Hi Mitch,
erstmal schön dass Du Glück im Unglück hattest.
Bei Dir ist alles zum Glück gut ausgegangen, aber wie Du schon selber angemerkt hast, könnte dies bei einem anderen Patienten ggf. nicht der Fall sein. Ich kann nachvollziehen dass Du den Leuten, die Dich gerettet haben, nicht schaden möchtest, dies wird aber selbst bei einer Klage nicht der Fall sein.
Ins Visier geraten könnten sie natürlich aber sollten eben auch aus diesem wieder verschwinden, da die Schwester sehr eigenmächtig gehandelt hat. Sofern mich mein Kurzzeitgedächtnis nicht täuscht, hat Dich die Schwester abgewiesen und die Behandlung verweigert, nicht die Ärztin.
Man hat dann den diensthabenden Arzt zu verständigen aber nicht eigenmächtig auslachen und anmotzen sowas geht nicht. Ich will mich eigentlich nicht so geschwollen ausdrücken aber für mich ist es schon quasi deine Pflicht dass du klagst, sofern denn Aussicht auf Erfolg besteht, immerhin soll dies auch kein finanzielles Loch für Dich werden. Irgendwann unterlässt diese Schwester mal wieder die Behandlung bei jemand und die Person kann dann vielleicht nicht mehr den Notruf wählen ob da dann an das Tageslicht kommt worauf man hofft? Vielmehr wie würdest Du Dich fühlen wenn dies rauskommen sollte und Du davon erfährst und weißt es hätte anders sein können wenn man damals anders gehandelt hätte (zumindest besteht die Aussicht darauf). Ich denke die Möglichkeit dass dadurch irgendwann einmal ein Leben gerettet werden könnte sollte Dir Grund genug geben.
Zu dem generellen Geschehen, da meine Mutter sowie Schwester beide Ärztinnen sind kann ich leider auch nicht allzu viel positives aus Krankenhäusern berichten, es gibt durchaus ausgezeichnete Kliniken, wo es keinen Unterschied macht ob Kassen- oder Privatpatient, die Behandlung für alle gleich ist usw. der Unterschied macht sich auch dort nicht wirklich bemerkbar, denn ein Privatpatient wird nicht früher oder besser behandelt als der andere. Jeder hier schrieb von den Wartezeiten, welche mehrere Stunden betrugen. Logisch es geht nach Dringlichkeit, sofern keine sonderlich große Gefahr für Leib und Leben besteht kann man warten. Es gibt leide viele Leute die wegen jedem Schiss in das Krankenhaus gehen, nicht weil Sie wirklich Gebrechen haben, sondern einfach nur um menschliche Nähe zu suchen und sich zu unterhalten, dies raubt Zeit. CokeZ hat oben von 12Stunden oder mehr berichtet, beim Pflegepersonal, Ärzte hingegen haben öfter 24h-Schichten. Wenn es gut geht haben die das letzte Mal vor 10Std. was gegessen. Die Leute stapeln sich und man arbeitet nach und nach ab. Also so schade es auch ist, aber wenn der Patient warten kann, dann muss er das auch.
Das grundlegende bei Ärzten ist noch immer anderen Menschen zu helfen, obwohl einem dies durch sehr viele Faktoren erschwert wird und man nach einem ewig langem und komplexem Studium, nur irgendwer darauf wartet einen zu verklagen, dies hat übrigens folgenschwere Konsequenzen sofern sich diese "Anschuldigungen" als wahr behaupten, denn die Krankenhäuser, versichern die Ärzte auch nur bis zu einer gewissen Summe.
Umso grotesker ist jedoch die Tatsache wie leichtfertig manche damit umgehen, Chirurgen die Eingriffe vornehmen, welche nicht in der Art und Weise am Patienten gemacht hätten werden dürfen weil diese die Voraussetzungen dafür nicht erfüllen oder aber mit nicht sterilen Utensilien (geschweige denn Handschuhen) arbeiten. Meine Schwester studierte in Ö. machte dann in Deutschland ihren Facharzt, unglaublich was sich teilweise in punkto Hygiene raus genommen wird, so stand Sie als Assistenzärztin im OP und wies den Chirurg daraufhin seine Handschuhe hätten Risse oder aber dass er eben nicht mehr steril sei oder wohl nicht beabsichtige sich nur kurz die Hände zu waschen und so den nächsten Patienten zu operieren?
Der Grusel nimmt leider kein Ende, beim Probearbeiten, meine Schwester ist in der glücklichen Position sich aussuchen zu können in welchem Krankenhaus sie denn arbeiten möchte, sind auch erschreckende Dinge passiert. So sind vergessene Patienten keine Seltenheit, welche durch Schreien auf sich aufmerksam machten, wie kann es sein dass Patienten keine Visite erhalten und dies über Tage? Klar dass sie dort nicht arbeiten wollte.
Letzten Endes will ich noch auf die von Dir angesprochene Menschlichkeit zu sprechen kommen. Du meintest man sollte dann umlernen wenn einem der wimmernde Patient egal sei. Dies sehe ich leider anders, Empathie ist keine Voraussetzung für diesen Beruf warum sollte es auch eine sein? Wenn ich irgendwann mal in der Lage bin im KH zu sein dann will ich keinen Freund oder Priester sondern einen professionellen Arzt bzw. Personal. Mir ist es dort relativ egal ob jemand arrogant ist oder nicht, solang er seinen Job gut macht, denn davon hängt ab ob ich ggf. überlebe, irgendwelche Nebenwirkungen aufgrund der Behandlung habe oder oder oder. Hinzu kommt Junkies sind keine Seltenheit, Leute die handgreiflich werden, Obdachlose, Leute die spucken, beißen, usw und noch probieren einem irgendwie zu verletzen mit dem eigenen Blut.. alles in allem gibt es vieles was einem den Beruf madig macht, ich finde es übrigens erstaunlich wenn mir diese ganzen Schilderungen durchlese dass ich nie etwas lese darüber was Patienten so falsch machen, versteh mich nicht falsch ich will Dir keineswegs unterstellen dass Du dem schuldig bist, allerdings gibt es viele Patienten die meinen mit einer Arroganz auftreten zu können dass denen nicht auffällt dass die nicht die einzigen in diesen großen Gebäuden sind. Zwischen diesem ganzen Zeug muss man eine gewisse Distanz zu den Menschen aufbauen, sonst frisst einen dieser Beruf leider.
Die Fragen nach den Narben, zeugen nicht von Anteilnahme, sondern von Pflichterfüllung, bei Verdacht auf häusliche Gewalt usw. muss der diensthabende Arzt ggf. einen Amtsarzt verständigen. Missbrauch ist zu melden zumindest der Verdacht auf diesen usw usf.
Ich glaube "phre4k" meinte die Ärzte würden einen unnötig lang dort "beobachten" wollen. Aus Sicht der Krankenkasse und des Chefarztes stimmt dies sicherlich, aber generell haben Ärzte die Anweisung die Leute so schnell wie möglich wieder los zu werden damit die Betten frei werden, denn diese sind leider rar. Selbst wenn das KH meldet dass es voll sei wird es weiterhin von der Rettungsstelle angefahren, da dann alle umliegenden KHs dies nun auch melden, ob dies stimmt oder nicht. Die Ärzte müssen eigentlich kreativ werden damit die Leute etwas länger im KH bleiben können, man weiß zwar wenn Person X nun entlassen wird, weil Symptom Y beseitigt wurde, so ist er innerhalb von maximal 2 Tagen wieder da aufgrund von Symptom Z, sich selber zu entlassen ist in meinen Augen unklug, sofern man nicht in einem Misthaus wie dem vom Mitch gelandet ist, da die Zeit zum "kurieren" sowieso schon zu kurz bemessen ist und man zusätzlich im schlimmsten Fall dann von der Krankenkasse nichts mehr übernommen wird.
So lange Rede kurzer Sinn: Es gibt schwarze Schafe wie in jedem anderen "Beruf" aber hier ist es meiner Meinung nach wichtiger diese Leute rauszuhauen und zu bestrafen als irgend sonst, hier handelt es sich eben nicht um ein falsch repariertes Auto, schlecht gemauerte sonstwas oder in meinen Augen, unannehmliche aber verkraftbare Pfuscherei denn im schlimmsten Fall bezahlt hier irgendwer mit dem Leben oder hat eben ein lebenslanges Leiden. Also die wenn man mal schlechte Erfahrungen gemacht hat, den Ort meiden, melden, beschweren natürlich sofern möglich und nicht eine lebenslange Fede ausfechten und dann die guten Orte wertschätzen und dafür einsetzen dass diese erhalten bleiben.
Bin auch gespannt wie es bei Dir weitergeht und halt uns auf dem Laufenden.
MfG
Endstille