Die türkische Demokratie war faktisch die Herrschaft des Westküstenklüngels gewesen, einer schmalen Oberschicht, die im Westen der Türkei zu Hause war und ihre Kinder an amerikanischen Eliteuniversitäten studieren ließ. Die Bevölkerung, vor allem abseits der Metropolen, war extrem arm. Die Türkei war so knapp an Devisen, dass im Winter Heizverbote erlassen wurden. Die reiche Oberschicht ließ kein Interesse erkennen, an diesen Zuständen - ländliche Unterentwicklung und bürgerliche Pracht – etwas zu ändern. Im Falle sozialer Armutsunruhen sorgte ein putschendes Militär dafür, dass alles beim Alten blieb.
Erdogan wurde der erste Demokrat in der Türkei, also der erste Ministerpräsident, der sich wirklich auf breite Zustimmung der Bevölkerung stützen konnte.
Er gewann sie mit drei großen Leistungen:
1) das türkische Wirtschaftswunder wir mit seinem Namen verbunden.
2) Er verhalf dem mittelanatolischen Gebiet im Kaisery zu Wohlstand. Erstmalig in der türkischen Geschichte rückte das Land abseits der Metropolen in den Mittelpunkt.
3) Er entmachtete die Militärs und steckte viele von ihnen hinter Gitter. Da gehören sie auch hin, Türkische Militärdiktaturen in der Folge diverser Putsche müssen sich hinter ihren südamerikanischen Schwestern nicht verstecken.