Fantastic Beasts and Where to Find Them
Gestern die englische OV gesehen - danach war ich komplett geflasht.
Vorweg: Ich war bis vor ein paar Jahren eingefleischter Harry Potter-Fan. Ich habe die ersten vier Bücher jeweils 7 oder 8 mal gelesen und die danach auch alle mehrfach. Die Filme fand ich - soweit ich mich erinnere - auch alle bis auf ein paar Kleinigkeiten super. (Seitdem habe ich mich mehr mit Tolkien und Mittelerde beschäftigt, was den Potter etwas verdrängt hat.)
Das aktuelle Potter-Buch habe ich noch nicht gelesen. Werde ich aber dann wohl mal tun. An den Film hatte ich außerdem keine großen Erwartungen. Ich dachte, es wird auch wieder ein Spin-Off um Geld zu scheffeln und sich in Verknüpfungen zur und Anspielungen auf die Hauptserie verlieren, anstatt an einer ordentlichen Story zu arbeiten.
Für alle, die die Bücher nicht kennen: Der Titel des Films (dt.: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind) basiert auf einem fiktiven Lehrbuch, das in den Potter-Büchern Pflichtlektüre für die Schule ist. J. K. Rowling hat das Buch tatsächlich auch geschrieben und herausgegeben, es hat vielleicht 200 Seiten und beschreibt eigentlich eher die Eigenarten der im Potter-Universum vorkommenden magischen Tierwesen, wie sie leben, wo sie herkommen, ob sie gefährlich sind, etc. Rein storytechnisch bietet das Buch also so ziemlich nichts als Vorlage für einen Film.
Der Film, der nun dabei rausgekommen ist, gehört für mich bisher zu den besten Spin-Offs oder nachträglichen - quasi ungeplanten - Fortsetzungen, die ich kenne. Die Story hängt nur lose mit der in den Büchern erzählten Geschichte zusammen, bzw. spielt eine ganze Zeit davor. Überschneidungen im Cast gibt es bisher keine. Es werden lediglich einige wenige Anspielungen gemacht auf Figuren aus der Hauptgeschichte. Und das ist mMn auch genau richtig so. Es handelt sich hierbei um einen eigenständigen Film, der in einem bekannten Universum angesiedelt ist, aber so eine ganz eigene Story entwickeln kann.
Und ich finde dazu sowohl die Story selbst als auch die Umsetzung mehr als gelungen. Auch die Musik verwendet nur ganz rudimentär Fragmente aus dem HP-Soundtrack und erschafft ansonsten einen völlig anderen Sound. Wirklich verliebt habe ich mich allerdings in die Hauptfigur Newt Scamander (Eddie Redmayne). Ich kannte den Schauspieler vorher nicht und finde, dass er der Figur eine große Tiefe verleiht und eine Zurückhaltung und Schüchternheit, die man sonst von Filmhelden absolut nicht gewohnt ist. Ihm geht es bei der Rettung der Stadt (New York) weder um den Ruhm, noch um die Anerkennung einer Frau. Genau genommen will er eigentlich nicht einmal die Stadt retten. Er verfolgt seine ganz eigenen Ziele und hat damit fast schon autistische Züge.
Aber ich fange an zu schwafeln. Ich habe in diesem Jahr nicht endlos viele Kinofilme gesehen, aber dieser ist für mich eindeutig eines der Highlights. Im Augenblick ist der einzige Schwachpunkt meiner Meinung nach, dass nicht erklärt wird, wie Grindelwald an seine Position gekommen ist. (Ich will nicht zu viel spoilern, deshalb sage ich dazu nicht mehr.) Allerdings wird Grindelwald ja vermutlich zumindest über einen großen Teil der geplanten fünf Teile der Gegenspieler Scamanders sein, so dass diese Erklärung auch vielleicht noch nachgeliefert wird.
Ein kleiner Tipp noch: Wenn ihr Überraschungen mögt, seht euch vorher nicht den Cast an, sondern wartet das Ende gespannt ab
Von mir jedenfalls:
9/10 Punkten