Wir reden aber nicht über Feudalismus und frühere Epochen, sondern um deinen heiß geliebten Kapitalismus.
Weißt Du schon nicht mehr, was Du selbst geschrieben hattest? Nämlich dies:
Wenn das kapitalistische Problem funktionieren würde, hätten wir keine Krise, welche die nächste Krise jagt. Dann hätten wir keine Kriege. Dann hätten wir keine stetig steigende Armut.
Kapitalismus hat aber vor 1830 keine Rolle gespielt. Also darf es Deiner irren Logik zufolge vor 1830 auch keine Armut, Krisen, Kriege gegeben haben, weil das alles ja von Kapitalismus kommt. Muss ich Dir jetzt noch erklären, was Du redest?
Welche Investitionen meinst du eigentlich in Bezug auf die Firmenchefs? In was genau wird investiert? Und sag jetzt bitte nicht in neue Maschinen, denn wenn die alten abgenutzt oder veraltet sind, müssen logischerweise neue rangeschafft werden. Investitionen in (vernünftige) Arbeitsplätze leider auch nicht. In Bildung? Da wird doch nur ausgebildet, weil man sonst eine gewisse Summe zahlen muss bzw. dann doch lieber die Nicht Ausbildungs Gebühr zahlt.
Hast Du schon mal von der Akkumulation des Kapitals was gehört? Nein? Weißt Du was Ausbeutung ist? Auch nicht? Na dann in Kurzform: Der Kapitalist kauft die Ware Arbeitskraft und zahlt ihren Preis, die Herstellungskosten. Die Besonderheit dieser einzigartigen Ware ist, dass die mehr Wert produziert, als sie kostet. Von dieser Differenz, dem Mehrwert, hängt der Profit des Kapitalisten ab. Er investiert also den Profit in die Erweiterung der Produktion, um noch mehr Arbeiter ausbeuten, d.h. noch mehr Profit machen zu können.
Du musst nicht gleich alle drei Bände von Marxens "Kapital" lesen, die sind sehr dick. Marx hat auch ein kleines Schulungsbuch für die Arbeiterbildung geschrieben, "Lohnarbeit und Kapital", das reicht.
So manche Firmen agieren wie Wanderheuschrecken: Sie lassen sich die Infrastruktur aufbauen und das Firmengelände, nehmen jede Förderung mit, die sie kriegen können und wenn das ausläuft, wandern sie ins nächste Land. (z.B. Nokia, Samsung...)
Ja, das ist das Schöne und das Fortschrittliche am Kapital: Es ist gelebter Internationalismus. Das Kampflied der Arbeiterbewegung hieß ja auch "Die Internationale", aber das war halt nur ein Lippenbekenntnis.
Um mal Leiharbeiterzahlen aufzuführen: Siemens hat regulär rund 5000 bis 7000 Leiharbeiter. Da kann man wohl kaum von Auftragsspitzen mit Leiharbeitern abfedern sprechen und ich kenne Leute, die als Leihsklaven bei Siemens waren und das über Jahre, ohne dass sie übernommen wurden. Sie wurden nur immer nach Ablauf der Höchstdauer für rund 1 Woche gekündigt und durften dann wieder antraben. Ab und zu wurde mal jemand übernommen, rund 1000 in rund 5 Jahren, aber da werden sicher auch eigene Leute in Rente gegangen sein. Soll ja auch vorkommen. Aber die meisten kriegen auch dann nur einen befristeten Vertrag. Was das bedeutet... nun ja. Frist abgelaufen, Arbeiter weg, wieder ein neuer Leihsklave fest übernommen und schon werden die Zahlen geschönt.
Warum erzählst Du das alles. Glaubst Du im Ernst, jemand wüsste das noch nicht? Daimler-Boss Zetsche hat es doch ganz offen gesagt: Wenn wir alle in der Fertigungskette eines Autos beschäftigten Mitarbeiter zu den den mit der IG Metall vereinbarenten tariflichen Bedingungen und Tariflöhnen bezahlen müssen, können wir den Produktionsstandort Deutschland nicht halten, weil die Konkurrenz auf dem Weltmarkt anderswo billiger produziert. Die Globalisierung scheint für Leute wie Du ein Fremdwort zu sein. Für das Kapital ist sie aber keins.
Im übrigen wüsste ich gerne von dir ob Geld dir wirklich wichtiger ist als Menschenleben bzw. du es als wichtiger ansiehst. (Nicht auf dein eigenes Geld bezogen sondern allgemein.) Soll Geld wirklich Menschen vorgezogen werden?
Wie alt bist Du? Noch sehr jung?
Geld bedeutet Leben, wo bittere Armut herrscht. Nur in reichen Ländern wie bei uns kommt man zur Not auch ohne durch.
Übrigens gibt es Zwangsarbeit. Nennt sich 1 Euro Jobs. Man wird sogar mit Drohung dort hinein gepresst. Dass das im Grundgesetz verankerte Recht auf ein Existenzminimum gebrochen wird, interessiert nicht, denn egal ob 10 oder 30 % Kürzung: Es ist eine Unterschreitung des gesetzlich verankerten Recht auf ein Existenzminimum.
In Deutschland gibt es heute keine Zwangsarbeit. Es gab sie mal, im Dritten Reich. Zehntausende sogenannter Fremdarbeiter sind damei elendiglich umgekommen.
Ein 1 Euro Job bringt niemanden in einen regulären sozialversicherungspflichtigen Job.
Wie denn auch. Wenn es die Jobs gäne, hätten sie ihn ja von Anfang an genommen.
Ganz im Gegenteil, die werden noch abgebaut und mit 1 Euro Jobber besetzt. Reguläre Stellen, für die die Angstellten einen Beruf erlernen mussten: Landschaftsgärtner, Erzieherhelfer, Förster, Bibliothekar...
Da hat sich der Sozialstaat selbst ins Knie geschossen. Das passiert.