"Das Militär" in Ägypten ist ein Wirtschaftsunternehmen; man könnte also sagen "bewaffnete Kapitalisten".
Das Kapital setzt den Staat als Inhaber des Gewaltmonopols voraus. Die Kapitalisten können einander nur in freier Konkurrenz und dem Fortschritt zuliebe beharken, solange es den unparteiischen Dritten mit der großen Klatsche gibt, welcher die Einhaltung der Regeln, vor allem den Gewaltverzicht, überwacht und Verstöße bestraft.
Bewaffnete Kapitalisten ohne Anerkennungs eines von ihnen verschiedenen Staates über sich wären zum Beispiel die Bosse der Drogenkartelle im Mexiko*, und die Form der Auseinandersetzung zwischen ihnen wäre der Bandenkrieg.
Produktionsmittel im Beseitz der Armee sind was vollkommen anderes. Es handelt sich nicht um Privateigentum, also um Eigentum gegeneinander konkurrierender Privatpersonen, sondern um Staatseigentum. Am meisten verbreitet ist es in China, wo die Armee mit ihren Produktionsbetrieben einen bedeutenden Teil der Wirtschaftsleistung erbringt.
Man könnte also von Staatssozialismus oder Staatskapitalismus sprechen. In China hat sich das Konzept bewährt.
Vielleicht ist es das, wovor sich der Westen insgeheim am meisten fürchtet: Dass in Nordafrika ein Staat entsteht, der tatsächlich funktioniert, und mit dem man nicht Pingpong spielen kann.
*Die Kriege zwischen mexikanischen Drogenkartellen forderten und fordern ein Vielfaches der Opfer in Ägypten. Diese Toten sind der Weltöffentlichkeit egal. Da fragt man sich doch nach den Gründen für die aktuelle Bestürzung.
Oder wenn neduerdings jede Form von Gewalt abgelehnt wird: War denn das, was in den Kriegen gegen Afghanistan oder den Irak angewendet worden war, etwa keine?