Biblioklasmus, oder die Verbrennung von Büchern und ganzen Bibliotheken

  • Ersteller Ersteller Schwarzhut
  • Erstellt am Erstellt am
...wollte Donald Rumsfeld uns vor 12 Jahren in seine berühmten Rede über die "Known knowns and unknown unknowns" sagen. Das wurde damals belächelt (auch von mir) weil er das ja einfach nur so gesagt und nicht wirklich ausgeführt hat, aber darum ging es. Natürlich in einem etwas anderen Kontext.

Der Kontext ist doch der gleiche:

Ich will ALLES wissen. Nichts darf ungewusst bleiben. Kein Wissen darf verlorengehen, denn Wissen ist ein Schatz. Je mehr Wissen im Keller oder auf dem Konto, desto besser. Und deshalb betrauern wir den Verlust jeden Wissensbuches.

Das ist vollkommen inkonsequent, weil nur ein winziger Bruchteils des früheren Wissens jemals in Buchform vorgelegen hat. Das meiste wurde von den Vorfahren an die Nachfahren weitergegeben durch mündliche Überlieferung oder durch Vorleben und Vormachen. Heute ist das noch so, trotz der ausufernden Ratgeberliteratur.

Und das ist ein unbewiesener Dogmatismus. Vielleicht ginge es der Menschheit ohne die Kenntnis der Atomphysik viel besser. Und das Problem bei der Atomphysik ist genau das umgekehrte: Es gibt kein Mittel, eine Technologie vergessen zu machen, solange sie für potentielle Anwender interessant ist. Wenn man mal weiß, wie man Atombomben baut, gibt es kein zurück.
 
...Wir sollten uns einfach vom Gedanken verabschieden, die gegenwärtigen Gedanken auf ewig festhalten zu können.
... die wir heute als unersetzbar und prägend für unsere heutige Epoche erachten.
...Wir müssen wohl damit leben, dass Zeit vergeht und wir sie und die Gedanken der Menschen einer Zeit nur unzureichend festhalten können...
...Sollte es wirklich eine auch nur annähernd globale Katastrophe geben, werden viele Texte unser heutiges Zeitalter nicht überleben...
...wenn es über einen Zeitraum mehrerer hundert Jahre geht. Und erst ab dieser Zeitspanne wird es ja wirklich relevant...

...Letztendlich ist ein Forum auch nur auf einer Server-Festplatte, einem mehr oder weniger zuverlässigen Backup-System und einige Zeit lang in den Köpfen der Autoren und Lesern...
...Wollen wir also wirklich der Ultra-Super-Bombe nachtrauern, die wir nach dem Verlust so vielen Wissens vielleicht erst in 200 Jahren erfinden?
Das ist ja in meinen Augen gerade das traurige, es geht Geschichte verloren. Es geht gar nicht unbedingt um die "Super-Bombe", denn ich bin davon überzeugt, dass man schon ziemlich viel Wissen aus verganden Epochen zusammentragen müsste um eine klitzekleine Essenz zu filtern, die uns in unserer Epoche technisch weiterbringen hätte / können / wollen / würde...

Es ist einfach die Geschichte der Menschen, die verloren geht.
Gerade dieser soziale Aspekt, das Zusammenleben / die Kriege der Völker / Die Handelsabkommen / Die Intrigen / Die Feste / Die Gesellschaftsformen / Die Regeln und Gesetze / einfach das menschliche Leben an sich.

Wir stehen an einem technologischem Wendepunkt in unserer jetzigen Epoche, wir haben erstmalig in unserer Geschichte theoretisch die Möglichkeit ( nützliches ) Wissen für die "Ewigkeit" zu sichern, zumindest für einige tausend Jahre, bis man soweit ist, dass man es endgültig sichern könnte. Auch wenn das Board hier in diesem Fall "nur" auf einer Festplatte in irgendeinem Server-Raum ist, sind die meisten Informationen darauf weit über den Äther bzw. dem Netz verteilt. Da kann nicht mal eben ein Mensch mit einer Fackel kommen und das Gebäude zerstören und hat damit das "Wissen" vernichtet. Es existiert weiterhin auf vielen vielen vielen anderen Festplatten...

Die Menschheit macht seit Anbeginn ihreres Bestehens immer und immer wieder die gleichen Fehler.
Das resultiert meiner Meinung nach zu einem Großteil aus der Tatsache, dass nicht jeder Mensch auf diesem Planeten einen ( gleichen ) Zugriff auf fundamentales Wissen genießt.

Die Bibel / der Koran und vielen andere Schriften lehren oder sollen uns einen gewissen Umgang miteinander lehren, der vermutlich von irgendwelchen Menschen in der Vergangenheit ersonnen und niedergeschrieben / gesammelt wurde.
Problematisch ist dann leider bei diesen älteren Werken immer die Auslegung und die tiefe / der Wertgehalt dieser Lehren, die vermittelt werden / vermittelt werden sollen.

Was wäre denn, wenn DIE GESAMTE MENSCHHEIT an einem Werk arbeitet, was zum einen Tipps und Ratschläge zu sozialen Beobachtungen / sozialen Regeln, technologischem Fortschritten und zur Geschichte gibt.
Ich denke da an so eine Art Enzyklopädie, in der Motumbo im tiefsten Afrika erlesen kann, wie er nachhaltig Nahrung anbaut, Tiere hält, Handel betreibt und die Umwelt schont bzw. nachhaltig mit Ressourcen umgeht.
Auf der anderen Seite sollte da aber auch drin stehen, wie man sich in größeren Gesellschaften verhält, und wie man sich seinen Platz darin sucht. Zusätzlich ein gewisses Grundwissen zum Thema Mathematik, Biologie, Chemie und Physik.
In der Anfangszeit müsste man bei den fundamental wichtigen Dingen viel mit Tortendiagrammen oder Bildern arbeiten, damit das auch ein Mensch erfassen kann, der noch nicht lesen kann...

Wir haben auf dem Planeten noch Gesellschaften, die können weder lesen noch schreiben, da verbreitet sich Wissen und Meinung durch "Propaganda" einiger Weniger. Diese Menschen lassen sich natürlich dementsprechend auch leicht und schnell instrumentalisieren. Ich bin fest davon überzeugt, wenn man die "Aufklärung" auf den ganzen Planeten bringen würde und JEDER Mensch die freie Entscheidung hat an den Errungenschaften der Menschheit teil haben zu können, werden sich auch fast alle daran beteiligen. Selbst wenn es noch 2-3 Epochen dauert, aber wir sind in der Lage einen Grundstein für eine vollkommen neue und andere Weltordnung zu legen, auch wenn wir das fertige Ergebnis selbst nicht mehr erleben werden.

Gott ist mir selbst noch nicht erschienen und hat mir gesteckt wo der Sinn des Lebens liegt, oder warum wir hier sind und was wir machen sollen, oder ob wir überhaupt was größeres machen sollen.
Ich bin aber fest davon überzeugt, dass solange wir das noch nicht wissen, ist es eine Pflicht als Mensch zumindest dieses Puzzle Namens Leben so gut es geht zu analysieren und Erkenntnisse zu sichern, damit unsere Nachfahren daraus lernen können, um sich weiter zu entwickeln.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass in unserer Geschichte hin und wieder Menschen existierten, die nicht in ihr Jahrhundert, ihre Epoche oder sogar ihr Jahrtausend gehört haben müssen, gemessen an den Erkenntnissen und deren Erfindungen?!
Wo wären wir heute, wenn diese Genies ihr wissen schon vor 1000 Jahren hätten mit ALLEN Menschen zeitkritisch teilen können.

Entweder wären wir alle schon längt durch die "Super-Bombe" vernichtet worden, oder wir würden heute in einer komplett anderen Gesellschaft leben!
 

Ich würde an dieser Stelle, aber zwischen Wissen und deren Anwendung unterscheiden.
Wissen selber ist weder gut noch Böse, es sind die Menschen.

Ich weiß wie ich Menschen Umbringen, eine Bombe bauen, oder Meth kochen kann.
Tu ich aber nicht.

Das Wissen wie man eine Atombombe baut ist nicht gefährlich.
Das Wissen, dass man es nicht tun sollte, der Schlüssel.

Zum Thema:
Das Wissen und das Archivieren von Wissen, halte ich für den Grundstock der Zivilisation.
Als eine Person alles Wissen zu wollen, ist völliger Irrsinn und total unmöglich.
Jedoch sollte das Wissen verfügbar sein. Falls es gebraucht wird, kann man darauf zurück greifen.

Natürlich muss jetzt nicht jede Mitternachtsdiskussion über die Spieltaktik vom BSC bei Rückensonne und 22° festgehalten werden.
Aber dennoch, haben viele Schriften einen unschätzbaren Wert, wenn auch nur als Zeitzeugenbericht.

--- [2014-06-04 20:12 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---

denn ich bin davon überzeugt, dass man schon ziemlich viel Wissen aus verganden Epochen zusammentragen müsste um eine klitzekleine Essenz zu filtern, die uns in unserer Epoche technisch weiterbringen hätte / können / wollen / würde...

Das ist auch ein Punkt:
Jetzt ist das Wissen vllt nicht mehr viel Wert, da es wieder enteckt wurd, oder überhohlt ist.
Aber Wenn du dir Fortschritt wie eine Treppe vor stellst:

Sind das Stufen, die vor zich Absätzen zweimal genommen werden mussten.
Hätte man damals nicht den gleichen Schritt zweimal gemacht, wären wir heute einen Schritt weiter.
 
Zuletzt bearbeitet:

Ich würde an dieser Stelle, aber zwischen Wissen und deren Anwendung unterscheiden.
Wissen selber ist weder gut noch Böse, es sind die Menschen.

Komische Unterscheidung. Gibt es ein Wissen ohne wissende Menschen, unanbhängig von ihnen, neben ihnen? Früher hat man etwas eleganter die "Wertfreiheit der Wissenschaft" diskutiert. Damit ist gemeint, dass sie jedem Herren dienen kann, egal ob Schurke oder Lichtgestalt.

Das wiederum wirft die Frage auf, ob Wissenschaftler es verantworten können, ein Ding wie die Atombombe in die Welt zu setzen, ein Ding, auf dessen spätere Verwendung sie keinen Einfluss mehr haben. Diese Frage wurde in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts heiß diskutiert, auch von Wissenschaftlern selbst.

Ich weiß wie ich Menschen Umbringen, eine Bombe bauen, oder Meth kochen kann.
Tu ich aber nicht.

Weil Du momentan keine Veranlassung dazu hast.

Das Wissen wie man eine Atombombe baut ist nicht gefährlich.
Das Wissen, dass man es nicht tun sollte, der Schlüssel.

Das Wissen? Schon wieder?

Mein Gott, jeder Trottel weiß doch, dass er Mist macht, wenn er ihn macht. Das hat noch keinen Menschen auf der Welt jemals aufgehalten, wenn er in Bedrängnis war.

Das Wissen und das Archivieren von Wissen, halte ich für den Grundstock der Zivilisation...Jedoch sollte das Wissen verfügbar sein. Falls es gebraucht wird, kann man darauf zurück greifen.

Sagte die NSA.

Schön, da Du nun auch für die Vorratsdatenspeicherung plädierst.
 
Wir stehen an einem technologischem Wendepunkt in unserer jetzigen Epoche, wir haben erstmalig in unserer Geschichte theoretisch die Möglichkeit ( nützliches ) Wissen für die "Ewigkeit" zu sichern, zumindest für einige tausend Jahre, bis man soweit ist, dass man es endgültig sichern könnte. Auch wenn das Board hier in diesem Fall "nur" auf einer Festplatte in irgendeinem Server-Raum ist, sind die meisten Informationen darauf weit über den Äther bzw. dem Netz verteilt. Da kann nicht mal eben ein Mensch mit einer Fackel kommen und das Gebäude zerstören und hat damit das "Wissen" vernichtet. Es existiert weiterhin auf vielen vielen vielen anderen Festplatten...

Es sind aber nur Informationen. Und immer mehr falsche Informationen. Eine Information muß verifizierbar sein durch Ausprobieren oder Quelle, allenfalls dann kann es gesichertes Wissen sein.
Ohne den Kontext werden die Information allenfalls noch für den Glauben verwendbar sein. So wie die Bibel, die enorm viele Information enthält, bestimmt sogar historisch relevante. Aber leider keine verwertbaren, aus denen sich gesicherte Erkenntnisse ableiten ließen.
 
Es sind aber nur Informationen. Und immer mehr falsche Informationen.

Als Zeitdokument ist natürlich auch reiner Quatsch interessant, nur authentisch muss er sein.

Vielleicht wollen Sozialwissenschafter 20 Jahre später ermitteln, wie bescheuert die Leute heute gewesen sind und warum.

Dann liefert ihnen das Board gutes Material. Es lässt sich als Vorratsdatenspeicher für eventuell später gewünschte Analysen nutzen.

Noch besser wäre es, das NSA-Material nutzen zu können.
 
Ich bezog das auf das gesamte Internet, nicht auf ein Board. Damit das keiner falsch versteht.
 
Dazu würde ich auch gerne mehr wissen. Das ist mir irgendwie neu. Die frühen Araber und die arabischen Wissenschaftler sind doch berühmt dafür, dass Wissen aus der alten Antike bewahrt und weiter entwickelt zu haben.

Wie passt das zum verbrennen von Wissen?

Ich denke, wenn wurde das Wissen vorher abgeschrieben oder kopiert.

Hier mal eine Quelle, in der Du wenigstens ein bissi stöbern kannst:
Die Bibliothek wurde nicht mit einem Schlag zerstört, sondern über mehrere 100 Jahre.
Hier noch ein Link:
 
Danke für die Quellen.

Ich habe schon letztens bisschen recherchiert und die Historiker haben unterschiedliche Meinungen dazu. Einige meinen, es war schon vorher bei Caesar, andere es ist passiert.

Ganz genau, wird man das wohl nicht mehr herausfinden.
 
Es sind aber nur Informationen. Und immer mehr falsche Informationen. Eine Information muß verifizierbar sein durch Ausprobieren oder Quelle...
Bei diesem Thema geht es mir nicht unbedingt um verifizierbare Informationen, sondern viel mehr um den Zeitgeist der Informationen.
So nach dem Motto, König Xerxes hatte mit dem französischem König eine Vereinbarung, hat aber statt Gold Dublonen nur Oliven mit Ziegenkäse geliefert :D.
Oder damals gab es auch schon ein vergleichbares Festival wie Heute Wacken und so weiter und sofort...

Das wir keine Ingenieur-Zeichnungen oder Formeln für neue Elemente aus der fernen Vergangenheit ziehen können / könnten ist klar. Aber die Geschichte, die Ereignisse, die Geschehnisse und das geschichtliche an den passierten Dingen geht verloren... Ähnlich einem Fotoalbum auf Facebook, Twitter oder sonst wo...
 
Zurück
Oben