Vorab: Ich bin völlig frei von Vorwissen in den Film gegangen und kenne den Roman aus den den 1920er Jahren nicht. Ich habe allerdings im Vorfeld die Filmkritik von Filmstarts gelesen, die einen meinen Augen einen bösen Spoiler enthält, der meinem Erlebnis tatsächlich erheblich geschadet hat. Meine Empfehlung: Vor dem schauen keine Kritiken zu dem Film lesen!
Ich habe den Film gestern Abend im Kino gesehen und mir fällt es noch immer schwer eine passende Bewertung zu finden. Es handelt sich um einen Brocken von 3 Stunden, die in meinen Augen nicht hätten sein müssen. Der Film ist mindestens eine halbe, wenn nicht sogar dreiviertel Stunde zu lang. Die Geschichte ist aber trotzdem immer mitreißend und an keinem Punkt langweilig. Die Darsteller machen alle einen großartigen Job, werden aber von einem wirklich genialen Albrecht Schuch überstrahlt. Das ist wirklich ein Performance, die sich auch international nicht verstecken muss.Die Vergleiche zu Christoph Walz sind durchaus berechtigt. Dem Mann könnte eine große Karriere bevorstehen.
Der Schnitt, die Kamera, das Szenenbild... Alles auf einem sehr hohen Niveau. Bis hierhin müsste man objektiv sicher eine 9/10 geben, was ja viele Kritiker auch getan haben. Jetzt kommt aber mein Problem mit dem Film: Ich habe wenig gespürt, war emotional oft außen vor. Die Beziehungen der Figuren waren mehrfach plötzlich einfach da und nicht wirklich nachvollziehbar. Wenn man sich schon 3 Stunden für einen Film Zeit nimmt, hätte man auch diesen Aspekt besser verständlich machen können. Auch die Handlungen von Hauptfigur Francis waren für mich manchmal nicht nachvollziehbar, was die Identifikation teilweise wieder ein Stück zurückgeworfen hat.
Und dann noch mein Hauptkritikpunkt: Das Bild der Geflüchteten wird in meinen Augen sehr stark in Klischees gezeichnet. Man könnte letztendlich den Eindruck bekommen, dass "die ja doch alle irgendwie kriminell sind". Das passt zwar zur Geschichte, ich hätte mir aber trotzdem einen Gegenpol gewünscht.
7/10
Der beste Michael Bay Film der letzten 15 Jahre (also nach "Die Insel"), was aber auch nicht schwer ist. 6 Underground bietet nette "Over the Top" Action mit einem gut aufgelegten und im Rahmen seiner Möglichkeiten alles gebenden Ryan Reynolds. Mélanie Laurent geht eh immer, bleibt hier aber hinter ihren Möglichkeiten. Wenn das Hirn mal frei haben möchte, kann man den Film gut schauen.
4/10
Schöne Idee, durchaus ordentlich Umgesetzt. Ich würde mir einen hoffentlich kommenden zweiten Teil wieder anschauen.
6/10
Wenn man mit dem ESC nichts anfangen kann, ist man nicht die Zielgruppe dieses Films. Wenn man aber, wie ich, etwas mit dem ESC anfangen kann, bekommt einen Film, dem man seine Liebe für den ESC jederzeit abnimmt. Will Ferrel, selbst bekennender ESC Fan, ist in diesem Fall zusammen mit Rachel McAdams eine hervorragende Besetzung einer etwas schrulligen, aber stimmigen ESC Combo. Viele Cameo Auftritte und eine Musical Nummer im Mittelteil, fangen die Stimmung es Song Contests toll ein. Der Film macht überspitzt die ja unstrittig vorhandenen Seltsamkeiten, macht sich aber nie über den ESC lustig. Man lacht eher miteinander über sich selbst als von oben herarb Übereinander. Aus der Darstellerriege muss man Dan Stevens hervorheben, der den etwas zwielichtigen aber doch irgendwie liebenswerten russischen Sänger Alexander Lemtov congenial mimt. Auch der Soundtrack des Film ist hervoragend ausgewählt und produziert. Da sind Songs dabei, die einfach exakt genauso beim ESC vorkommen könnten und sogar durchaus Siegchancen hätten.
Klar, es gibt Schwächen und auch Fehler (der Voting Teil beim Halbfinale z.B.), aber der Film schafft es, dass man als geneigter Zuschauer über fast die gesamte Laufzeit ein breites Grinsen im Gesicht hat und auch garantiert nicht ohne Ohrwurm aus der Sache rauskommt (Ja Ja, Ding Dong - Wie ich dich hasse).
8/10
PS: Ich wollte "Berlin Alexanderplatz" erst eine 7/10 geben, hab mich aber dann doch nach oben korrigiert nachdem ich "The Old Guard" ebenfalls eine 7/10 geben wollte. Das ist aber schon eine andere Hausnummer an Film. Also habe ich mich letztendlich zu einem anderen Urteil durchgerungen. Es ist mir selten in näheren Vergangenheit so schwer gefallen einen Film zu bewerten. Je nach Lesart und Vorlieben bitte im Hinterkopf behalten.
-------------
EDIT: Ich habe den ESC Film noch eingefügt, Vertipper in der Wertung von 6 Underground korrigiert. Zur Transparenz: Das Danke von poesie noire und Trolling Stone war bereits vor dem EDIT da.