[Politik und Gesellschaft] Vier Jahre Haft für Oskar Gröning

Nach einer langen Gerichtsverhandlung wurde der ehemalige SS-Buchhalter Oskar Gröning zu vier Jahren Haft vom Landgericht Lüneburg verurteilt. Damit fiel das Strafmaß höher aus, als die Anklage es forderte. Der 94-Jährige wurde nun zur Beihilfe vom Mord in mehr als 300.000 Fällen für Schuldig befunden. Dabei sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch bei der Urteils Verkündung, dass die Entscheidung für den Dienst in Auschwitz nicht unfrei war. Er ist der Meinung, dass auch nach über 70 Jahren Gerechtigkeit schaffen kann. Gröning gestand zu beginn des Prozesses, Gelder von Häftlingen eingesammelt zu haben und an die SS weitergeleitet zu haben. Durch diese Handlung wurde ihm vorgeworfen wirtschaftliche vorteile für das NS-Regime geschaffen zu haben.

Die Nebenkläger sowie der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster begrüßen dieses Urteil. So meinte Schuster:

Die Versäumnisse der deutschen Justiz, die solche Verfahren jahrzehntelang verschleppt oder verhindert hat, lassen sich damit zwar nicht mehr gutmachen.

Dennoch habe die Verurteilung eine hohe Bedeutung für alle Angehörigen. Ob Gröning aber mit seinem Alter nun Haftfähig ist, muss die Staatsanwaltschaft prüfen.

Quelle:
 
Na da haben die Nazijäger wieder bewiesen dass sie es faustdick hinter den Ohren haben. Der muss seine Rechnungen und Monatsabschlüsse mit einem verdammt spitzen Stift geschrieben haben wenn er der Mittäterschaft in so vielen Fällen beschuldigt wird. Glänzender Populismus der außer gigantischer Kosten für den Steuerzahler nichts bringt und frei von weiteren Folgen bleibt.
 
Was soll das heißen?

@Topic/News: Da hätte ich jetzt nicht mit gerechnet, es ist irgendwie auch ein vertrackter Fall. Auf der einen Seite kann man sich schon fragen was es für einen Sinn hat einen uralten Mann nochmal zu einer Strafe zu verurteilen die er vermutlich sowieso nicht antreten werden kann. Auf der anderen Seite verjährt Mord eben nicht. Und ihn überhaupt zur Beihilfe zu verurteilen ist auch keineswegs unstrittig, obwohl ich es jetzt nicht falsch finde...
 
Solche Fälle erinnern mich immer wieder aufs neue, wieviele Jahrzehnte die deutsche Justiz hier anders geurteilt hat. Tausende Täter wurden aufgrund der Rechtssprechungspraxis verschont. Nun werden ein paar Greise, die Pech haben, abgeurteilt. Selbst der Richter soll in seiner Urteilsbegründung sich hierzu kritisch geäußert haben. Das hätte spätestens in den 60iger Jahren alles erledigt sein sollen, wo sowohl viele Täter, als auch Opfer noch gelebt haben.
Für jene, die mir unterstellen "Bäh, Tbow pisst uns ja nur an, weil er was gegen uns Deutsche hat", sei gesagt, dass die österreichische Justiz für deren Verhalten ebenfalls einen Tritt in den Allerwertesten verdient hat.
 
Würde ich so nicht sagen. Manchen Angehörigen mag es einen Funken Genugtuung bringen. Allerdings dürfte sich das die Waage halten mit dem Gefühl, sich reichlich verarscht vorzukommen.
 
[post=""542350""]@MSX:[/post]

Soll es der Sinn einer Anklage sein, dass ein Nebenkläger eine Genugtuung erfährt?

Der Opa wird nicht ins Gefängnis gehen. Er wird durch das Urteil sicherlich auch keine Läuterung erfahren. Die Gesellschaft muss vor ihm nicht geschützt werden.

Das Ganze ist in meinen Augen eine Showveranstaltung.
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja, Du sagtest, das bringt niemandem etwas. Ich sagte nur, dass es halt Angehörigen evtl. was bringt.

Es soll ja Unrecht bestraft und vergolten werden. Dazu gehört meines Erachtens auch eine Form von Seelenheil, wenngleich das hier sicher nur gering sein dürfte, da alles viel zu spät kam.
Schadensersatz wäre hier wohl recht pietätlos, sinnlos und sowieso nicht möglich. Also wird er halt immerhin noch offiziell schuldig gesprochen. - Wem sollte man denn sonst Genugtuung oder einen Schadens-/Schuldausgleich ermöglichen? Dem "Staat"? Sammelklagen gibts hier in Deutschland nicht und die Angehörigen von 300.000 Toten alle anzuschreiben und einzuladen, ihn jeweils einzeln anzuklagen, ist quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie gesagt, ich sehe das auch letztlich als Posse. Und mehr als eben den besagten kleinen Funken Genugtuung bringt es nicht. Und der wiederum wird, wie auch schon gesagt, von der echt mal traurigen Verspätung überschattet.
 
Irgendwie übel, daß so viele Nazis mit richtig Dreck am Stecken unter bürgerlicher Fassade ihre Haltung ungestraft aufrecht halten können und hier jemand, der sich afaik früh aus eigenen Stücken mit seiner Schuld auseinandersetzte, jetzt als letzte Chance für ein Exempel benutzt wird.

Dieses allerdings hat für die Überlebenden eine katharsische Bedeutung.
Anrührend, wie ein Überlebender nach dem Urteil erklärt, wie froh er über das Urteil ist, dem Angeklagten aber wünscht, nicht ins Gefängnis zu müssen, weil er selber weiß, wie schlimm das ist.
 
Tja, das werden die Rechtskonservatisten und Law&Order Hardliner natürlich nicht wahrhaben wollen, aber hier wird auch nur bestehendes Recht umgesetzt - Mord verjährt nämlich nicht! Peinlich ist, dass es erst jetzt umgesetzt wird.

@TBow: das wäre schön gewesen, aber leider waren zu der Zeit noch viele Altnazis in Amt und würden und hätten was dagegen gehabt ihren ehemaligen Kameraden zu schaden.
 
@TBow: das wäre schön gewesen, aber leider waren zu der Zeit noch viele Altnazis in Amt und würden und hätten was dagegen gehabt ihren ehemaligen Kameraden zu schaden.
Da bin ich echt froh, dass ich das nicht erwähnen musste, sondern du das für mich erledigt hast.
Danke.

--- [2015-07-16 20:11 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---

De nächste Nazi Prozess steht schon in den Startlöchern.

Wegen Beihilfe zum Mord ist ein 92-jähriger ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz vor der Jugendkammer eines deutschen Gerichts angeklagt worden. Die Anklage sei vor der Jugendkammer des Landgerichts Hanau erhoben worden, weil der Beschuldigte zur Tatzeit Heranwachsender gewesen sei, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch mit.

Der 92-Jährige ist einer der 14 Verdächtigen, deren Wohnungen im Februar 2014 bei einer landesweiten Aktion durchsucht worden waren.

http://diepresse.com/home/zeitgeschichte/4778384/Deutschland_Fruherer-AuschwitzWaechter-vor-Jugendgericht?_vl_backlink
 
Was für eine erbärmliche Show, 70 Jahre warten? Trauen sich wohl nicht an die Verbrecher ran, die gegenwärtig unser Volk verraten und verkaufen, weil wir sie gewählt haben. Wir sind keinen Deut besser als unsere Großväter unter den Nazis, wir lassen uns von unserer gegenwärtigen Regierung für dumm verkaufen.
Sie stimmen, gegen, Wasser als Menschenrecht, sie stimmten für TTIP, also für Gentechnik und die ausplünderung unserer Staatskassen durch Konzerne, durch Klagen auf entgangene Gewinne, wegen Gesetzen.
Sie zücken das Scheckbuch für die Ukraine, sie sorgen dafür, das der Strom lächerlich teuer ist, sind zu blöd ein Endlager zu bauen, schieben bereits integrierte ab und holen dafür neue, welche eben den Luxus wollen, den sie aus dem TV kennen.
Und der pöse pöse Nazi, der sich seit Ende des Krieges vielleicht nichts zuschulden kommen hat lassen, wird im hohen Alter verurteilt.
Wie feige ist das Deutsche Volk eigentlich, nichtmal für eine klitzekleine Anklage wegen irgendwelcher Grundgesetze, die es einzuhalten gälte bringen sie durch.
Die Revolution kann man auch vergessen, niemand will sich mit den Obrigkeiten mehr anlegen, weil man Verhaftet und weggesperrt wird, in Knästen oder Kliniken.
Aber es ist kein Zeichen von Gesundheit, gut angepasst, an ein krankes System zu sein.
 
aber hier wird auch nur bestehendes Recht umgesetzt - Mord verjährt nämlich nicht!

Der Opa ist kein Mörder. Er musste Geld einkassieren und an die Nazis weiterleiten, eine arme Sau wie zigtausend andere auch.

Wegen Beihilfe zum Mord ist ein 92-jähriger ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz vor der Jugendkammer eines deutschen Gerichts angeklagt worden. Die Anklage sei vor der Jugendkammer des Landgerichts Hanau erhoben worden, weil der Beschuldigte zur Tatzeit Heranwachsender gewesen sei, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch mit.

Dass der Greis vors Jugendgericht gezerrt wird, macht die Sache noch erbärmlicher.
Zum Glück arbeitet die Zeit gegen diese Art von Showverhandlungen.
 
Dabei sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch bei der Urteils Verkündung, dass die Entscheidung für den Dienst in Auschwitz nicht unfrei war.

Das ist der Kernpunkt. Er hat es freiwillig gemacht und somit sind die Argumente wie "tausend andere auch" scheiß egal.
Nur weil sich tausende irren wird das Unrecht nicht zu Recht.

Es ist peinlich für Deutschland, dass wir 70 Jahre lang nicht in der Lage waren, mit unserer Geschichte abzuschließen und das Massenmörder dieser Klasse jahrzentelang namentlich bekannt und doch vor Strafverfolgung geschützt waren. Doch nur weil wir darin bisher versagt haben ist das kein Grund hier komplett aufzugeben. Diejenigen, deren man jetzt noch habhaft werden kann, sollte regulär der Prozess gemacht werden.
 
Ein 94 Jähriger wird wegen etwas verurteilt das 70 Jahre zurückliegt. So ein Schwachsinn. Bringt außer Kosten niemandem etwas.

Nein. Der Schwachsinn ist ganz einfach, dass diese "Menschen" so lange straffrei bleiben konnten.

Der Opa ist kein Mörder. Er musste Geld einkassieren und an die Nazis weiterleiten, eine arme Sau wie zigtausend andere auch.

Eine arme Sau? Ich bitte dich. Ist jemand für dich etwa eine arme Sau, wenn er Spuren einer Massenvernichtung verwischt und diese durch seine Tätigkeit mitfinanziert? :m
 
Zuletzt bearbeitet:
Wieso können? Herr Gröning wurde bereits vor über 20 Jahren dafür angeklagt, nur wurde das Verfahren eingestellt.
 
Beim "nicht unfrei" habe ich mich verlesen. :o

Es ist peinlich für Deutschland, dass wir 70 Jahre lang nicht in der Lage waren, mit unserer Geschichte abzuschließen und das Massenmörder dieser Klasse jahrzentelang namentlich bekannt und doch vor Strafverfolgung geschützt waren ... Diejenigen, deren man jetzt noch habhaft werden kann, sollte regulär der Prozess gemacht werden.

Wenn wir über Mord reden, bin ich bei dir. Aber nicht im Fall des Opas hier.
In der Justiz und im Schuldienst haben sich die Altnazis eben besonders lange gehalten. Zum Assessor zurückgestuft und weiter gings.
 
Vor 30 Jahren. Aber wie lautete damals der Vorwurf?
Was ich meinte, ist, daß in der Nachkriegszeit so ein Verfahren gar nicht möglich gewesen wäre, da im Zweifel die Justiz belasteter gewesen wäre, als ein Groening.

Die Ausweitung auf Mittäterschaft gibt es ja erst seit wenigen Jahren. Die Frage ist, hat sich das Rechtsempfinden verändert oder liegt es am biologischen Problem, daß man keiner Täter mehr habhaft werden kann?
 
Er hat es freiwillig gemacht und somit sind die Argumente wie "tausend andere auch" scheiß egal.

Wenn die Kacke am Dampfen ist ist sich jeder selbst der Nächste. Wenn er sich nicht freiwillig als Schreibkraft gemeldet hätte wäre er wie zehntausende andere vor die Wahl gestellt worden: Dienst an der Front oder als Wehrdienstverweigerer vor's Erschiessungskommando. Immerhin hat er sich ja als Schreibkraft gemeldet und kein Beitrittsgesuch zur SS gestellt.

Peinlich ist es nur wenn sich eine Nation 70 Jahre danach ohne Widerstand in der Rolle des ewig schuldigen sieht und nicht fähig ist rechtlich und moralisch einen Schlussstrich zu ziehen. Mut zur Feigheit, eine Nation vertreten von ohnmächtigen Politversagern deren Rückgrat bricht sobald jemand mit dem Finger auf sie zeigt, das zeichnet den Rechtsstaat Deutschland aus.
 
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