Wenn Politiker rechnen: Flaschenpfand zur Aufstockung der Rente/Stütze

kuromi

KU ♪ RO ♪ MI ♪ (shy)
Registriert
14 Juli 2013
Beiträge
1.325
Ort
ngb
Moin :)
Mir wurde gerade dieser Link geschickt:
Darin geht es um einen Satirebeitrag aus „Der Postillon“, der sich dann als offenbar gar nicht so satirisch herausstellte.
Im Postillon hieß es im besagten Beitrag:

“Wenn Menschen, die ihr Leben lang ehrlich gearbeitet haben, im Alter von ihrer Rente nicht mehr leben können, bleibt ihnen das Wühlen im Müll oft als einzige würdevolle Alternative zum Betteln”, erklärte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Pläne zur Pfanderhöhung (...)

Im oben genannten Link heißt es nun:
Doch in diesem Fall musste gar nichts mehr karikiert werden. Denn bereits im Juli hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, Politiker wollten das Flaschen-Pfand auf 50 Cent erhöhen.

Nun scheint die einzige Quelle BILD zu sein - aber ich zitiere den Artikel trotzdem mal weiter - unter anderem, wie Politiker diese Pfanderhöhung rechtfertigen:

Kronzeuge war unter anderem Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky, (...): „Wer nicht hören will muss fühlen.“ Offensichtlich, so Buschkowsky weiter, sei „das Flaschenpfand immer noch zu niedrig. Fast täglich beschweren sich Bürger bei mir über die Vermüllung des öffentlichen Raums.“

Soweit so gut.
Dann aber das nächste Argument:

Buschkowsky schrieb:
Wer dann immer noch wegwirft, sorgt wenigstens dafür, dass die Sammler einen besseren Ertrag davon haben.

Weiter:
Leonart Kuckart schrieb:
Wenn Menschen bedürftig sind und zur Aufstockung ihrer Stütze schon früh morgens Leergut einsammeln, dann sollten sie davon auch finanziell etwas haben.

und:

CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Paul schrieb:
Viele Menschen kommen mit ihren Niedriglöhnen oder ihren geringen Renten nicht aus. Eine große Zahl davon bessert daher mit dem Sammeln von Pfandflaschen ihren Lebensunterhalt auf. Sie könnten von der Pfanderhöhung direkt profitieren.

Meine eigene Meinung muss ich gar nicht selbst verfassen, die deckt sich nahezu wortwörtlich mit der des Autors im tagesschau-blog:

Abseits davon, dass die Überlegungen absolut zynisch sind, sind sie auch noch widersinnig. Begibt man sich auf die Argumentationsebene von Buschkowsky, Kuckart und Paul, wird ein höheres Flaschenpfand dazu führen, dass weniger Leergut auf der Straße landet. Arme Menschen, die gezwungen sind, Flaschen zu sammeln, hätten also ganz und gar nicht davon – weil sie weniger Flaschen finden würden.

Ist genau dieser Punkt: Alle, die es sich nicht mehr leisten können eine 50-Cent-Pfandflasche wegzuwerfen bringen sie zur Flaschenannahme - das wird vermutlich so ziemlich die Summe sein, welche die Sammler "Mehreinnahmen" gehabt hätten. Im schlimmsten Fall sind es sogar noch weniger.
Weiter kaufen viele Tetrapacks auf die kein Pfand zu zahlen ist und es gibt auch so noch genügend Flaschen die pfandfrei sind. Wenn ich sehe wie manche Leute heute schon rechnen - denn das Pfand von 25 Cent muss ja auch erst mal gezahlt werden bevor man es zurückbekommt - wie soll das mit 50 Cent laufen? Ganz abgesehen davon, dass mit einer Pfanderhöhung garantiert auch eine allgemeine Preiserhöhung bei den Getränken käme.

Davon ab, ob so eine Pfanderhöhung tatsächlich umgesetzt würde oder nicht - schieben da Politiker allen Ernstes ihre Verantwortung bzgl. Niedriglohnsektor (Mindestlohn, Rentenerhöhung, etc.) weiter? Wer keine Arbeit hat oder trotz Vollzeitjob aufstocken muss oder von seiner 500-Euro-Rente nicht leben kann, kann ja unsere Umwelt sauberhalten und Flaschen sammeln gehen? Bezahlung erfolgt prompt am Leergutautomaten.
Ich finde diese Haltung - und diese auch noch schamlos öffentlich zu präsentieren - so unglaublich menschenverachtend.
Wie ist es möglich, dass Menschen mit so einer Denkweise (ganz zu schweigen von der Unfähigkeit zu logischem Denken) in Positionen hocken, in denen sie über das Leben anderer Menschen entscheiden können/dürfen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Fast täglich beschweren sich Bürger bei mir über die Vermüllung des öffentlichen Raums.“

is ja auch nicht so das ne weggeworfene Flasche in ner Großstadt eh keine 2 Sekunden liegen bleibt,
hab gestern als ich beim Bäcker nen Kaffee getrunken habe beobachten können wie der Mülleimer vorm Schaufenster in den 10 Minuten die ich dort war 3 mal von verschiedenen Leuten nach FLaschen duchstöbert worden ist.
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #3
Ich beobachte das leider auch immer häufiger. Noch schlimmer ist nur, dass einige Leute inzwischen sogar nach Essensresten suchen bzw. bei den Kirchen anstehen und sich dort Backwaren holen, weil sie sich entscheiden müssen ob sie ihr Geld für die Miete oder für Nahrungsmittel ausgeben. :(
 
Hier in Stuttgart hat sich aus dem Grund eingebürgert die Flaschen nicht mehr IN den Mülleimer zu werfen sondern DAVOR zu stellen. Ich beobachte das alles aber auch eher mit Besorgnis. Wie weit ist es gekommen das Rentner abends um 23 oder 24 Uhr noch im Müll nach Pfandflaschen wühlen während sich die oberen 10.000 immer mehr im Luxus suhlen :( Die Politiker mit ihren exorbitanten Diäten, welche hier und da noch durch Gelder für Reden, Seminare oder Posten in irgendwelchen Vorständen aufgebessert werden, haben dazu doch eh schon längst den Bezug verloren (falls sie je einen hatten).
 
Die Politiker mit ihren exorbitanten Diäten, welche hier und da noch durch Gelder für Reden, Seminare oder Posten in irgendwelchen Vorständen aufgebessert werden, haben dazu doch eh schon längst den Bezug verloren (falls sie je einen hatten).

Aber die anderen, die ihre Pfandflaschen wegschmeißen statt sich den Pfand wieder zu holen, doch wohl auch.
 
Naja wie man es nimmt. Lasse ich mal am Abend 5 Bierflaschen wo stehen sind das 40 Ct. Das kann man als Arbeitnehmer gerade noch so verkraften. Versuch einen solch kleinen Betrag mal jemandem näher zu bringen der fast täglich nach Bonn fliegt (wohl eher erster Klasse), für einen Vortrag 20K Euro kassiert und auch so schon einer dermaßen großen Geldbatzen pro Monat bekommt. Dem fallen 5€ aus der Tasche und der bemerkt das gar nicht. Das ist doch kein Vergleich! Ich kann mich da schon eher in diese Situation versetzen da ich auch schon sehr wenig Geld zur Verfügung hatte...
 
ich hab das damals mit erschrecken gelesen.
das ist so eine beleidigung/erniedrigung für hilfsbedürftige menschen.
die regierung soll mal lieber was dagegen tun, das menschen, die arbeiten gehen, sich beim amt die letzten 200€ dazu holen müssen, damit die überhaupt leben können.
den pfand als aufstockung zu sehen ist sowas von krank und unsozial, ich könnte kotzen.
die politiker sollen mal von 800€ im monat leben und pfand sammeln gehen, mal schauen wie schnell da was von seiten der politik in sachen gehalt/rente kommt.
 
Wie weit ist es gekommen das Rentner abends um 23 oder 24 Uhr noch im Müll nach Pfandflaschen wühlen während sich die oberen 10.000 immer mehr im Luxus suhlen ...


Wo wir wieder bei einer (Mindest-) Lohndebatte wären. Dieses Schicksal wird in ein paar Jahren noch viel mehr Treffen, mich eingeschlossen.
Wobei ich jetzt nicht unzufrieden bin, jedoch werde ich mit meinem Verdienst nicht über eine Mindestrente hinauskommen. Vorsorge treffe ich zwar, ist aber aufgrund der hervorragenden Renditen die heute noch drin sind und den begrenzten Mitteln die mir dafür zur Verfügung stehen eher prophylaktisch als reell hilfreich. Plan B ist halt der Banküberfall oder ein frühzeitiges Ableben, das eher wahrscheinlich ist, da zu allem Überfluss unser Gesundheitssystem bis dahin auch amerikanische Züge angenommen hat...:rolleyes:



p n
 
Ja, am besten erhöhen wir das Flaschenpfand auf 60Euro pro Flasche. Ausgenommen sind natürlich weiterhin Fruchtsäft und Milchproduke.
Für die Umwelt wird sich wiedereinmal nichts ändern.


Aber hey, dann werde ich mir jetzt schon mal einen Flaschenvorrat anlegen :D
 
Früher gabs "Rasen für die Rente", heute gibts dann eben "Saufen für die Rente". Prost! :D
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Blöde am Flaschensammeln ist, dass es wegen der Konkurrenz immer schwieriger wird.

Ein Nachbar im Haus hat damit vor 5 Jahren angefangen und damals locker 10 bis 20 Euro am Tag gemacht. Er bekam Ärger mit den anderen Nachbarn im Haus und in der Umgebung, weil er immer die gelben Säcke aufgerissen hat.

Heute ist das ein mieses Geschäft geworden, weil man sehr früh unterwegs sein muss, um die Hinterlassenschaften der Nachtschwärmer zu erwischen.

Aber kein Grund zum Jammern, solange man in der Großstadt wohnt. Wer sucht, der findet.

Richtig übel geht es den armen Teufeln in Kleinstädten und Dörfern, weil dort absolut nichts zu holen ist. In deren Haut möchte ich wirklich nicht stecken. Aber die bejammert keiner, weil man von ihrem Elend nichts sieht.
 
In Großstädten ist auch schon richtig Kampf ausgebrochen um die Pfandpflaschen.

Was jedoch die Umwelt zermüllt ist alles ohne Pfand: Flachmänner, Schnapsflaschen, Burger King/McDonalds Einpack Papier, Coffee To Go Plastikbesser, Taschentücher, Zigarettenhüllen mit allem drum und dran etc.
 
Womit muss eigentlich der durchschnittliche Student auskommen?
Das dürfte noch wesentlich weniger sein als Hatz IV-Niveau...
 
Naja, Studenten sind allgemein arme Schweine, wenn die Eltern nicht wohlhabend sind.
Ich hab mal gehört das Studenten mit rund 800€/Monat sehr gut dabei sind, allerdings mit einem Nebenjob.
Sicher bin ich mir aber nicht :unknown:
 
Womit muss eigentlich der durchschnittliche Student auskommen?
Das dürfte noch wesentlich weniger sein als Hatz IV-Niveau...

Ungefähr gleich würd ich sagen, je nachdem wie viel Bafög gezahlt wird. Allerdings ist das Studium ja zeitlich begrenzt (bzw. sollte es) und Arbeitslosigkeit oder Aufstocken da Niedriglohnsektor und wenig Rente - na ja, da ist kein Ende absehbar.

Als arme Schweine würde ich Studenten jetzt nicht bezeichnen. Zum Partymachen reicht das Geld ja allemal.
 
Der Bafög-Höchstsatz liegt bei 670,00 €. Den müsste man also bekommen wenn man kein Vermögen sowie keine weiteren Einkünfte durch Unterhaltszahlungen der Eltern etc. hat. Geschenkt ist natürlich nur die Hälfte.
 
800€ ist wirklich überdurchschnittlich würde ich sagen, der Durchschnitt liegt vermutlich irgendwo bei 600-700€.
Wenn man dann mal 400€ Miete (warm) abzieht, dann noch Fahrtkosten, Lebensmittel, usw. bleibt fürs feiern eigentlich nicht mehr viel übrig ...
 
Die meisten Studenten wohnen sowieso in einer WG oder im Wohnheim, also teilen sich die Kosten und man spart.
Aber mal davon abgesehen.
Jeder muss sehen wo er bleibt und auf den Staat ist kein Verlass mehr in unserer heutigen Zeit.

Verlass dich auf andere und du bist selbst verlassen.
 
Arbeiten minderbemittelte Studenten heute nebenher nicht mehr?

Zu meiner Zeit war das noch üblich, weil die 200 Mark für die Semestermonate nicht reichten.

Hatte falschen Betrag genannt, es können nur 200 Mark gewesen sein, nur für Semestermonate. Nannte sich damals Honnef (Stipendium nach dem Honnefer Model):

Nach dem Vorbild der Studienstiftung teilte sich das Honnefer Modell in eine Anfangs- und eine Hauptförderung. Die Anfangsförderung war auf die Vorlesungszeiten der ersten drei Semester beschränkt und betrug anfangs maximal 150 DM monatlich; die Semesterferien mussten weiterhin durch eigene Werkarbeit bestritten werden. Nach Ablauf der Anfangsförderung war eine erneute Bewerbung auf Übernahme in die Hauptförderung erforderlich, wofür Leistungsnachweise, Vorprüfungszeugnisse oder Gutachten vorgelegt werden mussten. Die Hauptförderung umfasste auch die vorlesungsfreie Zeit, betrug max. 200 DM und wurde je zur Hälfte als Stipendium und als rückzahlbares Darlehen gezahlt.


Nur damit nicht immer von der guten alten Zeit erzählt wird und wie alles immer schlechter wurde,
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben