[Technik] Telekom: VDSL-Vectoring-Deal steht kurz vor Abschluss

Vorstandsbeauftragter der Telekom für den Breitbandausbau, Ulrich Adams, erklärt: Das Verfahren über den Zugang der Deutschen Telekom auf Kabelverzweiger zum Breitbandausbau steht "in den letzten Schritten". Auch das umstrittene Thema des Bitstromzugangs wurde bereits diskutiert. Man sei mittlerweile "fast schon bei der Preisfrage angekommen". Er ist zuversichtlich, dass die Deutsche Telekom grünes Licht für die exklusive Vermarktung der VDSL-Vectoring-Technik ca. 8000 dieser Verteiler bekommt. Fast sechs Millionen Anschlüsse könnten so mit 100MBit/s ausgebaut werden.


VDSL-Vectoring und Bitstromzugang - was ist das und warum ist es so problematisch? bitstromzugang.png

Jeder Kunde bekommt innerhalb eines Telefonkabels eine eigene Ader für die DSL-Datenübertragung. Bislang war es jedem (Fremd-)Anbieter möglich, eine eigene Ader innerhalb des Telekom-Kabels zu mieten, um einen DSL-Anschluss über eigene Technik zur Verfügung zu stellen ( ). Da die Kupferadern innerhalb eines Telefonkabels, welches ursprünglich nur zur Bereitstellung von Telefoniediensten ausgelegt war, kaum geschirmt sind, beeinflussen sich alle Anschlüsse innerhalb des Kabels gegenseitig. Durch die so auftretenden Störungen war es bisher nicht möglich, mehr als 50MBit/s über DSL zu übertragen.

Vectoring sorgt hier für Abhilfe. Dabei wird das eingespeiste DSL-Signal so modifiziert (verfälscht eingespeist) um das Nebensprechen am Ende der Leitung auszugleichen. Problem dabei: Der muss die auftretenden Störungen bereits im Voraus kennen und so berücksichtigen. Daher müssen alle eingespeisten DSL-Signale innerhalb eines Kabelstrangs vom selben DSLAM gesendet werden. Eine Entbündelung der Kupferadern für eigene Technik eines anderen Anbieters, wie bisher, ist so nicht mehr möglich.

Die mögliche Lösung: Bitstromzugang
Zukünftig könnten andere Anbieter ihre Produkte weiterhin vermarkten, allerdings nicht mehr mit eigener Technik innerhalb des mit Vectoring ausgebauten Kabelstrangs. Dort soll ein DSLAM der Telekom (oder eines anderen Anbieters) auch die Anschlüsse der Kunden von Fremdanbietern zur Verfügung stellen und die gesendeten Daten über einen Bitstromzugang an den jeweiligen Anbieter weiterleiten.

Andere Anbieter protestieren gegen dieses Vorgehen. So habe die Telekom die Möglichkeit, ausgesuchte Gebiete wieder zu monopolisieren. Der Bundesverband Breitbandkommunikation fordert sogar, das Netz der Telekom abzuspalten und so Netz und Betrieb zu trennen. Ulrich Adams hingegen versichert, dass alle Anbieter von dieser Vorgehensweise profitieren würden und ihre Produkte weiterhin anbieten könnten.


Glasfaser in weiter Ferne, Mobilfunklösungen absehbar

Hermann Rodler (Nokia Networks) setzt vielmehr darauf, dass in Kürze mit 5G auch mittels Mobilfunk ein konkurrenzfähiges Netz vorhanden sein könnte, um die geforderten Bandbreiten liefern zu können. Der CEO von Ericsson Deutschland, Stefan Koetz, merkt an: "Wenn Sie darauf warten, dass der Bedarf da ist, sind sie fünf Jahre zu spät." Mit einer flächendeckenden Infrastruktur sollen Visionen wie beispielsweise das vernetzte Auto in Zukunft möglich sein.

Walther Haas, Mitglied der Geschäftsleitung von Huawei Technologies Deutschland schwärmte hingegen bereits von "Super Vectoring", dem Nachfolger von Vectoring mit dem 400MBit/s über Kupferkabel möglich sein sollen. Die Ideallösung eines flächendeckenden Glasfasernetzes sei in Deutschland noch in weiter Ferne. Andere Länder sind in diesem Bereich bereits viel weiter fortgeschritten, oft aber nur weil die entsprechenden Glasfaserkabel "fliegend" an Häuserwänden und Kabelmasten verlegt werden.


Quelle: , ,
 
Der gedankliche Zeitrahmen für Infrastruktur liegt bei Jahrzehnten, nicht bei Jahren.
Anstatt weiterhin kurzfristige Übergangslösungen wie Vectoring zu unterstützen sollte lieber explizit auf die Zukunftstechnologie Glasfaser gesetzt werden.

"Super-Vectoring" ist mal wieder Augenwischereri. Die verbauten Kupferkabel unterliegen engen physikalischen Grenzen die man versucht zu umgehen indem die letzte Meile bis zum Endverbraucher verkürzt wird. Der einzige Vorteil besteht darin das die Telekom noch den letzten Tropfen Gewinn aus ihrer Kupfertechnologie heraus pressen kann, welche jahrzehnte älter ist als das Internet an sich und auf diese Weise den Ausbau mit zeitgerechten Technologien behindert.
 
Als ich mein 14.400er UsRobotics HST gekauft habe, hieß es seitens Post das das Telefonnetz für mehr als 9600bps nicht ausgelegt sei.
Daher war das auch nicht hier zugelassen. Hab ich mir aus Kanada mitbringen lassen.

jetzt 100MBit über die selben Leitungen die mit zunehmendem Alter nicht besser werden.
Aber so langsam sollte nun wirklich Schluss sein.
 
Gegen Vectoring sein weil man die Telekom bzw die Marktsituation nicht mag, kann man verstehen. Aber man ist da schnell dabei.
Jemand, der seit 15 Jahren mit 1MBit rumkrebst oder generell unbenutzbar niedrige Bandbreiten hat, der ist froh über alles, was er kriegen kann, da ist es ihm egal, wie es ihm zur Verfügung gestellt wird, oder was da im Hintergrund aus Marktsicht passiert. Da ist der Leidensdruck oft sehr groß.
Von daher...

Natürlich wäre flächendeckend Glas zu bevorzugen.
 
Prinzipiell richtig, nur gibt es ein paar Probleme.

Zum Beispiel stellt der Bund / das Land (insb. den Kommunen) Geld zur Verfügung damit Infrastruktur auch da verbessert werden kann wo der Anreiz aus rein marktwirtschaftlicher Sicht noch zu gering ist, damit - in dem Fall Breitbandinternet - der Ausbau gleichförmig stattfinden kann.
Jetzt hat die Telekom aber Lobbyistisch großartig dafür gesorgt das die Kommunen sich nicht aussuchen dürfen wen sie engagieren, sondern sie müssen den billigsten nehmen der Breitband anbieten kann und damit sind bestenfalls 50Mbit gemeint, und jetzt kommt die Telekom um die Ecke mit ihren Vectoring und sind - oh wunder - billiger als wenn Glasfaser verlegt werden würde.

Ergebnis: Es werden etliche Millionen in Infrastrukturmaßnahmen gepumpt die die Telekom kriegt und statt das diie Gebiete nachhaltige Infrastruktur kriegen bekommen sie DSL, was aber in einigen Jahren schon wieder obsolet ist.
 
Hm, halt... geht aus der Zeichnung die im Beitrag nicht deutlich hervor das aller Datenverkehr über die Telekom gehen muß damit dieses Vectoring funktioniert und Drittkunden dann über die Telekom an ihren eigentlichen Anbieter vernetzt werden?

Das würde ich für sehr bedenklich halten, zumal das es statt an nur einer Endstelle an einer weiteren (der Telekom) krachen kann...
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #7
jetzt 100MBit über die selben Leitungen die mit zunehmendem Alter nicht besser werden.
Aber so langsam sollte nun wirklich Schluss sein.
Früher war man deutlich vorsichtiger, was das Schalten von Anschlüssen betraf und vor allem zu Bundespost-Zeiten waren teilweise nur zugelassene Geräte erlaubt. Das Kupfernetz kann aber eigentlich viel mehr und das Alter spielt erstmal prinzipiell keine Rolle. Selbst über ein Papierkabel aus den 60er-Jahren kann man sehr gut Daten übertragen, wenn man weiß, wie es geht. In den 90er-Jahren war man nur noch technisch nicht soweit und Bandbreiten auf Modemniveau waren ausreichend.

Mal ganz abgesehen davon, über das identische Kabel wird nichtt eine so hohe Geschwindigkeit übertragen. Durch den Aufbau eines Outdoor-Standorts wird die Leitungslänge in den meisten Fällen deutlich reduziert, so dass eben diese Geschwindigkeit überhaupt möglich ist.

Anstatt weiterhin kurzfristige Übergangslösungen wie Vectoring zu unterstützen sollte lieber explizit auf die Zukunftstechnologie Glasfaser gesetzt werden.
Prinzipiell gebe ich Dir erstmal Recht. Eigentlich wäre es richtig, jetzt in eine moderne Infrastruktur zu investieren und zu jedem Haus Glasfaser zu bauen. Aber das gesetzte Ziel von 50MBit/s bis zum Jahr 2018 ist utopisch, wenn man es mit einer flächendeckenden Glasfaser-Infratstruktur erreichen will. Man hätte viel früher damit anfangen müssen, ein eben solches Netz zu bauen. Nur wurde das eben nicht getan bzw. gefördert. Der Ausbau der Kupfer-Infrastruktur ist aber erstmal ein Schritt in die richtige Richtung. Zukünftig liegt bei jedem Outdoor-Standort bereits ein ein Glasfaser-Kabel und dadurch in unmittelbarer Nähe zu den Häusern. Das kann man zukünftig für FTTH wiederverwenden.
 
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