[Netzwelt] Hausdurchsuchung – wie verhalte ich mich richtig? (Video)

polizeiauto.jpg In wird erklärt, wie man sich bei einer Hausdurchsuchung richtig verhält. Es geht um verschlüsselte Festplatten und Zufallsfunde, die bitteschön ihrem Namen gerecht werden sollten. Manchmal wird bei Einsätzen gezielt nach Gesetzesbrüchen gesucht, die mit dem Verfahren gar nichts zu tun haben. Damit könnte man den Beschuldigten zusätzlich unter Druck setzen.

Wenn die Polizei klingelt, sollte man sich zunächst den Durchsuchungsbeschlusses zeigen lassen. Jeder hat das Recht, sich den Durchsuchungsbeschluss (sofern vorhanden) zunächst im Flur in Ruhe anzusehen. Im nächsten Schritt sollte im Idealfall ein Anwalt hinzugezogen werden. Wenn dieser nicht kommen kann oder zu weit weg wohnt, sollte man zu Beginn der Durchsuchung neutrale Zeugen (Nachbarn) dazu bitten.

Wichtig: Die Aussage einer nahe stehenden Person hätte vor Gericht nicht die gleiche Wirkung, wie die eines neutralen Zeugen. Der Telefonkontakt zum Anwalt darf einem nicht untersagt werden. Unzulässig sind nur solche Maßnahmen (z.B. Vernichtung der Beweise), die den Durchsuchungserfolg gefährden. Auch bei einer Hausdurchsuchung der eigenen Räumlichkeiten bleibt das Hausrecht bestehen. Niemand kann verlangen, die eigene Wohnung während der Maßnahme zu verlassen. Last, but not least ist es wichtig, stets höflich zu bleiben und keinen Widerstand zu leisten. Höflich zu sein bedeutet aber nicht, dass man sich durch unvorsichtige Aussagen selbst belastet. Das klingt vielleicht trivial, das ist es aber nicht: Jeder Betroffene hat das Recht zu schweigen!

Zufallsfunde, die ihrem Namen gerecht werden

Die Polizeibeamten rücken stets mit einem konkreten Verdacht an, dieser muss sich natürlich nicht bewahrheiten. Die Durchsuchung der Räumlichkeiten soll den Verdacht der Staatsanwaltschaft erhärten. Oder sie führt dazu, dass das Verfahren viele Monate später eingestellt wird. Wenn ein Polizist darum bittet, dass zum Beispiel der Fernseher auf der Suche nach illegalem Sky-Cardsharing eingeschaltet werden soll, so gilt dies nicht mehr als Zufallsfund – in dem Fall wurde gezielt nach einem Gesetzesverstoß gesucht. Liegen auf dem Wohnzimmertisch hingegen Krümel Cannabis oder eine dekorative Bong samt Füllung verziert das Regal, so handelt es sich tatsächlich um einen Zufallsfund.

Hausdurchsuchung: Rückgabe der Beweismittel kann dauern

Fachanwalt Karsten Gulden weist im Video darauf hin, dass man die Beweismittel zumeist erst viele Monate nach dem Besuch der Polizisten zurück bekommt. Es gibt bei der Rückgabe der beschlagnahmten Hardware keine Frist, auf die man pochen könnte. Der Computer wird erst dann übermittelt, wenn er ausgewertet wurde. Spätestens nach Ende des Verfahrens hat man ein Anrecht darauf, die Geräte zurück zu erhalten. Allerdings bestimmt nicht der Durchsuchte sondern der Staatsanwalt, wann das Ermittlungsverfahren beendet ist. Auch dafür gibt es keine Frist, an die sich die Damen und Herren halten müssten. Das Recht wurde also sehr deutlich zu Ungunsten der Verdächtigen ausgelegt.

Wer weitere Details wissen möchte: Von der Kanzlei GGR Rechtsanwälte gibt es , als auch für besonders Eilige in . Wer konkrete Fragen hat, sollte diese am besten bei YouTube bei den Kommentaren stellen. Wir werden so zeitnah wie möglich darauf antworten.

 
Mal zu den Punkt mit dem Anwalt. Mal ehrlich, wer hat schon einen Anwalt? Also ich kenne keinen der da einen Konkreten hat. Hab zwar auch Anwälte im Freundeskreis - wenn die aber Erb- oder Arbeitsrecht machen bringt einem das ja wenig...
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #3
Dann würde ich mir einen Fachanwalt mit dem Schwerpunkt Strafrecht suchen. Mich haben sie auch versucht, hinter das Licht zu führen. Ohne Anwalt bist Du dem noch mehr ausgeliefert.
 
Interessanter Vorfall, vor allem hinsichtlich der sogenannten "Zufallsfunde". Da nehmen sich die Beamten scheinbar gerne mal Rechte heraus, die sie gar nicht haben.
 


Und es ist nicht jeder Anwalt immer sofort erreichbar oder springt sofort auf und fährt los, wenn Mandant anruft.

Mit Nachbarn ist das auch schwierig, weil man will ja nicht unbedingt, dass die davon was mitkriegen oder die sind gerade nicht da oder so.
 
@Ghandy: Einfach mal so einen Fachanwalt auf Abruf? Ich meine der Kostet ja auch Geld? Ich hab z.B. noch nie einen Anwalt gebraucht.

@Ruby, ja das ist die Frage. Der sagt u.U. dann ich bin in 4 Stunden da. So lange wartet die Polente ja wohl nicht...
 
Also wenn ich wirklich eine Hausdurchsuchung im Haus hätte, würde ich im Zweifel bei der Auskunft anrufen und mir den nächst besten Anwalt im betroffenen Fachbereich nehmen, der bereit ist für einen "Neukunden" mal kurz vorbei zu kommen. Wenn's mal zur Hausdurchsuchung kommt, dann wäre mir das so heikel, besser irgendeinen als keinen - als Laie bist du ja komplett verloren und die können dir erzählen was sie wollen.
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #10
Natürlich kostet ein Fachanwalt Geld. Aber darauf zu verzichten, kann halt auch teuer werden. Das muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich habe vorher auch nicht geglaubt, dass die eine Durchsuchung bei mir machen würden. Das mit den Zufallsfunden hat hierbei nicht geklappt. Ich meinte etwas anderes mit hinters Licht führen. Aber das Verfahren läuft ja noch.
 
Mal zu den Punkt mit dem Anwalt. Mal ehrlich, wer hat schon einen Anwalt? Also ich kenne keinen der da einen Konkreten hat. Hab zwar auch Anwälte im Freundeskreis - wenn die aber Erb- oder Arbeitsrecht machen bringt einem das ja wenig...

Das hängt ganz von der Situation ab. So etwas wie einen Hausanwalt hat man vielleicht nicht unbedingt, aber zumindest hat man normalerweise Anwälte, die einen regelmäßig bezüglich spezieller Belange vertreten. Wer professionell Häuser/ Wohnungen vermietet, hat sicherlich einen festen Ansprechpartner, wenn es um Mietrecht geht. In der Film- und Videobranche hast du wahrscheinlich einen Anwalt, der auf Medienrecht spezialisiert ist etc pp
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #12
Ich würde einfach in den Gelben Seiten schauen oder im Internet. Der Anwalt muss die Strafprozeßordnung gut kennen, ein Feld-Wald &Wiesen-Anwalt kann einem da kaum helfen!
 
Sicherlich interessant ist in dem Kontext vermutlich der Klassiker zu dem Thema von Udo Vetter: .
 
als Laie bist du ja komplett verloren und die können dir erzählen was sie wollen.

würde ich nicht sagen.. zwei einfache grundregeln: nichts aussagen und nicht mitwirken, fertig (vielleicht noch für fortgeschrittene: schauen, dass sie nur das tun, was auf dem beschluss steht).. du musst keine geräte einschalten, keine safes öffnen und keine passwörter eingeben - und gerade wenn du keinen anwalt hast, kannst du dich völlig dumm stellen und einfach garnichts machen mit dem verweis darauf, dass du ja keinen anwalt hast und nichts falsch machen willst :D.. der anwalt wird ja nicht verhindern können, dass sie etwas finden, wenn es was zu finden gibt..
 
Viele haben zum Beispiel eine Rechtsschutzversicherung, dort könnte man anrufen und bitten, dass einem ein Anwalt geschickt wird. Sowas gibt es ab 15 bis 20 Euro pro Monat, im Bündel schon ab ein paar Euro zusätzlich zur Autohaftpflicht oder Wohnungsversicherung.
 
Rechtschutzversicherung hin und her, zwecks Verdunklungsgefahr denke ich nicht, dass die solange warten ...

In der Stadt mag das ja recht schnell gehn, hier aufm Land ist die nächste Anwaltskanzlei aber mal +10km entfernt...
Oder warten die netten Beamten dann mit mir ne Stunde oder mehr vor der Tür?
 
Wurde doch nun ausführlich gesagt, dass es meist nicht möglich ist, auf die Schnelle dann einen Anwalt herbeirufen zu können. Für so etwas gibt es (bisher) keine Notfallnummern.
Dann sollte man sich zumindest vorab informiert haben, so wie wir hier jetzt gerade dank Lars informiert werden, und dann, wenn der Fall einer Hausdurchsuchung mal eintritt, einen Nachbarn oder eine andere für das Gericht neutrale Person hinzuziehen, um einen Zeugen zu haben.
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #18
Ich würde erstmal prüfen, ob die Rechtschutzversicherung in diesem Fall greift. Wenn die Durchsuchung wegen Urheberrechtsverletzungen durchgeführt wird, muss das nicht unbedingt der Fall sein.
 
Die kommen in der Regel ja nicht abends, sondern früh am Morgen, wenn "dein" Strafverteidiger grad im Gericht oder sonstwo ist. Eine "neutrale" Person bringen die auch selbst mit, zB einen Angestellten der Kommune. Wenn du allein zu Hause bist, hast du schon mal das Problem, die alle im Auge zu behalten und nicht umgekehrt. Auf hohe Schränke und unter verblendete Küchenschränke gucken die nicht unbedingt. Dafür durchsuchen sie auch jedes auf dich zugelassene KfZ. Bei Rechnern und Datenträgern fragen sie nach Verschlüsselung und Passwort. Es empfiehlt sich nicht, biometrische Identifikationssysteme (Gesichtserkennung, Fingerabdrucksensor beim iPhone) statt Passwörtern zu verwenden. Die Rückgabe der beschlagnahmten Gegenstände (Rechner, Datenträger und Akten) kann auch mal ein Jahr dauern, ohne "aushäusiges" Backup und zügige Ersatzbeschaffung kommt man da nicht weiter. Wenn die beschlagnahmten Gegenstände unvollständig oder beschädigt zurückgegeben werden, muss gegen die Behörde mit eigenem finanziellen Risiko geklagt werden.
 
Zurück
Oben