Belassen wir das Thema jetzt weiterhin eingeengt auf das Schlagen von Kindern? Als ob Erziehung nicht wesentlich aus ganz anderen Aspekten bestünde. Wie erfolgreich manche gewaltlose Mittel der Disziplinierung sind, hat sicher auch jeder Erwachsene schon selbst erfahren. Wer solche Situationen vergessen hat, darf gerne einen dummen Witz in Anwesenheit von Menschen bringen, die nicht auf dumme Witze stehen, aber durchaus für einen selbst wertvolle Menschen sind, und dann die Reaktion abwarten. Oder vielmehr dabei zusehen, wie Erziehung an einem selbst funktionieren kann.
Mir fallen spontan drei Möglichkeiten ein, andere Menschen zu beabsichtigtem Denken und Handeln zu bewegen: durch eigene Vorbildlichkeit, durch Belohnung, durch Bestrafung. Obige Situation ist ein Beispiel für Bestrafung, physische wie psychische Gewalt natürlich ebenfalls. Gewalt kann als Strafe durchaus zielführend sein, wird aber in der Regel für solche Zwecke falsch angewandt (Stichwort Affekt, rohe Gewalt, betrunkene Eltern, Missbrauch) und steht allgemein in Konflikt mit weiteren Erziehungszielen und eigenen Wertevorstellungen. Ein weiteres fragwürdiges aber effizientes Mittel ist Konditionierung, klappt selbst bei Erwachsenen noch und bedarf keines abgeschlossenen Psychologie-Studiums (aber schon etwas mehr als Keks und Spritzwasser).
Mein Eindruck aus meinem Umfeld ist: Entweder die Erziehung ist in den ersten etwa 12 Jahren halbwegs gelungen, dann gibt sich der Rest die nächsten Jahre fast von selbst, abgesehen von den üblichen Lebenskrisen in jungen Jahren und einigen blanken Nerven bei den Eltern dank Schule, Ausbildung, Partnerwahl und Freizeitgestaltung. Ist das Gegenteil der Fall, hilft nur noch professionelle Hilfe und viel Glück; das Ergebnis sind oft Kinder, die erst Jahre später wirklich erwachsen werden, Bildungsabschlüsse nachholen, meist dann aus eigener Kraft und weil sie selbst erlebt haben, dass es so nicht weitergeht.
Darauf läuft es ja letztendlich hinaus: Erziehung soll es dem Kind im Leben einfacher machen. Wer keine halbwegs gesitteten Tischmanieren hat, wird nur einmal zum Geschäftsessen eingeladen, und wer über kein Selbstbewusstsein verfügt, vielleicht nicht mal nach dem Vorstellungsgespräch zum Arbeitsbeginn, ganz zu schweigen von der Partnersuche und dem ganzen restlichen Leben. Der Rest an Ziel der Erziehung ist, dass die Eltern nicht 18 Jahre lang ständig nur Stress haben.
Was die Wahl der Methoden anbelangt gilt für mich: Nicht im Affekt handeln, lieber die Tür zuknallen und abregen als Gewalt anwenden, und anschließend nur das anwenden, das ich auch an meiner Partnerin zur Beeinflussung / Erziehung anwenden würde (zu ihrem Besten natürlich, versteht sich doch von selbst

).