Tsipras, Syriza und die EZB: Weltuntergang oder goldenes Zeitalter?

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  • #21
Vermutlich wird man sich darauf einigen neue, unpopuläre Sparmaßnahmen in gemäßgterem "Reformtempo" anzugehen. ;)

Wie ein Land durch Verzicht auf Konsum und Arbeit wieder auf die Beine kommen soll, habe ich noch nie begriffen. Das muss eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Volkswirtschaftslehre sein. Für mich gilt der Grundsatz: Von Nix kommt Nix. Also wenn die Griechen weitersparen, können sie vielleicht im Zirkus als Hungerkünstler auftreten, aber reich werden und Schulden bezahlen können sie nicht.

Die einzige Möglichkeit ist es, aus dem vorhandenen Vermögen der Superreichen Kapital zu machen, produktives Kapital, indem man die reinen Geldvermögen konfiskatorisch besteuert.
 
Wie ein Land durch Verzicht auf Konsum und Arbeit wieder auf die Beine kommen soll, habe ich noch nie begriffen. Das muss eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Volkswirtschaftslehre sein. Für mich gilt der Grundsatz: Von Nix kommt Nix. Also wenn die Griechen weitersparen, können sie vielleicht im Zirkus als Hungerkünstler auftreten, aber reich werden und Schulden bezahlen können sie nicht.
Bei dem Punkt muss ich dir zustimmen. Aber soviel ich weiß ist das unter Volkswirtschaftlern eher stark angezweifelt und ein Irrweg der EU, bzw. wurde auch schon der BRD vorgeworfen mit diesem Kurs absichtlich die Länder kaputtzusparen.
 
Nicht umsonst haben Verschwörungstheorien um das Finanzkapital und die oberen 1% in den letzten Jahren Hochkonjunktur.
Nutznießer gibt es immer.
 
Wenn diese wohlhabenden Steuern hinterzogen haben, dann ist eine Nachbesteuerung + saftiger Geldstrafe mehr als Angebracht..

UND eine Bestrafung derjenigen, die sich korrumpieren ließen: zuständige Politiker und Beamte der Finanz- und sonstigen Verwaltung.

Ich habe da das Gefühl, dass die gelebte Korruption tief durch diese Schichten geht (ging) uns sich einfach jeden, so gut es ging, bedient hat.
Man denke nur an die vielen Brände rund im Athen in den vergangenen Jahren, die zumeist Brandstiftung waren, um Bauland oder Anbauflächen zu schaffen. Abgesegnet IMMER von Politik & Verwaltung.

240 Milliarden Euro an Hilfen für Griechenland bedeuten immerhin etwas über 22.000 Euro pro griechischer Nase. Und wo geht das ganze EU-Geld hin?
 
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  • #25
Nicht umsonst haben Verschwörungstheorien um das Finanzkapital und die oberen 1% in den letzten Jahren Hochkonjunktur.
Nutznießer gibt es immer.

Das deutsche könnte ein Vorbild für die Umverteilung sein.

An einer Umverteilung führt kein Weg vorbei.

Der Sparfimmel entspringt deutscher klassischer Rentner- und Beamtenmentalität. Dieser Personenkreis bezieht ein festes monatliches Einkommen, an dem er nichts ändern kann. Wenn er sich was leisten will, ist das Sparen die einzige Möglichkeit, während Berufstätige versuchen können, ihr Einkommen zu vergrößern, durch Mehrarbeit, Nebenjob oder Zusatzqualifikation.

Die Überalterung der Gesellschaft scheint das Bewußtsein auch der Ökonomen zu prägen, mit fatalen Folgen, weil die Griechen keine Rentner mit monatlichem Fixum sind.
 
Oder halt einfach eine progressive Vermögens- und Maschinensteuer mit entsprechenden Freibeträgen (gerade für neue Unternehmen). Probleme wären hier halt die Verhinderung der Abwanderung des Kapitals in Steueroasen und die angebliche Ausbremsung des technischen Fortschrittes. Andererseits haben wir aktuell auch eine derartige Ausbremsung, einfach dadurch, dass durch die geringen Löhne der Markt für neue Produkte wegbricht (die emerging states kompensieren das noch etwas, wovon auch die Exportstaaten der EU noch profitieren, aber die Chinesen schlafen ja selbst nicht) und die Unternehmen ihr Geld wie Dagobert Duck horten und auf bessere Zeiten hoffen. Von daher sehe ich das nicht unbedingt als Verschlechterung.

Ich bin immer wieder überrascht, wie vorschnell derartige Vorschläge als Sozialistenträume diffamiert werden. Schließlich muss es doch auf lange Sicht auch im Interesse der Wirtschaft sein, ein kaufkräftiges Volk zu erhalten. :unknown:
Aber langristig ökonomisches Denken hat im Kapitalismus nicht unbedingt Vorrang. Ist einfach ein inhärentes Problem.
 
Naja, bei den Griechen kommt aber auch der Schlendrian und die mangelnde Zuverlässigkeit hinzu. Wie will man da qualitativ hochwertige Produkte erzeugen? Kennt jemand von euch HighTech - Made in Greece? Ich bislang nicht.

Griechenland kenne ich als Urlaubsland, die reichen Reeder und das Obst und Gemüse. Retsina und Ouzo dagegen sind nicht so mein Ding. :D
 
Naja, bei den Griechen kommt aber auch der Schlendrian und die mangelnde Zuverlässigkeit hinzu.

Die dürfte mittlerweile nicht mehr relevant sein. Du hast mit Sicherheit motivierte Mitarbeiter, bei den extremen Arbeitslosenzahlen die zuvor ohne Grundsicherung und Krankenversicherung (über)leben mussten.

Industriell haben und hatten sie tatsächlich nicht viel zu bieten. Bei der aktuellen Situation dürfte es auch schwierig sein Investoren anzulocken. Der Tourismus erholt sich aktuell immerhin wieder und da sehe ich mit den hoffentlich anstehenden Sozialreformen auch noch Potential.
Athen hätte ich vor ein paar Monaten auch nicht besuchen wollen.
 
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  • #29
Industriell haben und hatten sie tatsächlich nicht viel zu bieten.

Bei Agrarprodukten auch. Aus Spanien kommen die Orangen nicht nur in gewaltigen Menschen, so schmecken obendrein besser als die griechischen. Landwirtschaft ist heute eben auch eine Industrie, wenn sie rentabel sein soll.

Griechenland ist der Tourismus zum Verhängnis geworden. Die Jugendlichen wollten nicht in die Produktion, weder die landwirtschaftliche noch die industrielle, sondern sie wollten als Kleinunternehmer selbständig werden. Es gab bald zahllose Lokale, deren Eigentümer nur Tiefkühlkost und Mikrowelle kannten. Oder die Typen haben, wie ein Freund von mir, auf Kreta am Strand eine Disko aufgemacht. Über Verleiher von Motorrollern, Motorrädern und Fahrrädern ist man fast gestolpert. Dort standen junge Männer herum, die vor lauter Kraft kaum laufen konnten, mit nichts anderem beschäftigt, als vergeblich auf Kundschaft zu warten.

Als Landwirte hätten sie ein Vermögen verdienen können, aber in die Produktion wollten sie nicht.
 
Europas Eliten werden versuchen, den Austritt Griechenlands aus dem Währungsverbund mit allen Mitteln zu verhindern, weil die Blamage zu groß wäre, obwohl es für Griechenland wirtschaftlich und sozial das Beste wäre.
 
Das meinst du jetzt aber nicht im Ernst, oder?
Damit wäre Griechenland aber erst mal weg von den meisten Fleischtöpfen der EU.
Selbst die neue linke Regierung vermeidet dieses Szenario.



Kokser schrieb:
Du hast mit Sicherheit motivierte Mitarbeiter, bei den extremen Arbeitslosenzahlen die zuvor ohne Grundsicherung und Krankenversicherung (über)leben mussten.

Mit Sicherheit hast du eines: schlecht oder gar nicht ausgebildete Menschen, die aus verständlicher Verzweiflung zwar alles Mögliche arbeiten würden, aber jegliche Qualifikation für anspruchsvolle Arbeitsplätze vermissen lassen.
 
Ich kenne mich zwar überhaupt nicht mit der Wirtschaft in Griechenland aus, kann also wenig dazu sagen ob da jemand nur faul ist oder einfach nur korrupt, aber was der Tsipras für Kommentare raushaut ist auch mir nicht untergekommen. Jetzt wird sich Gegen die Russland-Sanktionen ausgesprochen und er soll sogar davon gesprochen haben das er Kredite aus Russland bekommen wolle.

Und die Sache wird noch eine ecke Bizarrer, es soll geprüft werden/er könnte sie bekommen:


Strategische Kredite - oder alles aus Liebe zum Griechenland-Tourismus?
*Hofft man auf einen sozialen Schneeball-Effekt - der große Hilft dem "kleinem" Griechenland also müssen wir X auch gegen Sanktionen und politische Attacken gegen Russland sein?

** Und noch eine Win-Win Situation für einen Kredit:
Aus dem Artikel:
Schon jetzt ist die griechische Energiebranche extrem abhängig von Moskau - mehr als 60 Prozent seiner Gasimporte bezieht das Land aus Russland.

Also sorgt man dafür das der Schuldner noch weiter Dienste in Anspruch nehmen kann, kommt dann eine Suche nach Alternativen um (aus Sicht Griechendlands) dann eigenständiger zu werden, oder bleibt man auf die Lieferungen (bewusst) angewiesen? Frage ist wie das Thema Energiewende in Griechenland behandelt wird - aber das ist nur ein kleiner Aspekt, wenn auch mit bitterem Beigeschmack wie ich finde.
 
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Ich kann mir ein Grinsen auch nicht verkneifen. Keine schlechte Idee sich ein paar Druckmittel gegen die EU-Kaputtsparpolitik zu schaffen.

Jetzt am besten noch den Rubel einführen :D
 
Finde ich garnicht, ganz im Gegenteil. Richtig lustig, wie die Griechen die EU abblitzen lassen.

Zugabe!

Eine gelungene Inszenierung.

Die Frage ist nur, auf wessen Kosten diese Inszenierung gehen wird. Zumal es schon schlecht ist, wenn man mit einem Sparprogramm aufhört - nachdem das Geld davon verpulvert wurde (bis Mitte/Ende Februar?)- und gleich zum nächsten Gläubiger rennt (ohne einen Plan) ?

Und unter der Sparpolitik verstehe ich nicht nur den Gürtel enger zu schnallen, sondern Kostenstellen abzuschaffen die man aufgebaut hatte und versuchen den Staat zu sanieren und wieder (nachhaltig) aufzubauen - aber nicht in dem man genauso weiter macht wie zuvor. Wo ist da bitte die Innovation und der richtige Ruck?

Wann hört man den Pläne von Tsipras, anstelle anderem was er nun von sich gegeben hat, das er etwas verändern will, zum besseren; langfristig?

*Wenn die Beamtenblase wieder reinszeniert wurde, haben die dann das Bruttosozialprodukt um Griechenland wieder herauszuziehen aus dem Schuldenloch?
 
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Und unter der Sparpolitik verstehe ich nicht nur den Gürtel enger zu schnallen, sondern Kostenstellen abzuschaffen die man aufgebaut hatte und versuchen den Staat zu sanieren und wieder (nachhaltig) aufzubauen - aber nicht in dem man genauso weiter macht wie zuvor. Wo ist da bitte die Innovation und der richtige Ruck?
Das was die Troika dort abgezogen hat, hat jedenfalls auch nichts mit Nachhaltigkeit zu tun.
Mit Sparen um jeden Preis zerstört man die Wirtschaft anstatt sie nachhaltig aufzubauen.
 
Griechenland muss raus aus dem Euro und mit einer stark abgewerteten Drachme neu anfangen, in die Hände spucken. Die Reichen für das Desaster bluten zu lassen ist zwar eine nette Idee, aber seien wir mal ehrlich, dazu wird es nie kommen.
 
Aber mal ehrlich, der bisherige, riesige Beamtenapparat war umgekehrt proportional zu jeglicher Effektivität einer halbwegs funktionierenden öffentlich und Finanzverwaltung.

Tsipras hat dagegen nicht viele tragfähige Konzepte vorgebracht. Sollen die sich doch mit den Russen, insbesondere Putin, abgeben. Dann wären sie raus aus dem Euro, am besten auch aus der EU und der Nato. Das Olivenöl kaufen wir in Italien und der Wein von dort ist eh besser, als der griechische. Urlaub können dann in Griechenland die großmäuligen Russen machen, die sich im Hotel die Teller am Buffet immer total überladen und dann ein Zehntel davon essen, nachgespült wird mit Wodka aus voll eingeschenkten Limonadengläsern. Putin hat dann gleich noch ein nettes Druckmittel an der Hand mit seinen Gaslieferungen. Griechenland würde so vollends zur russischen Marionete. Wer's braucht?!
 
Ich war letzten Herbst eine Zeit in Athen, es hat mir gut gefallen. Russen waren keine unterwegs, Deutsche auch kaum, eher Italiener, Franzosen, Engländer, Schweizer. Ich wurde dort freundlich behandelt, es gab keine Nazi-Pöbeleien oder ähnliches. Der Wein war OK, ich trinke allerdings keinen Samos oder Retsina. Deutsches Bier war überall zu bekommen, wenn man wollte. Mit dem geänderten Publikum verbunden waren allerdings ernste Bezugsprobleme mit der BILD.
 
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  • #40
Die Frage ist nur, auf wessen Kosten diese Inszenierung gehen wird. Zumal es schon schlecht ist, wenn man mit einem Sparprogramm aufhört - nachdem das Geld davon verpulvert wurde (bis Mitte/Ende Februar?)- und gleich zum nächsten Gläubiger rennt (ohne einen Plan) ?

Berechtigte Fragen.

Man hätte sie stellen sollen, als die EU massenhaft kaputte Balkanstaaten von Kroatien bis Bulgarien eingemeindet hat, um die deutsche Einflusszone dick und fett zu machen.

Das hätte sich die EU fragen wollen, als sie den Assoziierungsvertrag mit der Ukraine durchgedrückt hat.

Das sollten sich heute die Bundesbürger fragen, wenn der faktische Nicht-Staat Ukraine mit vielen Milliarden gefördert wird, damit er die Laus im russischen Pelz spielt.



Aber mal ehrlich, der bisherige, riesige Beamtenapparat war umgekehrt proportional zu jeglicher Effektivität einer halbwegs funktionierenden öffentlich und Finanzverwaltung.

Du erzähst nur was jeder Bundesbürger 1000 mal in der Zeitung gelesen oder im Radio gehört hat. Und Du erzählst es so, als wäre dieser allgemeine Nachrichtenbrei das Ergebnis Deiner eigenen Recherchen und Deine ureigenste Meinung. Das ist Stammtisch pur.

Und das auch:

Urlaub können dann in Griechenland die großmäuligen Russen machen, die sich im Hotel die Teller am Buffet immer total überladen und dann ein Zehntel davon essen, nachgespült wird mit Wodka aus voll eingeschenkten Limonadengläsern. Putin hat dann gleich noch ein nettes Druckmittel an der Hand mit seinen Gaslieferungen. Griechenland würde so vollends zur russischen Marionete. Wer's braucht?!


Das ist ja noch platter als Springer-Presse. Jetzt sind wir vom Stil her schon bei der AfD.
 
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