Versuch die Stimmungslage zu ergründen

nein, ich bin mir sicher auch noch einige andere sind fähig auf etwas höherem Niveau zu diskutieren.
Wenn du das nicht kannst, dann versuchs doch in nem anderen thread.
 

Naja ohne Juden Islam Rassisten und Hölle, ist sie das einfach nicht gewohnt... :unknown:
"SCNR"
 


Das scheint mir aber persönliche Gründe, eventuell das Alter, zu haben, nicht das die Zeiten sich geändert hätten.
Da ist die Hoffnung verloren gegangen. Denn was waren Willy oder Che denn mehr als eine Hoffnung?
In Obama hat man auch viele Hoffnungen gesteckt. Auch bei JFK denke viele nicht an einen Schuldigen für Vietnam, sondern an einen Hoffnungsträger.
Eine persönliche weltliche Glaubenskrise.
Aber zur verlorenen Hoffnungen habe ich ja bereits in #7 geschrieben.

Ob ein Verlust von Empathie für (beginnenden)Zynismus* oder eine persönliche Depression spricht, kann ich spontan nicht beantworten und paßt vielleicht hier auch gar nicht

* als wäre es eine Krankheit, die man heilen könnte :rolleyes:
 
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  • #85

Das scheint mir aber persönliche Gründe, eventuell das Alter, zu haben, nicht das die Zeiten sich geändert hätten.
Da ist die Hoffnung verloren gegangen. Denn was waren Willy oder Che denn mehr als eine Hoffnung?

Alterskrankheit? Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Dann könnte das Beobachten der Jugend einen heilen oder zumindest Linderung verschaffen.

Ich erzähle als Beobachter. Meine eigenen Hoffnungen waren niemals Willy Brandt, ganz im Gegenteil, den hatte ich schon immer als Nationalisten durchschaut, und auch nicht Che Guevara. Leute, die mir sehr gefallen haben, waren Adorno, Horkheimer, Benjamin. Aber die anderen, meine Genossen, hatten damals Idole, die es heute nicht mehr gibt. Heute haben die anderen keine Idole mehr.

In Obama hat man auch viele Hoffnungen gesteckt. Auch bei JFK denke viele nicht an einen Schuldigen für Vietnam, sondern an einen Hoffnungsträger.
Eine persönliche weltliche Glaubenskrise.
Aber zur verlorenen Hoffnungen habe ich ja bereits in #7 geschrieben.

Von Obama hatte sogar ich mir sehr viel mehr versprochen, die Rede in Kairo war auch wirklich toll. Aber was wurde draus? Ein weiterer Sargnagel für den Glauben an die Menschheit.

Ob ein Verlust von Empathie für (beginnenden)Zynismus* oder eine persönliche Depression spricht, kann ich spontan nicht beantworten und paßt vielleicht hier auch gar nicht

* als wäre es eine Krankheit, die man heilen könnte :rolleyes:

Wie oben schon: Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Nichts weiter als meine persönliche Macke. Also harmlos.

Ist aber nicht so, leider.

Die Menschheit führt sich derzeit einfach nicht so auf, dass man sie unbedingt ans Herz drücken möchte. Ich wiederhole mich: Es gibt keine "Guten", etwa wie die Schwarzen vom ANC in Südafrika. Nur die Bösen und die Hässlichen.

Und die gibt es im Überfluss. Wenn 100 Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen, ist das eine Katastrophe. Aber wenn es Tausende sind, hört man einfach zu zählen auf. Wenn nur die Polizei in Mexiko eine korrupte Verbrecherbande wäre, würde man sich über den Missstand aufregen und vielleicht demonstrieren. Wenn aber die ganze Bevölkerung eine korrupte Verbrecherbande ist, resigniert man.

Und das tun leider alle, leider bin ich mit dieser Haltung nicht allein.
 
Aber das war doch immer so oder nicht?

Es gab auch keinen guten ANC. Es gab im ANC Gute und das Anliegen war auch nicht schlecht.

Aber alleine die Truppe von und rund um Winny(?) möchtest Du schon sicher nicht mehr dazu zählen.

Wie überall, kein schwarz und weiß.*

* In diesem Falle muß man noch anmerken, im Sinne von Gut und Böse ;)
 
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  • #87
Aber das war doch immer so oder nicht?

Wie man heute weiss.

Aber damals wollte man davon nichts wissen, das ist der große Unterschied.

Man muss eine Bewegung idealisieren, um echte Sympathie für sie zu empfinden. Das geht so, dass man in der Zeitung irgendwelche Meldungen liest und sich dann sein eigenes, geschöntes Bild zusammenreimt.

Nehmen wir den "arabischen Frühling". Bei mir wurde ein altes Herz wieder jung, und ich schäumte, weil die BRD bei der alliierten Aktion gegen Gadaffi in Bengazi nicht mitgemacht hat. Weil ich zu wenig wusste und zuviel reimte. Heute muss ich gestehen: Die Bundesregierung ist klüger gewesen als ich.

Damals latschte ich auch bei allen Stuttgarter Bahnhofsdemos pflichtbewusst mit. Ich dachte - die übliche Fehleinschätzung - die anderen dächten so wie ich. Ich erwartete also, die würden zum Krieg in Libyen Stellung nehmen. Taten sie aber nicht. Und damit waren die Bahnhofsdemos für mich gestorben. Ein Konsens über diesen schwachsinnigen Bahnhof hinaus bestand, alders als erwartet, eben nicht.
 
3. Zugleich hat ein weiteres System sie im Interesse der Ökonomie zur Vermeidung unnötiger Risiken angehalten. Ohne den Zwang, sich in Gefahr zu begeben, wird der Mensch daher fett und faul wie eine Sofakatze.

4. Der Mensch braucht also reales Risiko und reale Not, um durch Überwindung beider in den vollen Genuss seines internen Belohnungssystems zu kommen. Er braucht also dafür reale Lebensgefahr, denn für ein lebensgefährliches Leben ist der Mensch von der Evolution ausgelegt gewesen. Dieser Lebensgefahr aber setzen sich freiwillig nur Wahnsinnige aus, man nennt sie auch Extremsportler.

Also: Es führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass das Leben heute in Europa viel bequemer und sicherer ist als früher, aber auch deutlich fader, und dass diese Entwicklung irreversibel ist. Man hat sich für den Komfort entschieden, und dann muss man eben auch den Preis dafür zahlen.

Ich würde dir bei deinen Ansichten und Schlußfolgerungen wiedersprechen und werfe mal den Begriff in den Raum.
Icch zitiere mal aus Wikipdia nen kleinen Teil:

Beck weist darauf hin, dass Risiken immer auch Ergebnis eines gesellschaftlichen Konstruktionsprozesses sind. Als bedrohlich wahrgenommen werden nicht die abstrakten Risiken selber, sondern ihre konkrete Thematisierung durch die Massenmedien. Dies führt dazu, dass „Wirklichkeit [...] nach einem Schematismus von Sicherheit und Gefahr kognitiv strukturiert und wahrgenommen wird“ (S. 48).[3]

Paradoxerweise führt die Inflation „gefühlter Risiken“ jedoch insgesamt zu mehr Gleichgültigkeit: „Wo sich alles in Gefährdungen verwandelt, ist irgendwie auch nichts mehr gefährlich“


Der letzte Satz mag auch ein wenig Richtung "Depression" etc gehen. Mir fehlt die Zeit da ins Detail zu gehen aber ist ein sehr interessanter Ansatz von Beck
 
Für manche mag das Gleichgültigkeit oder Depression sein. In anderen Teilen der Republik ist das eine entspannte und gesunde Lebenseinstellung.

Et is wie et is, et kütt wie et kütt un et hätt noch ever jot jejange.
 
Ich hab jetzt einfach mal nicht mitgelesen.
Ich denke es hat auch etwas mit dem bürgerlichen Glücksversprechen zu tun.

In früheren Zeiten, wo es Menschen hier wesentlich schlechter ging, gab es immer, jedenfalls gedanklich, die Möglichkeit seine bspw. finanzielle Situation zu verbessern. Sogar würde es durch Arbeit und Fleiß zwangsläufig sogar dazu kommen.
Heute haben wir alles und es muss "gekämpft" werden um den Standard an den mensch sich gewöhnt hat zu behalten. Das heißt, dass aktiv sein hat sich verschoben, vom für die Zukunft zum für das "jetzt".
Letzten Endes wird dadurch der Kampf für die Lebensstandardserhaltung mit dem Kampf ums überleben verwechselt und gesellschaftlich aber auch von Einzelpersonen so interpretiert
 
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  • #91
Et is wie et is, et kütt wie et kütt un et hätt noch ever jot jejange.

Klar, so kann man es auch sehen.

Aber wenn man den Spruch gesagt hat, muss man sich bedächtig eine Pfeife anstecken, und dann muss man schweigend in der Sturm aufs Meer schauen. Für eine Diskussion - und die ist doch momentan unser Zeitvertreib - eher ungeeignet.

@ propagandhi

Ich meine keine Risiken, die man vermeiden kann, indem man sich von den Massenmedien fernhält, sondern ganz reale.

Du spricht von der Zeitung, die einen entlaufenen Tiger meldet. Ich spreche vom Tiger, der Dir gegenübersteht und sich schon behaglich die Schnauze leckt. Er hat offensichtlich Hunger.
 
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@ Nero
Ne, du hast es leider komplett nicht verstanden worum es geht
edit: Bestes Beispiel war/ist die Kernenergie: Die Risiken sind enorm und ein Unglück bedroht im Unglücksfall hunderttausende. Die Wahrnehmung erfolgt aber nur bei Medienberichten über evtl Störfälle/Unglücke
Gentechnik, Chemie usw sind weitere
 
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  • #93
In früheren Zeiten, wo es Menschen hier wesentlich schlechter ging, gab es immer, jedenfalls gedanklich, die Möglichkeit seine bspw. finanzielle Situation zu verbessern. Sogar würde es durch Arbeit und Fleiß zwangsläufig sogar dazu kommen.
Sicher gibt es einen Zusammenhang. Das Wort Depression ist sogar doppeldeutig, kann eine Gemütserkrankung oder Wirtschaftskrise bezeichnen. Und in den USA waren die goldenen 20er Jahre mit ihrem fröhlichen Gehopse mit Beginn der großen Depression 1929 vorbei.

Aber das war schon in der Wirtschaftskrise von 1873 so gewesen, die fast bis zur Aufrüstung für WK1 gedauert hat.

Also früher war alles besser? Überleg nochmal.

Heute haben wir alles und es muss "gekämpft" werden um den Standard an den mensch sich gewöhnt hat zu behalten. Das heißt, dass aktiv sein hat sich verschoben, vom für die Zukunft zum für das "jetzt".

Letzten Endes wird dadurch der Kampf für die Lebensstandardserhaltung mit dem Kampf ums überleben verwechselt und gesellschaftlich aber auch von Einzelpersonen so interpretiert

Eigentlich war doch der Prolet der Bruder Leichtfuß, der das Geld verhurte und versoff, wenn er welches übrig hatte. Der dachte nicht an die Zukunft und der Aufstieg war auf keinen Fall seine Perspektive. Aufstieg und Zukunft kommen erst ins Spiel, wenn aus dem Proleten ein Stehkragenproletarier geworden ist, als ein Angestellter.

Aber mich hätte viel mehr interessiert, wie Du Deine eigene Stimmungslage beschreiben würdest.


Bestes Beispiel war/ist die Kernenergie: Die Risiken sind enorm und ein Unglück bedroht im Unglücksfall hunderttausende. Die Wahrnehmung erfolgt aber nur bei Medienberichten über evtl Störfälle/Unglücke
Gentechnik, Chemie usw sind weitere

Wie gesagt: Diese Risiken meine ich NICHT. Ich meine Risiken, bei denen man nicht erst den Beipackzettel lesen muß. Als Beispiel der Tiger, der sich die Schauze leckt.
 
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Klar, so kann man es auch sehen.

Aber wenn man den Spruch gesagt hat, muss man sich bedächtig eine Pfeife anstecken, und dann muss man schweigend in der Sturm aufs Meer schauen.

Das ist ebensowenig nur ein Spruch, wie es dort Meer gibt. Es ist Grundgelassenheit.

propaghandi sprach von durch die Medien transportierte Risiken. Das wird jede Woche eine andere Sau durchs Dorf getrieben.
Sauerer Regen und Ozonloch, was war das noch mal?

Da macht man sich Sorgen, ob es in 30 Jahren vielleicht ein Grad wäre sein könnte, was hier kaum ins Gewicht fällt, aber der Generationenvertrag in 30 Jahren kümmert die wenigsten.

Wofür brauchst Du denn überhaupt die Guten? Doch nur für den Selbstbetrug. Die Kategorien Gut und Böse greifen eh zu kurz.
Es lebt sich zwar besser mit dem Gefühl zu den Guten zu gehören, aber dem ist halt nicht so und so war es auch nie.
 
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  • #95
Wofür brauchst Du denn überhaupt die Guten? Doch nur für den Selbstbetrug. Die Kategorien Gut und Böse greifen eh zu kurz.

Es lebt sich zwar besser mit dem Gefühl zu den Guten zu gehören, aber dem ist halt nicht so und so war es auch nie.

Falsch.

Ich will nicht zu den Guten gehören. Das schaffe ich nie.

Ich brauche sie, um sie mögen zu können.
 
Ok. Für Dich es nicht ganz richtig? Dann formulieren wir es

Es lebt sich zwar besser mit dem Gefühl es gibt sie, die Guten, aber dem ist halt nicht so und so war es auch nie.
 
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  • #97
Es lebt sich zwar besser mit dem Gefühl es gibt sie, die Guten, aber dem ist halt nicht so und so war es auch nie.

Aber wenn Du verliebt bist, dann glaubst Du es, und wenn Du es glaubst, dann vollbringst Du für die Geliebte vielleicht wahre Heldentaten.

Wenn Menschen über sich hinauswachsen, wenn sie weit über ihre Verhältnisse leben, sind sie immer ein Opfer des Selbstbetrugs geworden.

Wie langweilig, mittelmäßig und arm wäre die Welt ohne sie.

Haha, gerade gemerkt: Du bist ja noch desillusionierter als ich!
 
Aber Du scheinst mehr darunter zu leiden.
 
God damn it.
An entire generation pumping gas ... waiting tables ... slaves with white collars.

Advertising has its taste in cars and clothes ... working jobs we hate so we can buy shit we don't need.

We're the middle children of history, man. No purpose or place. We have no Great War ... no Great Depression. Our Great War's a spiritual war. Our Great Depression is our lives.

We've all been raised on television to believe that one day we'd all be millionaires and movie gods and rock stars.

But we won't. We're slowly learning that fact.
And we're very, very pissed off.

Tyler Durden, 1999
 
und was machst du persönlich dagegen außer in Foren schreiben?
 
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