Totempfähle (engl. totem poles) sind monumentale Skulpturen der Eingebohrenen (First Nations) vor allem im Nordwesten von USA und Kanada. Der Begriff „Totem“ stammt vom Wort „odoodeman“ aus einer Algonkin-Sprache und heißt „seine Sippe, seine Gruppe, seine Familie“ bzw. „sein Familienabzeichen“. Totempfähle haben keine religiöse Bedeutung, sondern erzählen eine Geschichte, die von unten nach oben gesehen werden muss. Sie sind nicht zu verwechseln mit Marterpfählen anderer Indianergruppierungen in Nordamerika.
Während die First Nations kein Besitzgefühl bzgl. des Landes hatten, gehörte einem Clan/einer Familie die Geschichte, die mit dem Totempfahl verbunden ist. Die Geschichte darf nur mit Erlaubnis weitererzählt werden. Praktisch ein Copyright. Dieselben Figuren können für eine andere Familie eine andere Bedeutung haben. Wenn die Geschichte vergessen wurde, kann der Pfahl nicht mehr entschlüsselt werden.
Während in British Columbia die Proportionen zwischen Körper und Kopf realistisch sind, werden sie gegen Norden unrealistisch und der Kopf wird genauso groß wie der restliche Körper dargestellt. Im Norden sind die Augen eher klein, während in BC die Augen übergroß geschnitzt werden.
Es gibt verschiedene Arten von Totempfählen: House frontal poles (=family poles), House posts (=interiour poles), Memorial poles (in Gedenken an eine gestorbene Person), Mortuary poles (Grab-Totempfahl, seltenste Art), Welcome pole und Shame/ridicule pole.
Traditionell werden Totempfähle aus dem Stamm der roten Zeder geschnitzt, ggf. mit Pflanzenfarben bemalt, aufgestellt und dann stehen gelassen ohne etwas zu verändern. Was aus der Erde kam, kommt dorthin wieder zurück. Bei den touristischen Totempfählen werden sie gewaschen und "gewartet", damit die Sicherheit der Besucher gewährleistet ist (und sie ein schönes Fotomotiv haben). Daher sind die meisten Totempfähle auch nicht so alt. Die meisten öffentlich bekannten Totempfähle wurde ab 1930 aufgestellt. Der älteste in einem Museum ausgestellte Totempfahl stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts.
Durch das Vorgehen der Regierungen wurde das Aufrichten von neuen Totempfählen zwischen 1884 und 1951 fast komplett torpediert. Durch die Missionierung sind viele First Nations zum Katholizismus konvertiert und verwenden dafür typische Tiersymbole auf ihren Grabsteinen weiter.