung mit NTFS noch, und daran wird sich bei dem Dateisystem auch nichts ändern. Die automatische Defragmentierung im "Hintergrund" kann da auch nicht wirklich helfen, zu mal die abgesehen von Büro-Rechnern i.d.R. auch nicht genug Idle-Zeit ab bekommt um das Dateisystem vollständig zu defragmentieren. Gerade bei Rechnern die nur als Spiele-Konsole genutzt werden kommt die Defragmentierung auch weiterhin nicht hinterher.
In der Linux-Welt existiert das Problem der Fragmentierung übrigens ebenfalls, selbst das weitgehend resistente Ext4-Dateisystem fragmentiert im Laufe der Zweit zwangsläufig. Der ältere, immer noch vielfach im Produktiveinsatz befindliche Vorgänger ext3 hatte sogar deutlich spürbar mit Fragmentierung zu kämpfen. Dateisysteme für den HPC/Storage-Betrieb wie XFS, ReiserFS und Btrfs haben ebenfalls noch Probleme mit der Fragmentierung, wobei allerdings zu mindestens die aktuellen Version der letzteren beiden damit nur noch auf HDDs Schwierigkeiten machen, auf SSDs oder anderen Datenträgern mit wahlfreiem Zugriff ist die spezielle Art der Fragmentierung die da noch auftritt, kein Problem mehr.
Wer eine SSD im Rechner hat interessiert sich wohl kaum für Zugriffszeiten, wer eine Magnetplatte als Systemlaufwerk hat und nicht so dämlich ist die Defragmentierung zu deaktivieren interessiert es ebenfalls kaum. Das im Betrieb keine Datenfragmente entstehen können habe ich genau so wenig behauptet.
Die Fragmentierung die bei NTFS auftritt betrifft auch SSDs insofern dass auch diese die volle Geschwindigkeit nur für ausreichend große, sequenziell adressierte Speicherbereiche erreichen während die Fragmentierung bei NTFS zu einer übermäßigen Anzahl von Fragmenten pro Datei führt. Und gerade bei den günstigeren SSDs ist das durchaus noch ein Knackpunkt da dort die Performance bei Random-Reads häufig deutlich niedriger ist als die Transferrate bei sequenziellen Zugriffen.
Davon abgesehen sind die Zugriffszeiten aber auch selbst bei einem komplett defragmentierten Dateisystem relevant, der Unterschied in der Systemperformance zwischen einer 2,5'' 7k2 RPM Platte und einer 3,5'' 5k4 RPM Platte ist gewaltig, denn egal wie man es dreht und wendet, die Dateien liegen in NTFS niemals in einer optimalen Reihenfolge womit die Transferrate in fast allen Anwendungsfällen (mit Ausnahme von synthetischen Benchmarks und rein sequentiellen Zugriffen wie Streamen von / zum NAS) durch die Zugriffszeiten limitiert wird. Und das sind bei 3,5'' 5k4 nun mal mindestens 12 Millisekunden während eine 3,5'' 7k2 typische bei 8-9ms und eine 2,5'' 7k2 bei 6-8ms liegt.
Diese Zugriffszeiten sind selbst bei einem NAS im LAN bei Verwendung von CIFS/NFS o.Ä. noch deutlich spürbar, und als System / Daten-Platte ist der Unterschied mit im Schnitt um 30-50% reduzierten Ladezeiten ebenfalls mehr als nur deutlich im spürbaren Bereich.
Selbst wenn man OO-Defrag o.Ä. einsetzt um die Daten "sinnvoll" an zu ordnen, sind "zufällige" Zugriffe absolut unvermeidbar, insbesondere dann wenn Anwendungen ihre Daten in eigenen Datenbanken strukturiert haben deren Format die Defragmentierungs-Tools einfach nicht verstehen oder wenn wie im Falle des Windows-Systemstarts mehrere Anwendungen nebenläufig in einer nicht-deterministischen Reihenfolge starten.
Fazit: 5k4 RPM-Platten sind und bleiben nur als Datengrab sinnvoll nutzbar. Egal was man trickst, und das Problem der Fragmentierung besteht in aktuellen Betriebssystemen auch weiterhin und die Zugriffszeiten sind fast immer der limitierende Faktor, selbst unabhängig von der Fragmentierung.