Internationale Medienunternehmen werden aber nicht die neuesten Nachrichten aus Castrop-Rauxel berichten
warum denn nicht? wo es einen markt gibt, wird dieser auch bedient (darum werden ja auch lokalzeitungen immer mehr von internationalen großkonzernen aufgekauft).. und auch hier ist grundversorgung selbstverständlich kein problem - ein teil des GEZ-topfes ist ja bereits jetzt schon für lokale nachrichten bestimmt, nur dass diese gelder dann eben nicht ARD-intern verteilt werden, sondern öffentlich ausgeschrieben werden - nach demselben prinzip wie in jeder anderen sparte der grundversorgung auch.. du scheinst aber auch zu vergessen, dass lokale nachrichten (und "politisch unabhängige" nachrichten ganz allgemein) keine 8 milliarden im jahr kosten; die zahlt die GEZ aus der portokasse, achwas, die könnte man allein von den bußgeldern für öffentliches urinieren bezahlen

.. niemand wird etwas dagegen haben, einen popelbeitrag für eine grundversorgung mit unabhängigen nachrichten inkl. lokalnachrichten zu zahlen, so wie auch niemand was dagegen hat, dass lokale kulturprojekte öffentliche förderung erhalten..
Die Privaten hassen die GEZ und die ÖR. Allerdings können auch sie nicht auf einen Schlag die ÖR abschaffen, auch nicht bei einer entsprechenden Besetzung des V-Gerichts. Vlt. wird es eine Schrittweise "Enteignung" der ÖR geben: Ihr dürft nicht ins Internet, keine App, keinen Sport mehr Senden, keine Unterhaltung, kein Fernsehen, nagut, vlt. einen Radiosender noch. Dann wären wir in den USA. Und da ist NPR ein großartiger Sender zwischen viiiieeel Bullshit
es macht zumindest nicht den anschein, dass die privaten die ÖR hassen - dafür wird viel zu wenig gekämpft und konkurriert.. man hat sich irgendwie arrangiert und bedient sich nicht überschneidende märkte - das dschungelcamp spricht einen anderen zuschauerkreis an wie das mutantenstadl (obwohl beide gleich hohl sind).. eher dürften die privaten sauer sein, dass die ÖR ihre werbe- und schleichwerbekunden abgreifen, aber das ist auch nicht wirklich signifikant.. und ich bin überhaupt nicht dafür, den ÖR (also den firmen/sendern) vorzuschreiben was sie "dürfen", sondern stattdessen für eine liberalisierung der grundversorgung: die ÖR dürfen alles machen was sie wollen, sofern sie die finanzierung dafür gewinnen.. das hätte auch (optimistisch betrachtet) einen positiven einfluss auf private medienfirmen/sender, die dann z.b. hin und wieder mal weniger grenzdebile (also weniger werberelevante) sendungen einstreuen, um dafür die GEZ-förderung zu bekommen.. so wie es heute ist, müssen diese sender ja zu 100% produkte vermarkten, was die inhalte zwangsläufig in einer riesigen feedbackschleife in eine ganz bestimmte richtung drängt - da wäre ein bisschen "durchatmen" durch öffentlich geförderte sendungen auch im hinblick auf die gesellschaftliche entwicklung/verdummung durchaus erstrebenswert.. davon abgesehen (auch was die USA angeht), wird man die werbefinanzierten medien ja nicht los, nur indem man einen geldtopf aus öffentlichen mitteln für die grundversorgung ausschreibt - die gibts immer
zusätzlich, solange es genug dumme menschen gibt, die aufgrund von werbungskonsum produkte kaufen.. und momentan haben die ÖR auch nicht den auftrag, diese leute irgendwie umzuerziehen - das wäre allenfalls ein bildungsauftrag des staates oder im extremfall auch ein regulierungsauftrag (wie bei drogen)..
Allerdings liefern die ÖR eine Grundleistung für die Demokratie (Details siehe jedes V-Urteil zum ÖR, ever). Daher auch mein Verweis auf privates Wasser oder das aufweichen der Netzneutralität. Wenn private Firmen hinter so etwas sitzen, wird automatisch gespart und gestrichen sowie Fairness abgebaut. Wie viele Städte wohl den Verkauf ihrer Stadtwerke bereuen, nachdem Stellen gestrichen, nicht in Modernisierung investiert und die Qualität abgenommen hat? Wenn eine Lobby so mächtig, oder die Gegenseite so schwach geworden ist, wie du es für die Zukunt der ÖR beschreibst, werden auch Standards und Regelungen dem "freien Markt" geopfert, damit einige wenige ein wenig mehr Rendite erwirtschaften können. Daher meine Skepsis.
das verstehe ich immernoch nicht.. ich bin doch
für grundversorgung und
gegen eine regulierung allein durch den freien markt

.. ob die kohle jetzt von kurt becks buddies oder von RTL-prolls verprasst wird, führt doch zur gleichen grundversorgung, oder? Inwiefern unterscheiden sich private produktionsfirmen von den ÖR, außer in der
quelle ihrer einnahmen? bei beiden wird doch an qualität gespart wo es geht, praktikanten ausgebeutet etc. und das geld lieber von der chefetage eingesteckt - oder meinst du, jemand wie günther jauch leistet einen derart wichtigen beitrag zur demokratie, dass er um ein vielfaches mehr bezahlt bekommen muss als die kanzlerin? es ist ein ähnliches nicht-argument wie dass
ehrliche nachrichten sehr viel geld kosten müssen (weil sonst der telepromptervorleser anfängt zu lügen oder was?

).. die inhaltlichen vorgaben der grundversorgung sind keine finanziellen - das ist der elementare unterschied zu vorgaben für die wasser- oder internetversorgung.. eine bildungssendung kostet nicht mehr als eine asi-"dokusoap"; zumindest wird ein sender nichts einsparen, indem er die qualitätsvorgaben der grundversorgung versucht "runterzudrücken", daher sehe ich nicht, wie das in irgendeiner weise lobbyismustauglich wäre - das wäre so wie gegen die richtlinien für die vergabe von forschungsgeldern klagen zu wollen.. die grundversorgung als demokratisches instrument ist gut und wichtig (wenn es denn eine demokratische und sachverständige kontrolle gibt, aber das ist ein anderes thema) und wird durch die liberalisierung der
ausführung ja nicht abgeschafft.. die gelder gibt es ja weiterhin und jedes medienunternehmen sollte selbst entscheiden können, ob es sich um eine öffentliche ausschreibung bewerben will oder für werbekunden produziert - so wie jedes industrieunternehmen, architekturbüro etc.. es werden ja keine staatlichen vorgaben bei einer ausschreibung gelockert, nur weil ein auftrag von einem privatunternehmen ausgeführt wird.. die beispiele vom BER sind beispiele für eine schlechte kontrolle, nicht für ein schlechtes system (soll den flughafen etwa eine öffentlich-rechtliche anstalt bauen? dann müssen wir am ende eine nutzungsunabhängige haushaltsgebühr dafür zahlen und die einzigen flugziele sind castrop-rauxel und novosibirsk

)..
Ungefragt zahlen müssen wir für viele Dinge

Daher sehe ich die GEZ als Steuer, auf die der Bundestag keinen Zugriff haben darf. Daher haben wir ja das Konstrukt mit Haushaltsabgabe und so. Und ob die GEZ und die ÖR verfassungsgemäß eingerichtet sind, entscheidet das Verfassungsgericht. Also ja. Momentan.
idealerweise wäre eine finanzierung der grundversorgung "politikfern" und solidarisch, ja.. ist sie aber beides nicht! über die finanzierung bestimmt der bundestag nicht direkt, aber dafür werden alle entscheidungsträger von den ministerpräsidenten ernannt.. demnach wählen die amis auch ihren präsidenten nicht selbst

.. das ist alles keine legitimation für eine unsolidare wohnraumsteuer, man könnte ebensogut per gesetz festlegen, dass ein bestimmter teil jedes landeshaushaltes an die GEZ geht, fertig (ja, das gesetz wird von politikern gemacht und kann jederzeit geändert werden, aber dasselbe gilt für den RBStV) - und wenn die regierung wegen zu ehrlicher berichterstattung der GEZ ans geld will (weil ehrliche nachrichten teuer sein müssen, wir erinnern uns), ist immernoch das BVerfG da; also gäbe es auch kein problem mit solidarischer steuerfinanzierung und demokratischer kontrolle.. wissenschaft, bildung und kunst sind alles "grundleistungen für die demokratie" (da wird sicher auch das senile BVerfG zustimmen), die regierung
muss dafür fördermittel aufbringen und es wäre undenkbar, wenn z.b. im vorstand der max-planck-gesellschaft ex-politiker entscheiden würden, was erforscht wird; trotzdem muss die regierung das bezahlen.. die GEZ hat sich eine eigene geldquelle aus dem nichts geschaffen, um vermeintlich unabhängig von politikern zu sein und es entscheiden ex-politiker, was die ÖR machen dürfen und was nicht (z.b. regierungskritik außerhalb von satire) - warum gibt es nicht nach demselben BVerfG-urteil eine haushaltsabgabe für forschung, bildung und kulturförderung?