Uneinsichtiger Kumpel spricht von Suizid

Meine Meinung dazu ist noch nicht so 100% ausgereift. Ich denke aber im Moment, metamäßig, dass es auch etwas mit Respekt zu tun hat, anderen, auch geliebten Menschen ein Stück weit Eigenverantwortung zuzugestehen und ihnen zuliebe ein gewisses Risiko einzugehen, wenn es denn nicht so akut ist, wie beschrieben. Vielleicht ist es bei ganz nahestehenden Personen, die man liebt (Familie, Partner/in) auch die bessere Wahl, in der Krise dann 24/7 auch direkt vor Ort da zu sein, und auf die Weise etwas Kontrolle zu haben - auch sich selbst zuliebe?! Wobei ich da nicht so weiß, ob man den jenigen dann auch überreden sollte, dass man bei ihm bleibt... Denn es könnte ja als ähnliche (wenn auch nicht so massive) Entmündigung aufgefasst werden, wie die Einweisung.
 

Das in der Familie klären, sry, aber das ist mehr als Verantwortungslos.
Wir sprechen von einer womöglich suizidalen Person.
 
Jup, womöglich.

Warum ich das so sehe, welche Pros und Contras es aus meiner Sicht gibt, das schrieb ich ja oben.
Ich seh das so, Du siehst das anders. Wir beide können es aus dieser Position heraus nicht sicher beurteilen. Das können eher die, die den Mensch kennen. Und das fängt bei Freunden und Familie an. Und selbst da gibts kein Garant, ebensowenig wie durch Fachpersonal.
 

Fakt ist:
Medikamente bekommt man nur durch Ärzte.
Wenn du nicht zum Arzt gehst, bekommst du auch nichts verschrieben.

Das es manchmal nur ein zeitweiliges emotionales tief hängen ist, was sich mit ein wenig freundschaftlichen Support lösen lässt, mag sein.
Das du am nächsten Tag nen Termin beim Leichenbeschauer hast, ist aber auch möglich und zu 100% dein Verschulden.

Sorry, aber "löst das selbst und geh nicht zum Arzt" hat schon zu vielen Menschen das Leben gekostet, als das noch als "Meinung" durchgehen zu lassen.
Das ist keine Meinung, dass ist fahrlässige Körperverletzung bzw. unterlassene Hilfeleistung.
 
Du unterstellst mir da eine Meinung, die ich so nicht geäußert hab.

Steht doch alles oben. Beides hat Vor- und Nachteile. Abwägen muss das derjenige, bei dem er sowas äußert. Außerdem sagte ich sehr wohl, dass man ihm eine Therapie vorschlagen, oder je nach Mensch nahelegen könnte.
Medikamente helfen nicht zwangsläufig gegen Suizidgedanken. Schön wärs. Eine Zwangseinweisung hält auch nicht absolut sicher davon ab. Auch das wäre schön, soferns denn überhaupt nötig ist.

Aber wie gesagt, steht alles oben und ebenso schon erwähnt, siehst Du das so und ich seh das ein klein wenig anders. Und nun?
 

okay, ich weiß, dass man bei psychischen Erkrankungen sehr sehr vorsichtig sein muss.
Das man die Personen nicht stressen, nötigen oder zwingen darf.
Das man oft durch aufgezwungene Hilfe dinge mehr kaputt macht, als alles andere.
Das unsere Therapielandschaft sehr beschissen aussieht und man kämpfen muss um einen vernünftigen Platz zu bekommen.

Aber das was du machst ist meiner Ansicht nach ein runterspielen und wegreden und das grenzt für mich an ein Verbrechen.
Das ist die gleiche schiene wie:
Sei doch einfach nicht depressiv.
Hör doch einfach auf dich selbst zu verletzen.
Entscheide einfach nicht schwul zu sein.

Das ist in meinen Augen von Grund weg verwerflich.
 
Deine Vergleiche sind vollkommen fern dessen, was ich sagte. Dafür meinst Du absolut sicher zu wissen, was er nun genau für ein Problem hat, sagst danach aber richtigerweise "möglicherweise". Du weißt das genausowenig und Dein Vorschlag kann vollkommen überzogen sein.

Dein Vorschlag ergibt keine hundertprozentige Sicherheit, ebensowenig wie meiner. Dennoch -und nun zum letzten mal- sagte ich, dass man ihm eine Therapie vorschlagen könnte oder eben sollte, wenn man der Ansicht ist, dass das nötig ist. Das aber deutlich besser als von hier aus und mit diesen Infos einzuschätzen, würde ich denen überlassen, die ihn besser kennen. Mehr als nahelegen, geht sowieso nicht. Umbringen kann er sich überall, mit oder ohne Medikamenten, die auch keine absolute Sicherheit bringen.

Du magst das Reden mit so jemandem im Umfeld als erste Möglichkeit als ein Verbrechen ansehen, so wie ich eine Zwangseinweisung bei manchen Menschen als Verbrechen ansehe. Darum eben dort einschätzen, dann überlegen und ihm was vorschlagen, bzw. je nachdem auch sanft drängen. Nun hat man mit ihm geredet und es scheint besser zu sein. Wenns halt weitergeht mit solchem Gerede von ihm und er neue Ansichten zum Leben aus seinem Umfeld nicht akzeptiert oder versteht, dann legt man ihm halt das mit der Therapie nahe. Und wenn er ganz krass wird und sagt, er bringt sich heute um, dann würde ich nochmal mit ihm reden und wenns nix hilft, dann, dann würde ich in der Ambulanz anrufen. Und mit Pech bringt er sich dann halt trotzdem dort oder danach um. Und daran ist dann sonstwas schuld, aber sicher nicht die, die sich um ihn gekümmert haben.
 

Das in der Familie klären, sry, aber das ist mehr als Verantwortungslos.
Wir sprechen von einer womöglich suizidalen Person.

Ja, und?

Es gibt doch aus Sicht des Betroffenen nur zwei Möglichkeiten:

A: Das Erleben des Suizidenten endet mit dem Exitus, dann gibt es kein Bedauern, keine Zweifel, kein Bereuen etc. mehr.

B: Die Existenz geht weiter (Stichwort NTE), dann verbucht die Wesenheit ihren Suizid als Erfahrung und es geht weiter.

"Ich kann doch nicht zulassen, dass....!" - "Da muss man doch eingreifen!" und auch "....sry, aber das ist mehr als Verantwortungslos.
Wir sprechen von einer womöglich suizidalen Person" Das alles sind die Vorstellungen Dritter, die ihre Weltsicht auf andere übertragen, sei es aus Eitelkeit, Hybris, oder Verlustangst.

Das ist für Menschen hart und auch schwer zuzugeben und berührt oft auch das Herz. Trotzdem finde ich es falsch.

Gruß
 
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