ZEIT ONLINE:
"Ohne Saudi-Arabien und Pakistan kein Taliban-Regime"
Erös: Alle Nachbarländer Afghanistans sind involviert, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, Afghanistan hat Bodenschätze und ist ein Durchgangsland. Pakistan hat zudem militärische Gründe, weil es das Afghanistan-Engagement von Erzfeind Indien fürchtet. Saudi-Arabien träumt immer noch von einem wahabitisch-sunnitischen Gottesstaat Afghanistan, als Pendant zu seinem großen Konkurrenten, dem schiitischen Gottesstaat Iran. Der Iran wiederum sieht sich an seiner Ostgrenze von den US-Truppen am Hindukusch bedroht und Russland hat als Nachfolgestaat der UdSSR mit Afghanistan noch ein Hühnchen zu rupfen. Deutschland ist inzwischen ausschließlich aus Gründen unerschütterlicher NATO-Bündnistreue dabei.
ZEIT ONLINE: Können unter diesen Voraussetzungen die innenpolitischen Probleme Afghanistans überhaupt gelöst werden?
Erös: Nein. Aber Afghanistan wäre ansonsten durchaus im Stande, seine Probleme in absehbarer Zeit und mit einer moderaten Entwicklungshilfe – auch durch das noch immer hochgeschätzte Deutschland – selbst zu lösen.
Wie stark schätzen Sie den Einfluss Saudi-Arabiens in Afghanistan ein?
Erös: Saudi-Arabien und Pakistan waren nach dem Abzug der Sowjettruppen Gründer und Motor des Taliban-Regimes. Ohne die massive finanzielle, ideologische und politisch-diplomatische Unterstützung durch Saudi-Arabien und Pakistan hätte es nie ein Taliban-Regime in Afghanistan gegeben und wird es dort auch in Zukunft nicht geben.