Wir hatten ab 2007 eine für Schüler zugängliche Bibliothek inklusive vier PC-Arbeitsplätzen mit Internet. Die Auswahl an Büchern war in Ordnung, vor allem im Bereich der Fachliteratur. Einige Wochenzeitungen und eine oder zwei Tageszeitungen gab es auch. In der Bibliothek war es ruhig genug zum Arbeiten und Lernen, aber: Wirklich regelmäßig genutzt zu Bildungszwecken wurde sie von vielleicht 5 Prozent der Schüler, immerhin 60 Schüler. Ansonsten war die Bibliothek Rückzugsgebiet zum Chillen in Freistunden (ob nun tatsächliche oder eigenmächtige) und zum Zocken von Browsergames (bis ich sie gesperrt habe, Admin-Passwort sollte man nicht speichern @Lehrer). Die bezahlte Aufsicht hat immerhin dafür gesorgt, dass alle Bücher gut sortiert blieben.
Ganz nutzlos war das alles also nicht. Ob mit dem Geld andere Projekte nicht sinnvoller gewesen wären, ist eine andere Frage. Alleine der Bau des etwa 100 Quadratmeter großen Raums wird nicht ganz billig gewesen sein, auch wenn er im Zuge des Anbaus realisiert wurde. Im Gegensatz zur ersten Intuition (Möglichkeiten bereitstellen, die sie zu Hause vielleicht nicht haben) fördern solche Angebote aber fast ausschließlich die besten Schüler, auch an Gymnasien; für den Rest sind es Perlen vor die Säue. Also letztendlich auch wieder Elitenförderung. Die schwachen Schüler brauchen andere Art der Unterstützung, die meiner Ansicht nach eher im Bereich der allgemeinen Erziehung und Disziplin liegt. Dafür gibt es gerade an Gymnasien selten Fachkräfte, schließlich gibt es dort ja nur wohlerzogene arbeitsame Kinder aus guten Familien.