Re: Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt! - Notarzt wegen Verkehrsgefährdung vor Geric
@infofilter:
Um Gottes Willen, liest du Heini eigentlich die News, oder nur die Überschriften?
Zum Thema Verkehr, ein kleines G'schichterl von einem meiner Einsätze:
Meldebild: Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person auf der Autobahn, Pfingsten letzten Jahres.
Wir sind aufs HLF und haben uns fertig gemacht, der Maschinist derweil durchgehend mit Blau und Presslufthorn (das Laute, das man eigentlich in der Stadt vermeidet) mit etwa 70 km/h zur Autobahn (Stadtstraße, zweispurig und Überbreite). Da haben die Autos halbwegs Platz gemacht, wobei 60 auf der Straße zum guten Ton gehört (und sie stark von RTWs, NEFs und anderen Rettungseinheiten frequentiert wird). Schon auf der Auffahrt zur Autobahn war klar, dass KEINER die Rettungsgasse gebildet hatte - Gott sei Dank gibts durchgehend einen schmalen Seitenstreifen. Da eh keiner mittig Platz gemacht hat, hatten wir auf dem Streifen aber genug Platz für die 90-100 km/h, bis einer (!!!) dran gedacht hat, dass sowas wie ne Rettungsgasse ne patente Sache wäre, wenn man schon zwischen der Ausfahrt zum größten Klinikum Münchens und einem Unfall steht. Das fiel ihm natürlich auch erst ein, als er das Blaulicht hinter sich gesehen hat. Wir sind ganz schön geflogen, als der Maschinist in die Eisen gestiegen ist. Am Einsatzort angekommen haben wir uns quer in die Fahrbahn gestellt (und zwar kurz vor dem Unfall, mehr Platz war nicht), und weil bei ner dreispurigen Autobahn ja vorn und hinter dem Fahrzeug noch Platz ist, haben gleich zwei Autofahrer gedacht, man könne auf einer Unfallstelle wesentlich besser stehen als vor einer. Die Dame, die vornrum fahren wollte, hat nur ganz blöd geschaut, als der Maschinist ihr nochmal das Presslufthorn in die Ohren geblasen hat. Völlig absurd, dass so ein querstehender roter Feuerwehr-LKW irgendwas zu bedeuten hat, nicht wahr?
Kurzum: Der Motorradfahrer hat schwerverletzt überlebt, v. a. weil er eben nicht eingeklemmt war und die Ersthelfer gute Arbeit geleistet haben. Man sah aber sehr gut, dass kaum ein Autofahrer in der Lage oder willens ist, mehr als zwei Meter weit zu denken, wenn er nicht irgendwie täglich Blaulicht sieht. Eingeklemmt hätte der gute Mann seine Autobahnfahrt wohl im Leichensack beendet.
Sorry - ja, wir fahren schnell, und ja, wir fahren nicht genau regelkonform. Wir haben aber auch nen triftigen Grund, der sich nicht in "Meine Serie fängt in 5 Minuten an" erschöpft. Wenn Blau und Horn wahrgenommen werden, fahr ich doch in Gottes Namen rechts ran - nächstes Mal ist es vielleicht mein Leben, bei dem 2 Sekunden mehr oder weniger über ein paar Jahre entscheiden. Insofern sollte diese Anzeige ein Bumerang werden, zumal sie schön zeigt, dass offenbar nichts wertvoll ist, was nichts kostet. Und ein großer Teil der Leute, die unterm Blaulicht sitzen, kosten nichts. Sie sind freiwillig dabei.