Schweiz: Abschaffung der Wehrpflicht

Fluffy_Unicorn

Met-Brauer
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Hallo liebe NGB-User

Da ich in der Schweiz wohne und das Thema im Moment sehr aktuell ist, suche ich einmal ein paar Meinungen, auch von aussenstehenden.
Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, wird in der Schweiz am 22.September über die Abschaffung des obligatorischen Militärdienstes abgestimmt. Ich habe dann gemerkt, dass ich keine Ahnung habe wie es eigentlich in unseren Nachbarländern zu und her geht. Nur in Östereich gibt es auch die Wehrpflicht, wie wir sie kennen.

Da ich noch nicht in der Armee war, dies mir aber noch bevorsteht, betrachte ich das Thema folgendermassen:

Für mich ist die Wehrpflich ein altmodisches, kostenfressendes System. Überall wird gespaart, aber die vollkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Armee belaufen sich laut GSOA auf fast 10 Milliarden Franken ( ). Natürlich hat die Schweiz verhältnismässig genug Geld, aber dies könnte man in anderen Sektoren viel besser anlegen.

Ein weiteres, wichtiges Thema ist auch der Nutzen der Armee. Auf der einen Seite, z.B. bei natürlichen Katastrophen ist es natürlich schön und gut, wenn immer ein Trupp der Armee Einsatzbereit ist. Auf der anderen Seite aber können wir mit relativer Sicherheit behaupten, dass die Schweit militärisch nicht bedroht ist. Heute nicht, Morgen nicht und auch übermorgen nicht.

Hinzu kommt der enorme Zeitaufwand für die jungen Männer. 260 Tage, an denen man dem Staadt "dient". Dies ist für junge Menschen eine enorm lange Zeit, in der sie sich mit diversem anderen, sinnvollerem beschäftigen könnten.


Nun möchte ich euch alle einmal fragen, wie Ihr zu der Sache steht. Seht ihr in Deutschland Vor- und Nachteile in dem System ohne Wehrpflicht? Was denkt ihr zur Schweizer Situation?

Gruss,
Dave
 
Die Wehrpflicht ist in erster Linie eines: Eine systematische Benachteiligung männlicher Bürger. Während Frauen weiterhin arbeiten und Geld verdienen können müssen Männer für ein paar hundert Euro im Monat dämlichen Bullshit erledigen. Wenn man wenigstens eine militärische Ausbildung bekommen würde könnte man es zumindest noch als "Dienst am Vaterland" einordnen.
 
Die Abschaffung der Wehrpflicht muss ja nicht unbedingt bedeuten, dass das Budget für Armee abnehmen wird.
Eine Berufsarmee kostet auch Geld.

Die Truppenstärke sollte auf alle Fälle den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen.
In vielen Ländern wird ja immer vom Verteidigungsetat gesprochen. Die Armee soll also der Verteidigung dienen.
In Deutschland sollte das ähnlich sein, nur verteidigt man das Land nun eben am Hindukusch, weil man seinen Bündnispartnern treu sein möchte und weil man einen Platz im Weltsicherheitsrat der UNO anstrebt.
Von dem her schon mal Glückwunsch an die Schweiz, dass man es bisher geschafft hat einem Bündnis aus dem Weg zu gehen.

Meines Wissens wurde in Deutschland die Wehrpflicht nur ausgesetzt. D.h. man schaut jetzt mal wie sich das weiter entwickelt. Es kann aber wieder passieren, dass die Wehrpflicht wieder "aktiviert" wird.
Mit der Wehrpflicht in Deutschland war auch der Zivildienst verknüpft. Man konnte also "wählen", ob man zur Armee geht oder ob man im zivilen Bereich tätig sein wollte. Auch der Zivildienst wurde durch einen freiwilligen Dienst ersetzt.
Wenn vorher eine Dienststelle ziemlich sicher immer mit Zivildienstleistenden besetzt wurde, ist es heute eher so, dass diese Stellen nicht mehr besetzt werden können.

Aber insgesamt würde ich schon auch eine Abschaffung der Wehrpflcht befürworten.
Es ist genau wie du sagst: Für den Wehrpflichtigen ist es eine lange Zeit und meist auch verlorene Zeit.
Es mag Leute geben, die während der Dienstzeit auf den Geschmack gekommen sind.. aber dafür braucht man ja keine Wehrpflicht für alle.
 
Ich bin froh dass ich in Deutschland dort nichtmehr hin musste. Ich wäre zwar mit ziemlicher Sicherheit eh ausgemustert worden aber so find ichs noch besser.
Ich sehe keinen Grund darin Menschen einer millitärische Grundausbildung zu unterziehen die letztlich gar nicht zum Millitär wollen und gehen werden. Im Falle eines tatsächlichen Konfliktes hat man als Land auch keinen Vorteil von einem Haufen Bürgern die vor Jahren mal durch den Dreck gerobbt sind und ein paar Schüsse abgeben durften, warum also das ganze? Da steh man sich mit einem gut Trainierten Berufsheer noch um einiges besser, lieber in anständige Ausrüstung investieren als in Soldaten die nachher doch keine sind.

Insofern: Ja ich würds begrüßen wenn auch die Schweiz ihre Wehrpflicht abschaffen würde. Der Benachteiligung von Männern gegenüber Frauen mal ganz zu schweigen. :rolleyes:
 
Die Truppenstärke sollte auf alle Fälle den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen.
Das sollte für reine Verteidigungsarmeen in Zentraleuropa dann ja immer null sein :D
Und der Zivildienst war zum größten Teil auch nur eine sinnlose Ausbeutung junger Menschen zu Niedrigstlöhnen.
Ein verpflichtender Sozialdienst (also wirklich 'soziale' Sachen wie Hilfe bei der Behinderten- oder Altenbetreuung) für beide Geschlechter wäre einhe schöne Sache gewesen, den gab es aber leider nie. Das wäre m.E. wirklich "Dienst am Vaterland". Eine Wehrpflicht halte ich persönlich genau wie eine Berufsarmee für gefährlichen Schwachsinn.
 
Friedliches Zusammenleben!
Wer sagt, dass das international nicht geht, der hat es nur noch nicht ausprobiert ;)
 
Ich sage dass das nicht geht. Nicht wegen mir, sondern wegen einiger Menschen die anders denken als ich und meinen ihre Weltvorstellungen mit Waffengewalt durchsetzen zu müssen. Das ist einfach schon immer so gewesen und lässt sich auch nicht abstellen. Hätte keine Nation eine Armee würde sich sicherlich schnell eine Gruppe von Menschen finden die dies ausnutzen würden.
 
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  • #9
Die Kosten würden aber definitiv abnehmen. Diese Leute, die zur Berufsarmee gehen würden, wären motiviert und würden der Armee länger als 3-4 Jahre dienen. Die Ausbildungskosten wären für eine einzelne Person vielleicht höher, aber da die grösse der Armee nur einen Bruchteil betragen würde käme es trotzdem viel billiger.

Das allgemeine Problem bei der Abschaffung sind auch die Generationen. Die meisten jungen (bis 30) stimmen der Abschaffung zu, da sie das System auch so erleben. Die ältere Generation aber ist strikte dagegen, da die Armee für sie doch ein Aushängeschild ist und sie sich in der Vergangenheit auch einigermassen bewährt hat.

Zivildienst gibts in der Schweiz auch, dies ist auch eine angenehmere Alternative. Auch hier gibt es aber diese und die anderen Stellen, mit etwas Glück und Aufwand kommt man in eine super Stelle (für mich z.B. Auslandeinsatz, Jugendarbeit), wenn man aber zugeteilt wird kann man es auch sehr schlecht treffen, das stimmt schon.
 
Was glaubst du warum das bisher keiner versucht hat? Wie soll ich dir etwas beweisen von dem ich behaupte, dass es unmöglich ist. Da lassen sich Beispiele schwer finden.

Vergleichbares Beispiel Atomwaffen, seit deren Erfindung gibts da auch kein Zurück mehr. Fängt eine Partei an nutzt es die andere aus. Was meinst du würde China machen wenn der Rest der Welt auf sein Millitär verzcihten würde? Zusehen und seinen Millitärapparat abbauen? Halte ich für unwahrscheinlich.
 
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  • #12
Ich denke, es ist eine Tatsache, dass alles ausgenutzt wird, was nicht zu 100% abgesichert ist. Auch wenn es ein kleiner Teil der Bevölkerung betrifft, die man nicht ändern oder sensibilisieren kann, trifft es die ganze Gesellschaft.
Dies sieht man ja auch bei Fussballspielen und diversem, wenn die Sicherheit einmal nicht stimmt, ist ja schon die Hölle los.

Habt ihr denn das Gefühl, dass sich nicht genug freiwillige Leute für eine Armee finden würden? Wie ist das in Deutschland zum Beispiel?
 
@Fluffy_Unicorn: In Deutschland würden sich sicher nicht genug qualifizierte Freiwillige finden...

Ansonsten könnt ihr ja denken was ihr wollt, wahr wird es davon trotzdem nicht.
"Try or it didn't happen" :D
 
Gerade in den letzten Jahren hat man auch gesehen, dass gerade die Modernisierung der Waffen sehr viel Geld kostet.
Bestes Beispiel ist die Luftwaffe. Die Kampfflugzeuge die man in den 1990er Jahren gekauft hat, kann man heute verschrotten.
Da muss jetzt Hightech her, damit man wenigstens von sich behaupten kann, in einem Kampf mithalten zu können.

Und wenn man über die Modernisierung der Truppe spricht, dann geht das auch einher mit der Frage, ob man die Wehrpflicht abschaffen sollte.
Um die Hightech-Geräte bedienen und warten zu können, braucht man eine Ausbildung. Und die paar Monate in der Wehrpflicht sind viel zu kurz.
Du brauchst Leute, die sich zu mindestens 4 Jahren verpflichten. Auch die Ausbildung kostet viel Geld.

Wenn Politiker dem Wahlvolk erzählen, dass man die Wehrpflicht abschaffen möchte, weil die Truppenstärke nicht mehr benötigt ist, dann sicherlich auch immer vor dem Hintergrund, dass man bei modernen Waffensystemen eben Leute braucht die Hochspezialisiert sind und dann eben nicht um 17:30 Uhr Feierabend haben. Damit haben sie natürlich recht, man braucht keine 100 Leute, um eine Drohne zu bedienen.
Die Kosten bleiben dennoch. Das Geld geht dann nicht für den Wehrsold drauf, sondern für die neuen Waffen. Die Lobbyisten freuts.

@Freiwillige beim Bund:
So wie ich das gehört habe, können die Freiwilligen sogar den Wehrdienst abbrechen.
Und in Deutschland ist es wohl so, dass sie erstmal zu wenig Freiwillige finden und diese dann auch noch nach ein paar Wochen die Schnauze voll haben.
 
Vergesst nicht dass (fast ?) alle europäische Staaten NATO oder PfP-Mitglieder sind. Keine europäische Nation braucht ein eigenes Heer um sein Land zu verteidigen.
 
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  • #16
*Im Moment.

Kein Land würde das Heer abschaffen, "nur" weil sie NATO- oder PfP-Mitglieder sind. Natürlich haben wir sichere Zeiten, und ich glaube auch nicht daran, dass sich sobald etwas ändern wird. Trotzdem hat kein Land den nötigen Mut, die Armee abzuschaffen.
 
Ich weiß zwar selbst dass es ein dämlich Beispiel ist, aber der Vatikan hat defakto keine eigene Armee (die Hellebardenträger in Strumpfhosen nenne ich mal nicht "Soldaten") sondern wird im Ernstfall von Italien verteidigt. Einen Staatenkrieg zwischen zwei EU-Ländern halte ich für sehr unwahrscheinlich.
 


Mit den Jungs in "Strumpfhosen" würde ich mich glaub ich nicht anlegen wollen, nur mal so... auch wenns natürlich nur Wenige sind.

@topic: Die Frage nach der Wehrpflicht kann man so und so sehen. Ich für meinen Teil war gerne beim Bund und möchte die Zeit nicht missen, hatte allerdings auch ne super Einheit, was ja nicht jeder von sich behaupten kann. Primär seh ich in der Abschaffung aber ein Problem. Hat man bei einer Wehrpflicht tatsächlich eine relativ breite Durchmischung quer durch alle Gesellschafts-/Bildungsschichten in der Armee, so bekommt man bei einer freiwilligen Armee, eher den Bodensatz, der keine andere Chance sieht/hat. Gutes Beispiel sind unsere allseits geliebten Amis. Ob das so erstrebenswert ist, mag jeder für sich selbst beurteilen, ich finds nicht so prickelnd.
 
Ich verstehe das Argument nicht. Durch eine Wehrpflicht werden doch keine Akademiker und co. als Soldaten gewonnen. Die gehen da für 9 Monate hin und dann ist schluss. :unknown: Sowas kann man dann doch nicht als Soldat bezeichnen.
 

Nein, erstmal nicht, aber du hast erstmal einen Einblick bekommen, den du unter heutigen Umständen nie gehabt hättest. Selbst ich konnte mir mal, aufgrund meiner durchaus positiven Erfahrung, vorstellen beim Bund zu bleiben, was ich schlußendlich zwar nicht getan habe, aber egal. Meinst du ich war vor meiner Einberufung übermäßig begeistert davon? Ganz sich nicht, wie wohl kaum jemand.
 
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