[Politik und Gesellschaft] US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Website

Siegel des US Justizministerium Über die Website wurden mitunter die Proteste gegen die Angelobung von Donald Trump zum Präsident der USA am 20. Jänner 2017 organisiert. Auch Aktionen gegen den Muslim Ban der Trump-Administration wurden von den Betreibern dieser Website unterstützt.

Mit einem Durchsungsbeschluss wurde der Provider, DreamHost, bei dem die Website der Aktivisten gehostet wird, vom Ministerium zur Herausgabe von Informationen angewiesen. Dabei möchte das Justizministerium nicht nur Informationen über die Betreiber der Website erhalten, sondern verlangt die Veröffentlichung der IP-Adressen von 1,3 Millionen Besuchern des Internetauftritts.

Anders als bei einem National Security Letter, ist es dem Provider in diesem Fall rechtlich gestattet, über die Abfrage der Daten zu berichten. In einem auf der Unternehmens-Website informiert DreamHost über die Anfrage des Departments of Justice (DOJ).

Als besonders heikel angesehen wird, dass nicht nur die Daten der Websitebetreiber, sondern auch die Informationen von Besuchern der Seite herausgegeben werden sollen. Dabei geht es neben den IP-Adressen auch um Kontaktinformationen, E-Mails und Fotos von tausenden Menschen, die dadurch als Teilnehmer von Anti-Trump Protesten ausgeforscht werden könnten.

Diese nicht zielgerichtete Datenabfrage des DOJs widerspricht aus Sicht des Providers dem 1. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten (First Amendment), der mitunter Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit garantieren soll.

Mit Unterstützung der Electronic Frontier Foundation versucht das Legal Team des Hosters nun die Herausgabe der Daten zu verhindern und schreibt dazu in seinem Blogeintrag:

"The internet was founded - and continues to survive, in the main - on its democratizing ability to facilitate a free exchange of ideas. Internet users have a reasonable expectation that they will not get swept up in criminal investigations simply by exercising their right to political speech against the government. We intend to take whatever steps are necessary to support and shield these users from what is, in our view, a very unfocused search and an unlawful request for their personal information."

Quellen:





Bildquelle:
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Die News hatte irgendwie fakesmell, also erstmal google angeworfen.
"doj disruptj20"
10 Artikel, alle die selbe überschrift. Das ist noch mehr fakesmell.
Dazwischen war aber das hier: .
Hier übrigens ein Originaldokument vom Hoster:

Bottom Line: Sachlich nicht falsch, aber es wurden in einem warrant einfach alle Daten zu der Website angefragt und eine so breite Anfrage ist wohl erstmal nicht ungewöhnlich, wenn auch in diesem speziellen Fall natürlich besonders kritisch.
 
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Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Ich versteh nicht ganz. Du meinst der Blog Post von DreamHost, aus dem ich die Infos habe, hat "fakesmell"?
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

"Ich habe nichts zu verbergen."
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

'fakesmell' ist selber nicht ganz korrekt als begriff ;-).
Ich meine damit framing / spinning / halbwahrheiten / aus dem kontext reißen etc.
Jegliche auf korrekten Informationen basierende Falschdarstellung.
Also das, was super viele Medien heute machen.
Und dann wird tausendfach abgeschrieben und paraphrasiert und niemand sichtet irgendwelche originalquellen, was es eigentlich mit dem Thema auf sich hat.

Hier kein dramatischer Fall, aber es wird halt Kontext verschwiegen um den Drama-Effekt zu erhöhen.
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Moment BurneR, langsam wird (mir!) unklar was Du hier genau gerade kritisierst, also aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Die 1,3 Millionen stehen im Blog(Das sind alle Besucher der Website). Das Ministerium hat ausdrücklich angeordnet, die Daten rausgzugeben... und die besagten Anti-Trump-Proteste wurden auch darüber organisiert.

Abgesehen davon denke ich schon, dass es eher ungewöhnlich ist vom Ministerium ausdrücklich angeordnet zu werden "alle Daten" rauszuhauen. Sowas dürfte doch normal eher über den Webseitenbetreiber laufen, wo die sich das dann direkt holen!?
Welcher Kontext wird hier nun also verschwiegen? Besagtes PDF ist BTW im Beitrag von DreamHost verlinkt. Auch der Beitrag wurde vom besagten Hoster geschrieben. Das einzige was hier irgendwie aktuell "fakesmell'ig sein kann ist, das bisher keine Gegenposition des Staates bekannt ist.
Das abschreiben der orginalquellen ist heute nun einmal normal.

Das mit dem Drama Effekt lasse ich mal so stehen, dass ist heut nunmal so. '^^

ODER:

Meinst Du jetzt ANDERE Beiträge, nicht im NGB, die sich allesamt gegenseitig abschreiben?

Danke im voraus! :beer::D

EDIT: Darf ich den vorherigen Beitrag so lesen, das es genau das "oder" beschreibt? Sprry, falls dem so ist. :D
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Das Ministerium hat ausdrücklich angeordnet, die Daten rausgzugeben
Das Ministerium hat halt _nicht_ *ausdrücklich* angeordnet, die Daten von 1,3 Millionen Demonstranten rauszurücken.
Sondern hat geschrieben "schickt uns, was ihr habt". Und da ist jetzt die Frage, wie ungewöhnlich das ist. Ich bin jedenfalls bereit zu glauben, dass es kein ungewöhnlicher Vorgang ist, dass das DOJ halt einfach die Domain einträgt und alles dazu haben will um zu ermitteln.

Aber genau das legt meiner Meinung nach Überschrift und Text nahe, nämlich, dass das DOJ die Daten von 1,3 Millionen Trumpgegnern ermitteln wollte. Wollten sie nicht, das ist nur ein Nebeneffekt von vermutlich faulen Beamten.

Abgesehen davon denke ich schon, dass es eher ungewöhnlich ist vom Ministerium ausdrücklich angeordnet zu werden "alle Daten" rauszuhauen. Sowas dürfte doch normal eher über den Webseitenbetreiber laufen, wo die sich das dann direkt holen!?
Ja, das ist die Frage. Und sie sind ja direkt zum Hoster.
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Das Ministerium hat halt _nicht_ *ausdrücklich* angeordnet, die Daten von 1,3 Millionen Demonstranten rauszurücken.
So habe ich das auch nicht geschrieben. Nur das sie ankamen, und angeordnet haben alle Daten rauszugeben. In diesem Fall sind es laut dem Hoster 1,3 Millionen IPs/Usern die das betrifft.
[...]sondern verlangt die Veröffentlichung der IP-Adressen von 1,3 Millionen Besuchern des Internetauftritts.
^- So steht es oben.

The request from the DOJ demands that DreamHost hand over 1.3 million visitor IP addresses — in addition to contact information, email content, and photos of thousands of people — in an effort to determine who simply visited the website. (Our customer has also been notified of the pending warrant on the account.)
So steht es im Blog, was schon impliziert, dass sie die Daten von 1,3 Millionen IPs/Besuchern haben wollen.

steht ausdrücklich auf Seite 33, Anhang G, das diese Aufforderung mehr als "1.000.000 visitors" betrifft, und deshalb oder wohl "auch deshalb" bedenken Seitens DreamHosts bestehen.
BTW fällt hier das Wort "demonstranten" nur einmal, und zwar von dir.
Die Frage bleibt: Was ist hier der verlorene Kontext?

EDIT:
Aber genau das legt meiner Meinung nach Überschrift und Text nahe, nämlich, dass das DOJ die Daten von 1,3 Millionen Trumpgegnern ermitteln wollte. Wollten sie nicht, das ist nur ein Nebeneffekt von vermutlich faulen Beamten.
Ja gut, äh... Man kann es so sehen, und so sehen. Für mich legt die Überschrift nichts derartiges nahe. Das könnte aber auch "Geschmacks"- bzw. Interpretationssache sein, oder?
 
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  • #9
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Der Besuch einer Website und die Teilnahme an einer angemeldeten Demonstration ist außerdem nicht strafbar. Frag mich deshalb, wofür man die Zugriffe haben möchte. Will man Profile von Leuten erstellen, die eine "unerwünschte" politische Einstellung haben oder was möchte man damit machen?

Wenn es einen begründeten Verdacht gegen eine Person oder Gruppe gibt und die Strafverfolger zB deren Facebook Korrespondenz einsehen möchten, wird man wohl auch nicht alle Daten aller Facebook User abfragen können, sondern eben dieser tatverdächtigen Gruppe.

Sind jetzt natürlich nur Spekulationen, bin kein Jurist.
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Hier ist der originale warrant:
Super kurz, super faul. 'Gebt uns mal, was ihr habt, damit wir ermitteln können.'

In der Anklage bzw. Anklageschreiben(?) steht ausdrücklich auf Seite 33, Anhang G, das diese Aufforderung mehr als "1.000.000 visitors" betrifft, und deshalb oder wohl "auch deshalb" bedenken Seitens DreamHosts bestehen.
Das ist die Reaktion auf die erste Reaktion von DreamHost (nicht das verlinkte pdf, sondern früher).

BTW fällt hier das Wort "demonstranten" nur einmal, und zwar von dir.
Die Frage bleibt: Was ist hier der verlorene Kontext?
electric harry war so freundlch darauf einzugehen :p.

Der Besuch einer Website und die Teilnahme an einer angemeldeten Demonstration ist außerdem nicht strafbar. Frag mich deshalb, wofür man die Zugriffe haben möchte. Will man Profile von Leuten erstellen, die eine "unerwünschte" politische Einstellung haben oder was möchte man damit machen?

Wenn es einen begründeten Verdacht gegen eine Person oder Gruppe gibt und die Strafverfolger zB deren Facebook Korrespondenz einsehen möchten, wird man wohl auch nicht alle Daten aller Facebook User abfragen können, sondern eben dieser tatverdächtigen Gruppe.

Sind jetzt natürlich nur Spekulationen, bin kein Jurist.
1. Abschnitt: Das steht ja in den Dokumenten. Um wegen gewalttätigen(!) Ausschreitungen zu ermitteln.
2. Ja, das ist die Frage wie gesagt, dazu habe ich ja schon geschrieben, dass ich nur gelesen habe, dass das jetzt nicht ungewöhnlich ist, dass sie einfach die Domain eintragen und alles verlangen.


Es gibt eben einen Unterschied zwischen:
Justizministerium hat im Rahmen ganz normaler Ermittlungen und Vorgehen die Daten von disruptj20.org verlangt, das wird jetzt aber vom Hoster abgelehnt, weil das in diesem speziellen Fall Regierungskritische Demonstranten betrifft.
Und dem, was an News vorlegt, denn das soll genau solche Gedanken schüren: "Will man Profile von Leuten erstellen, die eine "unerwünschte" politische Einstellung haben oder was möchte man damit machen?"

Das witzige ist ja, dass in Europa die Leute die ganze Zeit Dinge sagen wie "Die da drüben, die leben ja in ner Bubble und Echokammer, schauen Fox den ganzen Tag und hören darauf. Und Trump selber kriegt jeden Tag einen Aktenordner darüber, wie toll man ihn findet."
Stellen aber nicht fest, dass sie selber auch in einer Bubble leben.
 
Re: US-Justizministerium will IP-Adressen von 1,3 Mio. Besuchern einer Anti-Trump-Web

Man kann es so sehen, und so sehen. Für mich legt die Überschrift nichts derartiges nahe. Das könnte aber auch "Geschmacks"- bzw. Interpretationssache sein, oder?
Immer dieser Relativismus :rolleyes: Das die IP Adressen in den Daten enthalten sind, ist einer der Gründe warum der Hoster ablehnt. Das DOJ will alle Daten die im Zusammenhang mit der Seite stehen. Die Auswahl des Beispiels wurde also vom Hoster getroffen, die Überschrift schreibt diese Auswahl dem DOJ zu. Das mieft, insbesondere weil es ist so offensichtlich ist. Viel zu konkret für das DOJ, wo kommt die Zahl her?
BurnerR hat es auch gerochen. Danke fürs Nachforschen!

Die Ironie an der Sache: die Überschrift stellt die Sache nicht schauriger dar, als sie ist, sondern verharmlost sie irgendwie sogar noch (wenn man die Implikation der Verfolgung politischer Gegner im Masse ignoriert): Das DOJ will alle Datenbanken, Datein, Logs, auch Informationen die gelöscht wurden, aber noch "verfügbar sind" u.v.m. Siehe Search Warrant. Die Vermutung liegt nahe, dass das Standard-Textblöcke sind, was dann auf ein viel viel größeres Problem hinweist.

Es ist daher schon schön, dass "Abwehren viel zu breiter Regierungsanfragen durch Hoster" gute PR ist und imho verdienen der Hoster dafür auch Betonung in der Überschrift. Die von Golem gefällt mir daher besser: "Dreamhost will keine Daten von Trump-Gegnern herausgeben".
 
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