Drogenpolitik

Oooder aber und jetzt kommts:
Die vom Apotheker zerkleinerten Blüten sollen in einen Tee gelöst werden.
Aber bloß keinen mit fetthaltiger Sahne etc!!! Dann könnten die Wirkstoffe ja sogar wirken oh nein!!111elf

Ich glaube, du hast da was falsch verstanden. In dem Zeit-Artikel, den ich letzte Woche zu dem Thema gelesen habe, stand jedenfalls, dass einige Mediziner und Apotheker den Konsum im Tee (mit etwas Sahne, wegen der Fettlöslichkeit) empfehlen. Andere wiederum (wie wohl der hier zitierte) halten das für medizinisch ungeeignet. Das sind einfach zwei verschiedene Aussagen, die hier etwas unsinnigerweise so unkommentiert hintereinander stehen.

Bin aber dann gespannt, was du berichtest zur Form der Einnahme und zu den entsprechenden Hilfestellungen dazu von offizieller Seite.
Warum allerdings die Dosis im Tee bzw. in Backwaren nicht reproduzierbar sein soll, erschließt sich mir nicht ganz. Ist doch kein Problem, immer in das gleiche Kuchen- oder Keksrezept die gleiche Menge Cannabis zu rühren :unknown:
 
Warum allerdings die Dosis im Tee bzw. in Backwaren nicht reproduzierbar sein soll, erschließt sich mir nicht ganz. Ist doch kein Problem, immer in das gleiche Kuchen- oder Keksrezept die gleiche Menge Cannabis zu rühren :unknown:

Eigentlich schon, da das Ergebnis aus rein chemischer Sicht elementar von der Temperatur abhängt. Üblicherweise liegt THC erst einmal als Säure, THC-A, vor und wird erst durch entsprechende Reaktionen unter Wärmezufuhr zum neutralen THC decarboxyliert. (Decarboxylierung = Abspaltung von Kohlenstoffmonoxid). Hierfür werden entweder sehr kurz 800°C - 900°C (beim Rauchen) oder aber ca. 160°C über einen längeren Zeitraum (beim Backen), besser gesagt 5 bis 6 Minuten, benötigt. Wird die Temperatur zu lange aufrecht, erhalten schreitet die chemische Reaktion ganz nach den Prinzipien von Le Chatelier weiter voran. Bedeutet das THC wird weiter zum stabilen CBD (Cannbidol) decarboxyliert, welches wiederum etwa 100 x schwächer als das neutrale THC wirkt.

Beim Rauchen ist die Kontaktzeit und Höhe der Temperatur durchaus gut regulierbar, da stimme ich Dir zu. Beim Backen hingegen musst Du neben der Temperatur und Zeit jedoch noch die Materialstärke des zum Beispiel dünnen Kekses berücksichtigen. Du musst hier noch bedenken, dass das freie THC-A bei beispielsweise einem dicken Brownie außen deutlich länger höheren Temperaturen ausgesetzt ist, als im Inneren. Insofern wirst Du hier mit ziemlicher Sicherheit kein in sich homogens Ergebnis erzielen können. Außerdem löst man das THC-A üblicherweise in lipophilen (fettliebend) Substanzen, wie z.B. Butter. Einfach damit a) der Decarboxilierungsprozess gestartet und b) das Material überhaupt gleichmäßig verarbeitet werden kann. Sodass Du alleine hierdurch Deine Fehlerquelle verdoppelst.

Es ist mit etwas Übung und immer den gleichen Abläufen sicherlich halbwegs zügig so zu erlernen, sodass man ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen würde, aber wird es sehr wahrscheinlich nicht ad hoc gelingen.
 
@HoneyBadger:
Hast du grade 1:1 das hanfjournal zitiert?
Kann man machen, sollte aber auch die Quelle nennen ;)

Cannabinoide liegen in der Hanfpflanze überwiegend in einer von zwei sauren Formen vor. Durch Erhitzen oder bei längerer Lagerung werden die beiden THC-Säuren (THCA) in neutrales THC umgewandelt. Dieser Vorgang, bei dem ein Kohlendioxid-Molekül von der Säure abgespalten wird, wird Decarboxylierung genannt. Nur das neutrale THC verursacht psychische Wirkungen und die meisten therapeutischen Effekte. Die Erfahrung zeigt, dass wenige Sekunden bei großer Hitze von 800 bis 900 °C, wie sie beim Rauchen von Cannabis in der Glut entsteht, ausreicht, um THCA zu THC zu aktivieren. Bei niedrigeren Temperaturen von 150 bis 160 °C, wie sie beim Backen von Keksen auftreten, wird eine längere Zeit von mehreren Minuten benötigt, um diese Abspaltung von Kohlendioxid zu erzielen. Eine Erhitzung von 5 bis 10 Minuten auf 100 °C, wie sie bei der Zubereitung eines Cannabis-Tees erfolgt, führt dagegen nur zu einer unvollständigen Decarboxylierung der Cannabinoide, wie dies von Dr. Arno Hazekamp von der Universität Leiden in den Niederlanden nachgewiesen wurde, und kann daher nicht empfohlen werden.
Wenn THC bzw. Cannabis allerdings zu lange erhitzt oder an der Luft gelagert werden, dann wird das neutrale THC weiter zu Cannabinol oxidiert. Cannabinol ist ungefähr 100 mal schwächer wirksam als THC.

 
@Seedy: Hab ich dank Chemiestudium auch ohne google hinbekommen. Aber gut zu wissen, dass das schon wo steht. Hätte ich mir das schreiben sparen können. :D
 
@HoneyBadger: ich wollte dir das jetzt nicht fälschlicherweise vorwerfen, oder dir das Wissen abrechen... der Text wirkte einfach nur ein wenig "zu" ähnlich und ich hatte den vorhin schon gelesen als Saddy aus der Apotheken umschau zitiert hat :unknown:
 
Passt schon. Musste gerade selbst etwas lachen, als Du mir das gezeigt hast. Ist schon stellenweise sehr ähnlich. Aber gut. Soooo unbekannt ist das ja eh nicht. Insofern ist das wohl kein Einzelfall. :D
 
@HoneyBadger: Klar. Da gebe ich dir Recht. Fehlerquellen gibt es natürlich immer. Allerdings gibt es auch zu diesem Thema reichlich Infos im Netz. So zum Beispiel hier:

Decarboxylierung.jpg

Das hat mich nur 30 Sekunden Googlen gekostet.
Auf der anderen Seite hast du natürlich Recht, Apotheker und Ärzte sind wahrscheinlich von handelsüblichen Medikamenten einfach wesentlich genauere Dosierungen gewöhnt.
 
Man natürlich auch zugestehen das Apotheker und Ärzte (die nicht selber mal gekifft haben) vermutlich kaum Ahnung von der Rauschwirkung haben.
Patienten die jetzt therapeutisch darauf setzen und vorher auch nie gekifft haben wohl genau so wenig.

Da ist klar das die ein wenig übervorsichtig und zurückhaltend sind.


Es gibt ja trotz vordergründiger Legalisierung als Medizin immer noch Jahrzehnte an Vorbehalten die in den Köpfen stecken..
 
Wie heue früh zu hören war, wird die Anzahl in Frage kommender Patienten auf 800.000 (1% der Bevölkerung) geschätzt. Es wird aber vermutet, dass viele Ärzte Hanfprodukte wegen deren hoher Kosten (Stichwort ) nicht verschreiben werden.
 
Es ist mir rätselhaft, wie jemand noch daran zweifeln kann. Lies die von mir erwähnte Lancet-Studie.

Könntest du die erwähnte Studie evtl direkt verlinken?
Finde nur da steht aber nix bzgl Abhängigkeit, nur dass es Psychosen auslösen kann.

Ne Seite vorher schreibst du selbst

Ob Cannabis körperlich abhängig machen kann, ist umstritten. Wahrscheinlich ist es wie mit Nikotin. Jedenfalls tauchen ziemlich häufig meist langjährige Kiffer mit Persönlichkeitsstörungen in den Drogenberatungsstellen auf.

Bei Nikotin ist es unumstritten, bei Cannabis eben nicht. Kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass es selbst nach langjährigem Konsum kein Problem für mich war, mit dem Kiffen aufzuhören.
Kiffen hilft gut, wenn man etwas verdrängen oder überdecken will. Das hat nicht unbedingt was mit Sucht zu tun, eher Gewohnheit. Hatte anfangs Probleme mit dem Schlaf, das liegt aber so weit ich das beurteilen konnte eher an der Träumerei (Wer viel/oft kifft träumt nicht mehr bewusst bzw kann sich nicht daran erinnern)
Beim Nikotin hats mehrere Anläufe gebraucht und selbst ein Jahr später denk ich immer noch "hm, jez wär ne Kippe schon fein"
Das kann man nicht vergleichen.
 
Lancet Artikel findet man selten im Netz, eher in einer Unibibliothek. Welche Erfahrungen du persönlich mit Hanfprodukten gemacht zu haben glaubst ist nicht zu verifizieren und entzieht sich so jeglicher Objektivierbarkeit, gar im Rahmen eines Forums. Es hat allenfalls anekdotischen Charakter.
 
Na das ist ja an sich schon bekannt, nur ob da ein Kausalzusammenhang oder wie so oft schlicht eine Korrelation besteht ist afaik ungeklärt.

Also statt dass das Kiffen eine Entwicklungs- oder Persönlichkeitsstörung verursacht, kann es ebenso gut sein dass Menschen mit ich sag mal angeknackster Persönlichkeit einfach mehr Bedarf an Rausch haben und deswegen zur Tüte greifen.
 
Auch wenn der Rest den er schreibt vornehmlich Blödsinn ist:

Ein Zusammenhang zwischen Gras und psychischen Störungen besteht durchaus.

Nur ist die Frage nach Ursache und Wirkung:
Sind sie gestört, weil sie Kiffen?
Greifen sie zum Kiffen als versuchte Selbstmedikation?

Entsteht da eventuell auch eine komorbidität wie bei Alkohol und Depressionen?
(Man trinkt durch die Depressionen bis man sich ein zweites Problem angesoffen hat?)

Ich kenne auch mehr als eine Person die sowohl psychische Probleme, als auch ein definitiv überhöhten und unangebrachten Konsum hat.
 
Ja genau das meinte ich.
Dazu kommt ja noch, dass Gras nicht gleich Gras ist.

Bei Gras mit kaum oder keinem CBD Gehalt ist laut einer britischen Studie (hatte ich irgendwann schon mal verlinkt meine ich) das Risiko eine Psychose zu bekommen 4x erhöht im Vergleich zu Gras mit ausgewogenem Cannabinoid Verhältnis.


Bei einem legalen Markt könnte sowas reguliert werden, heute gibt es genug Dealer die "ultra krasses Haze" aka Gras mit ganz viel THC und kaum CBD anpreisen weil das ja so krass super doll knallt :m
 
Mit Abhängigen über Drogenpolitik zu diskutieren ist etwa so sinnvoll, wie mit Wölfen über das Reißen von Schafen zu verhandeln. Absolute Zeitverschwendung.
 
@Meta:
Wo hast du den Abhängige?
Was definierst du als abhängig?

Es ist am Ende auch immer Sinnvoll ggf. betroffene nicht einzubeziehen, die könnten ja sowas wie eine Meinung haben...
 
"Abhängige", "Süchtige", "Gelegenheits-XX-er"- Euphemismen für Leute, denen es ohne Chemie nicht gelingt, zu entspannen, fröhlich zu sein, mal die Sau raus zu lassen. Die Meinung von Abusern einzuholen ist unnötig. Niemand fragt Wölfe, was sie zu Schafen meinen.
 
Mit Abhängigen über Drogenpolitik zu diskutieren ist etwa so sinnvoll, wie mit Wölfen über das Reißen von Schafen zu verhandeln. Absolute Zeitverschwendung.

Selbst wenn, dann diskutiere doch mit den anderen. Nenne mir z.B. die angefragte Quelle.
 
@Meta:
Ne erst gemeinte Frage:
Bist du dumm, oder einfach nur angepisst das man deiner Meinung hier nicht recht gibt?
 
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