Ich zitiere das mal in voller Länge, weil das sonst nie so klar formuliert wird:
Du hast es einfach nicht verstanden.
Es geht nicht um die Technik. sondern um die Quelle.
Wir haben die Technik für Öl, Kohle und Atom.
Aber die Ressourcen schwinden und die Resteentsorgung ist nicht geklärt.
Bei der Sonne geht es nur um die Technik, die Quelle ist stets erreichbar.
Nicht auf die Ersparnisse zurückgreifen, den Lebensunterhalt aus den laufenden Einnahmen bestreiten, übersetze ich mal. Haben die Menschen doch gemacht, solange sie von ihrem Guthaben nichts wussten. Aber es hat halt hinten und vorne nicht gereicht.
Eigentlich müsste das Guthaben sich durch jede Abhebung verringern. Tut es im Augenblick aber nicht, weil immer neue Guthabenbeträge auf den Konten gefunden werden. Seit den Tagen des Club of Rome (Die Grenzen des Wachstums, 1973) hat sich die Galgenfrist nicht verkürzt, sondern verlängert.
Aber grundsätzlich hast Du natürlich Recht. Irgendwann ist das Eingemachte im Keller alle, und je schneller, desto mehr Menschen davon naschen. Früher hatten wir die ganze Pracht für uns allein. Jetzt sind auch noch die Chinesen auf den Geschmack gekommen. Bald werden es die Inder sein. Und dann auch noch die Afrikaner.
Wenn in Nairobi (Kenia) oder Accra (Gahana) der Strom ausfällt, was er regelmäßig tut, brummen die Generatoren, derer, die sich die kleinen Spritfresser, meist von Honda, leisten können. Reiner Wahnsinn, bei der Sonneneinstrahlung dort brächte Photovoltaik wirklich was. Ebenso in den Slums, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind.
Die Sonne ist immer erreichbar, sagst Du. Aber nicht für jeden, für mich zum Beispiel heute den gottweißwievielten Tag in Folge nicht. Aber Kohle ausbuddeln könnte ich. Die Kohle ist mir momentan näher als die Sonne.
Ich verstehe durchaus den Wunsch, unabhängig zu werden von endlichen Energievorräten, welche dem Leben in seiner gegenwärtigen Form eine Frist setzen. Wobei man sich natürlich fragen könnte, ob man tatsächlich heute schon für eine Ewigkeit planen muss, die es für die Menschheit vermutlich so wenig geben wird wie für alle anderen Spezies in der Naturgeschichte davor.
Aber ich bezweifele, dass man dem Ziel, von Energievorräten unabhängig zu werden, durch ideologisch Debatten und Glaubenskriege näherkommt. Es müssen praktische Lösungen gefunden und ausprobiert werden, und diese Lösungen müssen an die jeweiligen Bedingungen angepasst sein. Plakativ: Photovoltaik für die Tropen, Fernheizung und Verbundnetz für die Ballungsräume in den gemäßigten Zonen.
Das Bekannte (selbst wenn es schlecht ist) wird von vielen Menschen dem Unbekannten (und evtl. sogar Besseren) vorgezogen. Diese panische Angst vor jeglicher Veränderung ist unnötig und in keinem Bereich sinnvoll.
Die Evolution hat nun mal die Lernfähigen unter uns zur Vorsicht erzogen und die Nichtlernfähigen aussortiert. Wer ohne vorsichtiges Probieren alles in Mund steckt, was er findet, erreicht in der Natur nicht das zeugungsfähige oder gebärfähige Alter.
Aber den Gefahren der Natur entwöhnt und von der Zivilisation verwöhnt, vergessen manche Menschen wieder, was die Evolution ihnen beigebracht hat. "Wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis", sagt der Volksmund. Und dann ersäuft er im Teich.