Soweit ich weiß sind die ersten 4 Jahre bei der Kinderziehung sehr wichtig, da hier das Fundament entsteht für die Charakterentwicklung des Kindes und wie es dann mit diesem Charakter umgehen kann, oder ob es sich selbst im Weg steht.
Wenn man nicht gerade ein Kind mit antisozialer Persönlichkeitsstörung gezeugt hat (was, soweit ich weiß, vererbbar ist), dann sind schon Erziehungsfehler in den ersten Jahren gemacht worden, wenn das Kind in der Pubertät so stark außer Kontrolle gerät, dass nur noch physische Gewalt hilft, um es auf den Boden zurückzuholen.
Zu all jenen, die meinen eine kleine Ohrfeige würde nicht schaden: Ich bekam von meiner Oma immer mal wieder Ohrfeigen und hab heute ein gestörtes Vertrauensverhältnis zu ihr.
Meine Mutter hat mich auch geohrfeigt, allerdings auch geschlagen und mit Gegenständen verprügelt. Auch zu ihr habe ich ein gestörtes Verhältnis. Ich bin in Angst zu beiden Personen aufgewachsen. Allerdings ist mir das nie wirklich bewusst gewesen, erst später als ich anfing zu überlegen, wieso ich so gestört bin.
Das beste Verhältnis hatte und habe ich immer zu meinem Opa - der hat mich nie geschlagen. Kein einziges Mal. Nicht mal ein Klaps. Die meiste Zeit verbrachte ich mit ihm, weil er nicht dauernd nur "Nein!" rief oder "Lass das!", oder "Mach das!", sondern weil er mir erklärte, warum dies und jenes so und so zu sein oder nicht zu sein hatte. Er hatte Zeit für mich.
Und das war der feine aber entscheidende Unterschied in den Erziehungsmethoden meiner Mutter und Oma und der meines Opas.
Meine Schwester wurde auch geschlagen und auch sie hat ein gestörtes Verhältnis zu meiner Oma und meiner Mutter. Allerdings fing meine Schwester mit glaube ca. 11 Jahren an zurückzuschlagen.
Auch sie ist insgesamt eher als "gestört" zu bezeichnen. Ihre Veranlagung zum Jähzorn hat sich voll entwickelt und sie reagiert öfter über ohne das wirklich zu realisieren. Ihr fehlt häufig das Feingefühl im Umgang mit ihren Mitmenschen. Inzwischen reflektiert sie aber ihr Verhalten und arbeitet daran.
Es gibt Dinge, die kann man im Nachhinein als Kind aus solchen Familien korrigieren.
Aber es gibt auch grundlegende Dinge, die kann man nicht mehr so einfach korrigieren. Die geschehen im Unterbewusstsein und stehen einem, wenn man Pech hat, sein ganzes Leben im Weg. Und eben diese Dinge entstehen mitunter durch elterliche Gewalt - sei es physisch oder psychisch.
Z.B. grundlegende Probleme damit, anderen Menschen zu vertrauen. Daraus mitunter resultierende starke Eifersucht.
Bindungsängste.
Ein mangelndes Selbstwertgefühl.
Ein zu hohes Selbstwertgefühl.
Diverse Ängste, die man sich vllt. anfangs nicht mal erklären kann.
Angst vor Erfolg.
Meistens einfach Dinge auf der Gefühlsebene/im Unterbewusstsein, die man nicht einfach mal so abstellen kann, weil man sich im Kopf einredet, dass es irrational ist und daher ignoriert werden kann.
Das steht einem später alles im Weg und man verbindet es vllt. nicht unbedingt mit seiner Erziehung, aber sehr häufig sind es genau diese Dinge, die sich während der Erziehung entwickelt haben und deren Ausmaße sich dann 10-20 Jahre später unangenehm zeigen, wenn man beginnt mit seiner Umwelt und seinen eigenen Wünschen zu kollidieren.
Welche Werte würde ich versuchen meinem Kind zu vermitteln?
Fairness/Bewusstsein für Recht und Unrecht
Ehrlichkeit,
Respekt vor dem Leben,
ein Bewusstsein dafür wie wichtig Bildung ist
Unabhängigkeit - auch im Denken
Und extra für unsere Gesellschaft: Wenn das Kind sich sicher ist, dass es Recht hat, soll es für sein Recht kämpfen wie ein Tiger und die Stärke haben, sich nicht von schäbigen Wichtigtuern unterdrücken zu lassen, nur weil diese meinen Recht haben habe etwas mit der gesellschaftlichen oder beruflichen Stellung zu tun.
Und es soll nie das Gefühl haben, etwas nicht schaffen zu können, bevor es es nicht versucht hat. Es soll den Mut haben, Dinge einfach zu tun.