[Politik und Gesellschaft] Schweiz: Zuwanderung wird neu geregelt

In der Schweiz wurde am heutigen Sonntag eine Volksabstimmung, eingebracht durch die national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP), knapp mit 50,3 Prozent entsprochen. Bei der Abstimmung ging es um eine Änderung der Zuwanderungsregeln. Die Bürger stimmten damit gegen eine zunehmende Einwanderung. In Zukunft soll diese wieder über Kontingente gesteuert werden. Die Regierung muss binnen drei Jahren die bilateralen Verträge mit der EU kündigen und über die Personenfreizügigkeit neu verhandeln. Das Ergebnis des Referendums hat aber auch Folgen für ganz Europa. Die Abschottung verletzt Verträge zwischen den Ländern. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso stellt sogar den privilegierten Zugang der Schweiz zum EU-Binnenmarkt in Frage.

Quelle:
 
Guter Link, das trifft es fast auf den Punkt:
Die Antwort hat mit dem Problem der Personenfreizügigkeit wenig zu tun: Barroso fürchtet – wie die meisten der Brüsseler Funktionäre – dass die Völker der EU von den Brüsseler Vorgaben abfallen könnten und das Modell der EU in Bereichen, in denen es offenkundig einen Dissens zwischen den Bürger den fernen Eliten gibt, in Frage stellen.

Die Verbissenheit, mit der Brüssel auf die freie Entscheidung der Schweizer reagiert, zeigt: Diese Leute glauben, dass eine Ideologie wichtiger ist als die Lebensumstände der Bürger in den europäischen Nationalstaaten.

In einer interessanten Reportage zeigte die SZ auf, dass das Hauptanliegen der Verfechter der bedingungslosen Freizügigkeit das Lohn-Dumping ist, welches etwa italienische Firmen im Tessin unverhohlen praktizieren.

Diese Ideologie ist kein europäisches Spezifikum: Wie The Daily Bell berichtet, planen die USA, Mexiko und Kanada eine Vereinbarung über Freizügigkeit – um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, die Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen.

Die Vehemenz, mit der Brüssel um seine Hoheit in der Frage der Personenfreizügigkeit kämpft, belegt: Von niemandem gewählte Funktionäre sind anfällig für Lobbyisten. Sie müssen sich nicht vor Wählern rechtfertigen. Sie sind ein Problem für die Demokratie, weil sie keiner Kontrolle durch die Bürger unterliegen.

Wenn die EU sich in diesem Bereich nicht schnellstens reformiert, läuft sie Gefahr, als Projekt zu scheitern.
 
Eher schwacher Beitrag, denn bei der Personenfreizügigkeit handelt es sich um eine der 4 Grundsäulen der EU und um kein Detail am Rande.

Entweder Fundament oder Säule, musst Dich halt mal entscheiden.

"Grundsäule" ist sprachlich und als Gedanke der GAU (größter anzunehmender Unsinn).

Vielleicht sollte man bei der Personenfreizügigkeit besser von einer Sollbruchstelle sprechen.

Bei einem Ausländeranteil von über 23 Prozent wie in der Schweiz wäre hier der Ofen wohl längst aus.

Dann hätten wir Rostock, Hoyerswerda und NSU aufeinmal. So tolerant und diszipliniert wie die Schweizer sind die Deutschen nämlich nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Ich wollte mich eigentlich auch raus halten, aber nun gut:

Die "Deutschen Wirtschafts Nachrichten" haben insgesamt eine recht - nennen wir es simple - Sicht auf politische Vorgänge. Lese dir mal die anderen Artikel auf der Seite durch, dann siehst du, was ich meine.

In diesem Fall wird da auch einiges aus dem Kontext gerissen oder schlichtweg falsch dargestellt. Auf Grunde der Struktur der europäischen Union können Verträge, die Handelshindernisse abbauen oder die Freizügigkeit betreffen, nur für die gesamte EU und nicht mit einzelne Mitgliedsstaaten geschlossen werden.
Das liegt daran, dass in Gestalt des europäischen Binnenmarkts freier Warenverkehr, Dienstleistungsfreiheit, freier Kapitalverkehr und nicht zuletzt Personenfreizügigkeit zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten herrschen.
Würde es nun beispielsweise möglich sein, dass Polen einen bilateralen Vertrag mit Weißrussland abschließt, der einen freien Warenverkehr zwischen den beiden Staaten vorsieht, dann hätten weißrussische Unternehmen, über den Umweg durch Polen, Zugang zum gesamten EU-Binnenmarkt. Und das ohne, dass ein Vertrag zwischen den anderen Mitgliedsländern und Weißrussland besteht.

Was Barroso nun gesagt hat war, dass die EU auf Einreisekontingente für EU-Bürger beispielsweise auch selbst mit Einriesenkontingenten für Schweizer antworten könnte. Und aus den bereits oben geschilderten Gründen (nur dass es sich jetzt um Personen und nicht mehr um Waren handelt), könnte kein Land von diesen Kontingenten ausgenommen werden.

Zur Diskussion insgesamt:

Ein elementarer Bestandteil der bilateralen Verträge ist der Zugang der Schweiz zum EU-Binnenmarkt. Und dieser besteht (man kann es nicht oft genug sagen) aus den vier Pfeilern freier Warenverkehr, Personenfreizügigkeit, Dienstleistungsfreiheit und freier Kapitalverkehr.
Und ich gehe fest davon aus (und hoffe auch), dass die EU den Zugang zum EU-Binnenmarkt nur als Ganzes verhandelt.
Deshalb verstehe ich es auch nicht, wieso von Schweizer Seite aus teilweise von Drohungen gesprochen wird, wenn zur Sprache kommt, dass mit einer Kündigung der Personenfreizügigkeit auch die anderen drei Freiheiten wegfallen. Es war schon immer klar, dass es diese Vor- (und je nach Perspektive auch Nachteile) nur als Gesamtpaket gibt.

Und ich selbst finde das auch gut so. Ich sehe mich als Kosmopolit oder zumindest als Europäer und daher ist es für mich großartig, dass ich in der EU einfach wohnen und arbeiten darf, wo ich will. Und wenn jetzt irgend ein Staat seinen Unternehmen ermöglichen möchte, ohne Einschränkungen Zutritt zu diesem riesigen Binnenmarkt zu bekommen, dann sollte er im Gegenzug auch den Bewohnern dieses Binnenmarktes erlauben, ohne Einschränkungen in diesem Staat zu leben und für diese Unternehmen zu arbeiten.
Die EU hat keine Kontingente auf Waren aus der Schweiz und erhebt auf schweizer Produkte auch keine Zölle oder Ähnliches, dann sollte die Schweiz im Gegenzug auch keine Kontingente für Zuwanderer festlegen.

Wenn die Schweiz nun aber entscheidet, dass die Nachteile der Zuwanderung die übrigen Vorteile überwiegen (man hört ja auch schlimme Geschichten aus Tessin), dann ist das in Ordnung. Zumal die EU solche Probleme wirklich aus den Augen verloren hat.
Ich frage mich nur, ob es nicht mildere Mittel gegeben hätte.
 
Bei einem Ausländeranteil von über 23 Prozent wie in der Schweiz wäre hier der Ofen wohl längst aus.

Dann hätten wir Rostock, Hoyerswerda und NSU aufeinmal. So tolerant und diszipliniert wie die Schweizer sind die Deutschen nämlich nicht.

und nochmal.
Die Quote sagt kaum was aus.
Auf die Art der Zuwanderung und auf deren Integration kommt es auch an.
 
Durch Wiederholung wird eine Falschmeldung nicht wahrer.

Integration produziert Konfliktpotential. Gut integrierte Ausländer sind für Jobs qualifiziert, die auch Einheimische begehren. Daraus erwachsen Konkurrenz und Ressentimens, wenn die Ausländer erfolgreich sind. Wenn unter Ärtzten und Professoren überproportional viele Ausländer sind, fangen die Einheimischen an, sich zurückgesetzt zu fühlen. Sie freunden sich eher mit dem ausländischen Bettler, Straßenmusikanten oder Imbissbudenbetreiber an als sich mit ausländischen Chefärzten abzufinden, weil letztere die Hackordnung umkehren. Die Ausländer sollen den Einheimischen keine Anweisungen erteilen, sondern nur welche von ihnen empfangen dürfen.
 
Das ist wahrscheinlich der Grund warum die Initiative angenommen wurde, jedoch keine Rechtfertigung dafür, dass die Schweiz alle Vorteile der EU geniessen darf, ohne selbst z.B. die Pforten für Ausländer zu öffnen ;)
 
Durch Wiederholung wird eine Falschmeldung nicht wahrer.
.

?
Das von dir? Soll das ein Witz sein? Spürst dus noch?
Du kommst hier ständig mit an den Haaren herbeigezogenen Vergleichen und dann sowas von dir?
Disqualified. Und das schon lange.
Dass gerade du hier zu dem Thema zurückkehren musstest war mir klar.
Sobald es um die Schweiz geht redest du immer gerne mit, oder?

.. Sie freunden sich eher mit dem ausländischen Bettler, Straßenmusikanten oder Imbissbudenbetreiber an als sich mit ausländischen Chefärzten abzufinden, weil letztere die Hackordnung umkehren. ...

reicht doch langsam.
Hör doch einfach auf deine verbitterte Lebenseinstellung auf die ganze Bevölkerung zu projizieren.
 
Das ist wahrscheinlich der Grund warum die Initiative angenommen wurde, jedoch keine Rechtfertigung dafür, dass die Schweiz alle Vorteile der EU geniessen darf, ohne selbst z.B. die Pforten für Ausländer zu öffnen ;)

Die Privilegien waren nicht Gegenstand des Volksentscheids. Möglich, dass den Wählern etwaige negative Konsequenzen seitens der EU egal gewesen sind. Der Regierung und den Industrieverbänden sind sie nicht egal gewesen. Aber die waren auch gegen die Kontingentierung. Das Problem ist, dass die Schweiz wegen des Instituts "Volksentscheid" gegenwärtig mit zwei Stimmen spricht.

Welche Konsequenzen die EU daraus zieht, ist natürlich ihre Sache. Aber ich hielte eine Eskalation für außerordentlich dumm und hoffe, dass die Einigung auf einen Kompromiss gefunden wird. Die EU lebt mit weit schwereren Verstößen von Mitgliedern gegen die Regeln, man denke an Ungarn.
 
bitte aber auch erwähnen, dass die 23% zum größten Teil hochqualifizierte Arbeitskräfte sind.
Das macht dann deine Aussage wieder zu billigster Propaganda.
Es war schöner als du weg warst.

Ich weiss zwar nicht was Du unter hochqualifiziert verstehst, ich verstehe da jede Form von höherer Berufsbildung. Dieser ist zwar mit ca. 1/3 hoch, aber sicher nicht "der höchste Teil", was wiederum Deine Aussage zur "billigen Propaganda" macht (Sry aber wenn man schon Leute anfährt, dann aber bitte richtig. Übrigens alles nachlesbar beim Bundesamt für Statistik.)
Aber geht ja auch gar nicht darum. Es ist doch völlig egal welchen Bildungsgrad ein Einwanderer hat. Wir benötigen die "Bauernknechte" genauso wie die "geistige Elite". Aber wurde alles schon oft genug erwähnt, muss nicht nochmals erörtert werden. [/klugscheiss]

In diesem Fall wird da auch einiges aus dem Kontext gerissen oder schlichtweg falsch dargestellt.
[...]
Deshalb verstehe ich es auch nicht, wieso von Schweizer Seite aus teilweise von Drohungen gesprochen wird, wenn zur Sprache kommt, dass mit einer Kündigung der Personenfreizügigkeit auch die anderen drei Freiheiten wegfallen. Es war schon immer klar, dass es diese Vor- (und je nach Perspektive auch Nachteile) nur als Gesamtpaket gibt.
Trifft auf so ziemlich das meiste zu was diese Woche durch die Medien ging (auf beiden Seiten). Ist ja auch die Ursache für den ganzen Tumult. Da hat unsere Bundesrat einfach schlecht gehandelt, eine ausführliche und objektive Stellungsnahme (vor allem für die ausländischen Medien/Regierungen/Öffentlichkeit) hätte da Wunder gewirkt...
Zum zweiten Teil: Wenn man die Korrespondenz der letzten zwei Wochen betrachtet implizieren einige Äusserungen durchaus eine Art von Drohung (Bezieht sich jetzt nicht nur auf die Bilateralen). Rein rational betrachtet kann man dies natürlich auch als die logische Konsequenz abtun ;).

Aber ja es bleibt spannend. Mal sehen ob es der EU gelingt ihr Gesicht zu wahren und ob die Schweiz bald zwischen Deutschland, Italien und Frankreich aufgeteilt wird :D.
 
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Heute in einem Picdump entdeckt, makaber, aber ich musste lachen.. :D:D
 
@Prey
Ich weiß nicht was daran jetzt so lustig sein soll? Vllt. war das Votum eine Niederlage für Weltoffenheit, aber sicher ein Sieg der direkten Demokratie. Das sollte man anerkennend respektieren. Solche Aktionen sind eher Zeichen für mangelndes Demokratieverständnis und einsetzende Verblödung.
 
Das war sicher kein Sieg der direkten Demokratie sondern das genaue Gegenteil.

Wenn Demokratie darin besteht, daß sich beliebige Gruppen zusammenfinden, um ein püopulistischen Thema abstimmen zu lassen, dann geht die Demokratie zgrunde.

Wenn schon Violksabstimmungen dann muß man alle relevanten gesellschaftsbestimmenden Themen abstimmen lassen.

Eine zufällige Auswahl: Energieversorgung; Rente, Atomendlager, Überfischung der Meere, Import von Soja zur Schweinefütterung, Mindestlohn, Importe von Sklavenprodukten

etc etc etc

Wenn schon diekte Demokratie, dann auch bitte die unangenehmen Themen. :T
 
@simpliziss
Wer bestimmt das? Warum sollten alle relevanten Themen gleichrangig, bei einer Entscheidung zu treffen sein? Leuchtet mir jedenfalls nicht ein.
 
Wenn schon Violksabstimmungen dann muß man alle relevanten gesellschaftsbestimmenden Themen abstimmen lassen.
Das tun die Schweizer doch. Jeder kann eine Volksinitiative anleiern. Bekommt sie genug Unterschriften, dann wird abgestimmt.
Das da gerne mit der Populismuskeule gearbeitet wird, ist jedoch leider Teil des Systems.
 
Das tun die Schweizer doch. Jeder kann eine Volksinitiative anleiern. Bekommt sie genug Unterschriften, dann wird abgestimmt.
Das da gerne mit der Populismuskeule gearbeitet wird, ist jedoch leider Teil des Systems.

Irgendwie hast Du (und TRON2) meinen Texte nicht verstanden. :D

Es geht nicht um die beliebten Themen oder die Themen, die gerade gehypt werden sondern es geht um alle gesellschaftlich relevanten und wichtigen Themen. Und dazu gehören eben auch Entscheidungen, die möglicherweise einer Mehrheit gut gefallen aber eine Minderheit ins soziale Abseits stellen.

Warum list das eigentlich keiner? :D

von mir schrieb:
Eine zufällige Auswahl: Energieversorgung; Rente, Atomendlager, Überfischung der Meere, Import von Soja zur Schweinefütterung, Mindestlohn, Importe von Sklavenprodukten.

Offensichtlich kann da jede Gruppe (Vorsicht Lobby) ihr Lieblingsthema zur Abstimmung bringen.

So soll also eine Gesellschaft organisiert werden?
 
Warum list das eigentlich keiner? :D
Was tut jemand, der mit dem Status Quo zufrieden ist? Er leiert keine Volksinitiative an.
Was tut jemand, der mit dem Status Quo nicht zufrieden ist? Er leiert eine Volksinitiative an und versucht eine Änderung herbei zu führen.
Wieso sollte über etwas abgestimmt werden, wo nicht einmal die notwendige Unterschriftenzahl zusammen kommt. Hier besteht doch nachweislich kein Änderungsbedarf.

So soll also eine Gesellschaft organisiert werden?
Die Schweizer fahren damit schon sehr lange sehr gut.
Ich persönlich halte das Volk in vielen Fällen für "zu blöde" um abzustimmen, aber wenn ich mir so manche Gesetze des Bundestages ansehe, dann wird mir klar, dass die Abgeordneten mitten aus dem blöden Volke kommen. Bleibt noch die Frage, ob nun Cholera, oder die Pest besser sind. ;)
 
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@simpliziss
Vllt. habe ich das in der Tat nicht.:unknown: Die Schweiz kennt direktdemokratische Instrumente auf allen politischen Ebenen. Nun, die waren doch für diese Entscheidung eher nicht relevant. In sachunmittelbaren demokratischen Entscheidungen kann man doch nicht einfach so alles mixen.
 
@TBow:

Na, das ist doch mal ein bedenkenswerter Ansatz.

Gesetze können Durch Volsabstimmungen gekippt werden. :p

Das macht Sinn; aber alles Andere (siehe Minarette) geht mehr in Richtung Volksbelustigung.

Steuersenkung wäre ein tolles Thema. Dann werden einfach keine Straßen mehr gebaut, weil wir sie nicht finanzieren können. Wieviele dürfen es sein; ein paar mehr oder weniger? :D

Mutti will ja qualifizierte Ausländer ins Land holen (ist zwar eine neue Form des Kolonialismus; aber was solls?)
 
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