[Politik und Gesellschaft] Panic Button: App von Amnesty International soll Aktivisten schützen

Panic Button (Logo) - Panic Button (Logo)
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) stellte am gestrigen Montag ihre quelloffene Android-App "Panic Button" vor. Mit dieser sollen Aktivisten "im Fall von Angriffen, Entführungen oder Folter rasch Hilfe seitens ihrer eigenen Netzwerke anfordern können", .

Die bislang in vier Sprachen verfügbare Anwendung, , wurde von Amnesty International in Zusammenarbeit mit dem "Information Innovation Lab" (iilab), AktivistInnen, Computerfachleuten und Freiwilligen aus aller Welt entwickelt. .

Mit Hilfe des Panic Button sollen Aktivisten, wenn sie in eine Notlage geraten, schnell und diskret einen Alarm auslösen können. Dadurch werden zuvor festgelegte Kontakte - etwa andere Aktivisten oder aber Vertraute des Nutzers - über die Gefahr informiert und können helfen.

"Das Ziel des Panic Buttons ist ein besserer Schutz für AktivistInnen in aller Welt, die sich in ständiger Gefahr befinden, festgenommen, angegriffen, entführt oder gefoltert zu werden", so Tanya O'Carroll, verantwortlich für den Bereich Technologie und Menschenrechte bei Amnesty International. Sozialer Druck, so AI, habe schon häufig festgenommene Aktivisten vor schlimmerem bewahrt. Durch die neue App soll diese Form der Hilfe schneller und mit den Methoden des 21. Jahrhunderts geleistet werden können.

Die App wurde vor ihrer Veröffentlichung drei Monate lang im Rahmen einer geschlossenen Beta von Freiwilligen in 17 Ländern getestet. Nun befindet sie sich im Stadium einer offenen Beta, das heißt, sie kann von jedem Interessierten genutzt werden, es gibt aber noch einige bekannte Bugs. Die ersten Eindrücke der Tester sind positiv: Während der Testphase berichteten AktivistInnen und JournalistInnen, dass die App zu einer positiven Veränderung beitragen kann, indem sie die alltägliche Gefahr ihrer Arbeit mindert.

"Es kann einem wirklich Angst machen herauszufinden, dass ein Aktivist sich monatelang in Haft befindet, ohne dass irgendjemand etwas vom ihm hört oder sich für seine Freilassung einsetzt. Wir hoffen, dass die "Panic Button"-App dafür sorgt, dass zukünftige Fälle rechtswidriger Inhaftierungen im Sudan nicht unentdeckt bleiben, und wir stattdessen mehr Menschen helfen können, indem wir andere mobilisieren", so Ibrahim Alsafi, ein Menschenrechtsaktivist im Sudan, der am Testen der App beteiligt war. "Dies ist eine wichtige Anwendung für AktivistInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen, Studierende und RechtsanwältInnen. Jede Person, die bei ihrer Arbeit Gefahr ausgesetzt sein könnte, braucht auf ihrem Handy den Panic Button."
 
Finde ich eine gute Idee. Aber ob dann dem Opfer auch schnell geholfen werden kann bzw. das Handy immer in Reichweite ist bei Entführung, Folter etc? :unknown:
 
Nun ja, sehe ich in einer Zeit, wo Journalisten sogar zu mehreren Jahren Haft verknackt werden, irgendwie fraglich in wie weit so eine App jemanden juckt. Außerdem würde es in meinem Folterkeller schon mal keinen Empfang bzw. ein Störsignal geben. Und ob ich denen einen WLAN Zugang geben würde... ich weiß ja nicht.
 
Naja 5 Freie Sekunden bei einer Entführung oder Verhaftung reichen schon um auf den Knopf zu drücken würde ich mal meinen ... Selbst wen es ein leben rettet hatt es sich wohl gelohnt ;)
 
Finde die Idee an sich auch nicht schlecht, bezweifel aber ebenfalls die praktische Relevanz.
Als ob es zB Putins Schlägertrupps kratzen würde, dass irgend so ein Heino auf seinem Smartphone den Panic Button drückt während er "in Gewahrsam" genommen wird.
Wenn da jemand auftaucht, um sich zu erkundigen was los ist, dann wird der höchstens direkt mit einkassiert.
 
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  • #6
Bei einer Person ja. Bei Tausenden, die dann informiert werden und sich anschließen, eher nicht. Amnesty International hat ja mit seinen Brief- und Sonstwas-Kampagnen durchaus schon öfter Erfolg gehabt.
 
es ist eine chance. nicht mehr, aber auch nicht weniger. auch putins oder sonst jemandes bluthunde werden zurückgepfiffen, wenn eine national oder international renommierte organisation sich einmischt. es muß nur rechtzeitig geschehen, und die wahrscheinlichkeit erhöht sich mit dieser notruf-funktion.
pesönlich auftauchen muß niemand, heute läuft sowas über e-mail, twitter, usw.
 
Bei Entführung oder Folter einen Panikbutton? Jemand der Entführt oder foltert wird sich ohne Gewalt wohl kaum aufhalten lassen. Finde ich recht fraglich was das für einen Nutzen haben soll wenn man nicht direkt bewaffnete Kräfte anfordern kann. Davon abgesehen, dass man bei einer Entführung wohl kaum die Zeit hat sein Smartphone aus der Tasche zu holen, wobei ich da mit dem genauen Ablauf wohl auch nicht vertraut bin.
 
da war vor wenigen tagen erst ein report in der taz über eine reporterin bei der WM in brasilien, die gefangengenommen wurde von einem einzelnen polizisten, den sie bei einer gewalttat filmte. der cop war kein 'vorbereiteter' gewalttäter, sondern hat einfach einen kurzschluß, als er sie gekidnapped hat. es läuft nicht immer professionell, und in genau solchen situationen hilft die app.
 
putin :)

ernsthaft, das ist doch egal. die firmenanwälte, anmesty, der drogenboss von nebenan. irgenwer, der dich raushaut, bevor du in irgendeinem loch verschwindest.
 
Hätte eben ein solch uninformierter Täter, der ja quasi im Affekt handelt, gar nicht den Weitblick zu kapieren das hier irgendwelche Social-Media-Dienste kontaktiert werden? Sowas hilft doch nur bei politisch sensiblen Regierungen oder so. Sieht man ja an Russland momentan. Als ob das die juckt wenn jeder weiß das hier und da unschuldige einsitzen. Nicht mal die Regierungen des Westens trauen sich doch diesem gewissen Establishment einhalt zu gebieten. In diversen stran gläubigen Ländern werden andauernd noch Frauen gesteinigt, Menschen zum Tode verurteilt weil sie andersgläubig sind. In Afrika verschwinden auch mal 200 Kinder und Frauen... Die Idee finde ich lobenswert. Systeme die aber wirklich auf freien Journalismuss schei**en, denen geht doch auch sowas direkt am Allerwertesten vorbei. Befürchte ich. Die Schuld abstreiten kann man ja noch immer wenn mal wieder jemand verschwunden ist.
 
Dass die App besser ist als nichts sehe ich auch so. Zumindest gibts ein Gefühl der Sicherheit, was nicht unterschätzt werden sollte.

Aber was interessiert es den Drogenboss von nebenan wenn da ein Reporter ausgeknipst wird? Ist dem doch mal höchst warscheinlich schnuppe. Und Anwälte bringen einem in so einer Situation auch nicht wirklich was weiter. Ist ja selten, dass der Täter bekannt ist und überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden könnte.

Gute Absichten sind da. Aber die Effizienz würde ich doch anzweifeln wenn man nicht ne direkte Leitung zum privaten Sicherheitsunternehmen hat.
 
ja und? probieren geht über studieren, oder sieht hier jemand gravierende nachteile durch die existenz/ nutzung dieser app :unknown:
 
Sicherlich nicht. Aber die Sinnhaftigkeit kann man ja dennoch anzweifeln. Nur weil etwas keine Nachteile hat muss es ja nicht toll sein.
 
oder sieht hier jemand gravierende nachteile durch die existenz/ nutzung dieser app :unknown:
Nun ja, könnte dazu führen jemandem nach dem Foltern ganz verschwinden zu lassen. Damit es keine Beweise mehr gibt und man das alles schön abstreiten kann. Stelle mir es halt irgendwie schwierig vor in einem Land, wo ich froh sein kann überhaupt mal mit einem normalen Handy gescheiten Empfang zu haben, geschweige denn Internet, bei einem Überfall (man wird ja nicht freundlich gebeten jetzt mit zu kommen) das Smartphone zu zücken und ne App zu starten.

Jeder der schon mal bedroht wurde weiß das man in so einer Situation an andere Sachen denkt. Wenn das mit scharfen Waffen geschieht, man dazu noch ordentlich auf die Schnauze bekommt, wird man mehr damit beschäftigt sein sich nicht selber einzukoten. Außerdem werden die denen ja als erstes die Handys weg nehmen.

Sowas passiert ja auch nicht in der Hotellobby mit perfekten Empfang sondern irgendwo im Hinterland, in der Wüste oder sonst wo am Arsch der Welt.

Ich hab ja hier in der Großstadt ab und an schon keinen Empfang wenn ich wo ungünstig bin :rolleyes:
 
Da haben doch höchstens nur Zeugen des Geschehens die Möglichkeit den Button noch zu drücken. Selbst wird man nicht dazu kommen...ich sehe den Sinn da nicht so wirklich
 
wenn du ein aktivist, gewerkschafter, reporter, irgendwas bist und gefoltert wurdest, verschwindest du wahrscheinlich sowieso. diese app hilft dir vorher, dafür wurde sie konzipiert. und ich denke deine gewalterfahrungen sind, genau wie meine, von anderer qualität.

&: meine fresse nochmal, ist hier wirklich niemand willens oder in der lage sich in die situation in anderen ländern, außerhalb unseres europäischen wohlstands- uns sicherheitsringes hineinzuversetzen?
 
Sinn des ganzen soll sein, das Kontaktpersonen von Aktivisten, Journalisten und Co. schnell Bescheid wissen und reagieren können.

Was wäre, wenn Pussy Riot damals still und heimlich eingesackt worden wäre und keiner hätte es bemerkt?

Dann gäbe es keinen Aufschrei, keine globale Solidarisierung und die wären immer noch im Arbeitslager.

In Regionen wo der Panic Button gebraucht wird, gibt es selten Polizei und die Infrastruktur sowie die Gesamtsitaution lässt sich wohl als chaotisch beschreiben.
Wenn dir da was passiert kann es Tage oder Wochen dauern bis jemand merkt das du nimmer da bist, durch den Button kannst du wenigstens auf dich aufmerksam machen bevor du verschleppt wirst.
Das gibt deinen Kontaktpersonen die Chance Augenzeuge zu werden oder zumindest welche zu befragen und damit direkt an die Öffentlichkeit/Behörden zu gehen.

Für die Reporter in Syrien, die Aktivisten in der Ukraine, China bzw. Tibet oder wenn es so weitergeht bald für Homosexuelle in Russland macht die App sicher Sinn.
 
&: meine fresse nochmal, ist hier wirklich niemand willens oder in der lage sich in die situation in anderen ländern, außerhalb unseres europäischen wohlstands- uns sicherheitsringes hineinzuversetzen?
Genau darum ja meine Bedenken. Jemand dem 5 maskierte Freaks ihre AK's ins Gesicht halten, oder jemandem der gerade vom russischen Schlägertrupp aufgemischt wurde, muss erst mal noch so geistesgegenwärtig sein um ne App zu öffnen. Nicht mal hier, wenn du mal Stress hast, eine harmlose Schlägerei oder einen Autounfall, bist du geistesgegenwärtig komplexe Dinge zu entscheiden. Sprich Handy (heimlich) zücken, entsperren und per App irgendwas melden.

Ich hoffe mal das dem nicht so ist und ich mir das alles nur schlimmer vorstelle wie es wirklich sein mag. Traurig genug das man die Pressefreiheit heute mit den Füßen tritt und so eine App benötigt.
 
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