Versuch die Stimmungslage zu ergründen

Nero

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16 Juli 2013
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Guckt zufällig jemand die Sendung „Kulturzeit“ auf 3sat, 19:20 bis 20:00 Uhr? Diese Woche, also eine ganze Woche lang, hieß das Generalthema „Depression“. Damit war eine Gemütslage gemeint, welche die Gesellschaften als Ganzes erfasst habe. Jedenfalls wurde das behauptet, und die Idee erscheint mir plausibel und interessant.

Sie liefert eine Erklärung für die Unfähigkeit, engagiert zu verurteilen. Die Realität wird wahrgenommen wie durch einen Schleier. Das gilt sogar für den IS. Keiner weiß, was man dagegen tun soll, es fehlt sogar die Kraft, sich anhaltend darüber aufzuregen. Emotional taucht man ganz schnell ab.

Wenn man ganz tief in sich hineinschaut, stößt man auf Gleichgültigkeit. Die versteckt sich hinter Betriebsamkeit und angedrehtem Engagement, das auflodert und von einer Minute auf die andere wieder zusammenbricht.

Typisch für diesen Zustand ist auch, dass man keine „Guten“ mehr finden und an sie glauben kann. Egal ob Russland oder die USA – sie taugen alle nichts, sagt das Gefühl. Die vielen Krisen – Ukraine, IS, Gaza, Griechenland, Frankreich, Mexiko etc. – bewirken in der Häufung ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein. Man wird apathisch und stolpert als Depressiver wie ein Zombie durch die Welt.

Das ist natürlich noch nicht Politik, aber die Stimmungslage hat großen Einfluss auf die Politik. Wie es zu dieser Stimmungslage kommt, weiß man nicht, ich jedenfalls weiß es nicht.

Die realen Bedingungen sind gar nicht so schlecht, sie waren sogar schon viel schlechter, und trotzdem waren die Leute nicht so depressiv. Es gibt anscheinend keinen rationalen Grund für die Stimmungslage, die zu einer realen Gefahr werden kann, wenn Sündenböcke gesucht und gefunden werden.


Ich weiß nicht, wie und ob man darüber diskutieren kann, das ist also ein Experiment. Ich fände es interessant, wenn die User von ihrer Stimmungslage berichten ohne zu bewerten. Normalerweise funktioniert das Denken so, dass man vernünftig sein möchte und zu sich selber sagt, das ist Quatsch. Man ist also nie ganz ehrlich, und das muss auch so sein. Aber diesmal könnte man eine Ausnahme machen.
 
Hast du noch eine andere Quelle als das Fernsehen? Was hat der IS damit zu tun? Vielleicht ist die Depression nur auf dich beschränkt. Ich kann hier nichts feststellen.
 


Komm, Nero. Zieh mal den weißen Laborkittel aus und sei Mensch! Mach mal den Anfang. Die Thread-Idee gefällt mir.
 
Ich bin voller Tatendrang und möchte die Welt verändern. Vielleicht liegt das einfach daran das ihr viel zu alt seid?
 
Das ist begrüßenswert, aber, wenn ich Nero richtig verstehe, fehlt es an einer Bestandsaufnahme, die sich traut, die Schuldigen der (empfundenen) Schieflage zu benennen.
Somit wäre die Frage zwar, was Du verändern möchtest, vielmehr aber aber, wer ist Deiner Meinung nach Schuld, daß Du meinst, etwas ändern zu müssen?
 
Ich schaue gerade die Sendung:

OT: Hat Gert Scobel getrunken? :unknown:

Der muß doch eigentlich nur vom Telepromter ablesen. :confused:

EDIT: In dem Interview nach dem Beitrag wird auf die Reaktion auf IIS abgezielt. Das greift aber imo nicht.
Vietnam oder Saurer Regen waren auch mal Aufreger. Warum soll es gerade jetzt zur Depression kommen.

Das ist eine Wochenserie? Wo gibt es die anderen Folgen?

Mit der einen alleine kann ich nichts anfangen. :(

EDIT2: Mal ein paar aktuelle Stichworte (Brainstorming , sry):

-Fracking

-Mütterrente
-Rente mit 67
-Rente mit 63
-Riesterrente
-Rüruprente
- Rentenbiveau (zB. heute oder in 20 Jahren)

-NSA

-Russland-Ukraine

-PKW Maut

-TTIP
-Tisa

-Fassadendämmungspflicht
-GEZ


Weitere Möglichkeiten wären:
Vor 30 -40 Jahren konnte eine Familien ein Haus finanzieren, mit einem Gehalt. Heute kann man mit dem selben Job daß auch, wobei es nur noch ein Reihenhaus, und das 2 Gehalt der Frau von Nöten ist.

-Markus Lanz

- Kein WD mehr

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Ich persönlich denke, daß da durchaus ernsthafte Probleme hinter stecken. Aber früher gab es auch Probleme.
Die Depression, wenn es sie den gibt, liegt in der verlorenen Hoffnung.

Früher war Politik nicht alternativlos, zumindest nicht in der Außenwirkung.

Früher gab es eine Partei für Wirtschaft und eine für Soziales. So war auch das Empfinden des Gleichgewichtes. Mal muß man mehr für die Wirtschaft, mal mehr für das soziale tun.

Das Volk kann dies über Wahlen steuern.

Dann ging der sozialen Marktwirtschaft das Gegenmodel "Sozialismus" flöten.

Dann wurde eine SPD.Kanzler marktradikal und verkaufte das Land an die Versicherungswirtschaft.

Dann kam eine CDU Kanzlerin und versuchte die Sozialdemokratie neu zu erfinden.

Von Grünen und Völkerrecht reden wir mal erst gar nicht.

Also viel Gründe für Verunsicherung.

Früher hat man sich bei politischen Diskussionen gerne (ausnahmslos) zu einer Partei bekannt.

Heute kann die Zustimmung zur Partei themenabhängig sein, was für einen Wähler noch ertragbar ist, aber für Parteimitglieder schwierig
 
Zuletzt bearbeitet:
Geil, Nero hat eine neue Spielwiese. :D *Popcorn und Bier bereitstell* :beer: + denkteuchbitteeinenpopcornsmiley

Depressionen? Die haben mit TV nichts zu tun. Die kommen aus der Seele und wenn die krank ist, wird man depressiv. Das kommt davon, dass die Menschen nur noch an sich denken und Ellenbogengesellschaft.
 


Ich habe Nero gerade eine Freundschaftsanfrage geschickt.
Ich sehe da nicht nur den Troll, sondern jemanden mit Spaß an der sportlichen Debatte, wenn das auch teilweise meine Geduld strapazierte , aber mit einem durchaus humanistischen Menschenbild, was teilweise seinen Widersachern abgeht.
 
„Jede Generation braucht eine neue Revolution.“

Thomas Jefferson

Merkel und co. haben immer die selbe Politik. Die Machthaber wechseln sich ab, aber nichts ändert sich und man scheint machtlos. Wir brauchen mehr Idealismus und frischen Wind. Frische Ideen.

Wir sind wie ein Hamster und laufen ständig im selben Rad. Die Depression war lange überfällig.
 
Das neue Gesetz zu den Zusatzbeiträgen für die Krankenkassen ist aber relativ schnell durchgeflutscht, was? Wann haben die das eigentlich entschieden? Während der Fußball WM? Sehr gefickt eingeschädelt, den Leuten zu Weihnachten das Geschenk zu machen. Wo viele Firmen, auch Krankenkassen, schon im Weihnachtsurlaub sind.
 
Ich bin voller Tatendrang und möchte die Welt verändern. Vielleicht liegt das einfach daran das ihr viel zu alt seid?
Daran liegt es mich Sicherheit ein Stück. Kein Witz, ist meine ehrliche Meinung.

Ich war ja auch mal jünger (munkelt man), hatte viel Energie, positive Energie, Träume, Ideen, Kreativität und vor allem Muße! Vieles davon hab ich jetzt natürlich auch noch - mit dem Unterschied das ich mich heute selber finanzieren muss. Da geht so dermaßen viel Zeit drauf das für den Rest (leider) immer weniger über bleibt. Muss da auch ganz ehrlich sagen das ich teilweise wohl auch in eine depressive Stimmungslage rutsche. Gerade im Winter.

Was zählt ist wohl einfach eine (für einen persönlich) sinnvolle Aufgabe. Das aufrecht erhalten der Lebensfunktionen ist zwar ne tolle Sache, auf Dauer aber zu wenig. Kinder sind hier wohl eine Option :unknown: Wenn auch die naheliegendste. Jeden Tag Geld für einen kapitalistischen Apparat zu verdienen, die Freizeit mit Erledigungen, Arbeitsweg und sonstigem nervigen Kram zu füllen dürfte imho schon ein Grund für solche Stimmungen sein. Wird ja alles immer hektischer und stressiger. Dann wird man im Gegensatz zu früher auch immer mehr mit negativen Meinungen bombardiert. Gerade auch durch das Internet und deren Sprachrohre.

Nur so ne Idee.
 


Richtig, genau das sage ich hier im Grunde auch schon. Wieso nutzt keiner meinen Thread, zu viel Text, zu viel Romantik, zu viel Philosophie? :D :(

Depression ist schon kein schlechtes Stichwort. Eine Depression entstanden durch ein lethargisches Leben im Luxus und Überfluss. Schuld hat nicht die Politik, Schuld hat primär die Bevölkerung, welche die Politik in ihrem jetztigen Dasein schalten und walten lässt. Es ist ein wenig wie mit Suchtkranken, der Süchtige muss sich in der Regel selbst dazu bereiterklären Hilfe anzunehmen. Ebenso muss die Bevölkerung vermutlich noch etwas tiefer in ihre Depression verfallen, bis sie eines Tages hoffentlich selbst bemerkt, dass sie Hilfe, dass sie eine Veränderung benötigt.
 
Jeden Tag Geld für einen kapitalistischen Apparat zu verdienen, die Freizeit mit Erledigungen, Arbeitsweg und sonstigem nervigen Kram zu füllen dürfte imho schon ein Grund für solche Stimmungen sein.
Wer glaubt, dass seine Depression dem kapitalistischen System geschuldet sind, der sollte einfach mal Kapitalist werden. Ein StartUp gründen, Angestellte einstellen, Projekte verwirklichen: es gibt nichts besseres gegen exogene Depressionen.
 
Tja, dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass man eins verliert, was ich nicht unbedingt vermisse, und das ist die jugendliche Naivität. ;)

Glaubst du das wirklich? Ich habs vor 8 Jahren gemacht und du kannst mir glauben mit meinem heutigen Wissen würde ich es nicht mehr tun, auch wenn es nicht schlecht läuft monetär gesehen.
 
Vermutlich wegen der Konstellation "Selbst und Ständig". Was nützt es schon, finanziell gut dazustehen, wenn man kaum noch Zeit hat das Leben zu geniessen?
 
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