Zum Thema vergütung Künstler und Vertriebskanäle hab ich noch keine fertige Meinung. Eigentlich können beide davon profitieren.
Dafür sollte man sich erst einmal ansehen,
wie die Wertschöpfungskette hier genau funktioniert:
Der Künstler (wenn man das so überhaupt noch nennen kann) tritt die Nutzungs-/Verwertungsrechte an die Plattenfirma ab. Dafür bekommt er einen fixen Betrag X, der mit dem Label vorab vereinbart wurde. Weiters erhält er Tantiemen, die sich an der Zahl der verkauften Tonträger (welches Medium auch immer) orientiert. Zusätzlich bekommt er seine Gage für Auftritte bzw. Anteile für die Nutzung der Musik in Filmen, Fernsehspots und Veranstaltungen und den Erlösen durch Merchandising Artikel. Im Gegenzug erhält er/sie finanzielle Unterstützung bei der Produktion und muss nicht alles auf eigenes Risiko machen.
Der Verlag, der die Produktion sowie Vermarktung des Albums bezahlt, bekommt sein Geld durch den Vertrieb der Stücke. Davon bezahlt er den Aufwand für die Produktion und den Künstler, der Rest ist der Ertrag, der beim Rechteinhaber bleibt. Natürlich hat der Verlag auch das Risiko zu tragen, dass sich ein Album nicht gut verkauft. Dieses spekulative Risiko wird durch Marktforschung im Voraus minimiert. Gelingt der Absatz aber wie gewünscht, kann sehr viel Geld über viele Jahre (bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers) mit den Rechten an den Stücken verdient werden. Man denke einfach an Songs wie Last Christmas, mit dem werden unsere Urenkel noch jedes Jahr zu Weihnachten zwangsbeglückt werden.
Spannend ist die Frage,
woher der Rechteinhaber weiss, wie oft ein Stück gespielt/verwendet wird:
Die Vergütung der Künstler bzw. Rechteinhaber ist durch den online Vertrieb extrem einfach geworden, da konkrete Zahlen für jede einzelne Wiedergabe eines Stücks vorliegen. Früher hatte man den Luxus als Künstler nur dann, wenn die Stücke im Radio oder von Fernsehstationen gespielt wurden, weil diese detaillierte Aufzeichnungen darüber führen müssen.
Was ist aber mit den vielen Veranstaltungen oder einfach nur Kneipen, wo auch ständig Musik gespielt wird? Der Wirt führt natürlich kein Buch darüber, welche Songs er im Laufe des Abends spielt. Hier kommen die Verwertungsgesellschaften, wie GEMA, AKM und wie sie auch alle heißen, ins Spiel. (Ich kann mich hier nur auf Österreich beziehen, nehme aber an, dass das in Deutschland nicht unbedingt anders gehandhabt wird.)
Wenn du in Österreich eine Kneipe aufmachst, kommt der Typ von der AKM, trinkt einen Kaffee und zählt die Sitzplätze bzw. die Quadratmeter in deiner Bar. Welche Musik du spielst, ist ihm egal(!). Anhand deiner Besucheranzahl errechnet er dann, wieviel du monatlich an die Verwertungsgesellschaft abtreten musst und die verteilt das Geld
an die Künstler.
Was aber, wenn dem AKM Mann egal ist, ob ich einen Metal Schuppen oder ein Lokal mit zeitgenössischer Blasmusik betreibe, woher weiß er, an welchen seiner "Künstler" er das Geld ausschütten muss? Dafür gibt es Referenz-Diskotheken, die genau Buch darüber führen, welche Lieder wie oft gespielt werden. Anhand dieser Zahl, kombiniert mit allgemeinen Album Verkäufen und Nutzungen bei Veranstaltungen wird ein allgemeiner Schlüssel errechnet, der auf alle nicht erhobenen Lokale umgelegt wird.
Was mit kleineren AKM Mitgliedern passiert, deren Musik in den großen Referenz-Diskotheken nicht gespielt wird, ist eine weitere gute Frage
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