Wer bei gesellschaftlichen Prozessen was bewirkt hat, ist keineswegs so klar. Geschichte ist nicht das Werk großer Männer.
Mandela hatte das Glück, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu wollen. Den Rassismus hat nicht Mandela abgeschafft, der Rassismus war einfach von der Geschichte überholt, er war ein Auslaufmodell geworden. Und dann hatte Mandela außerdem das Glück, so alt zu werden, dass er seinen Erfolg noch erleben konnte. Das ist weniger sein Verdienst als das Verdienst seiner langlebigen Natur.
Erstaunlicher finde ich an Mandela, dass er trotz seines Erfolges nicht verrückt geworden ist. Die Heiligenverehrung, mit der ihm andere begegnen, war ihm fremd, er sah sich selbst als ganz normalen Menschen mit vielen Fehlern, Schwächen, Irrtümern etc.
Und deshalb hat er auch nicht diese pompöse Trauerfeier mit 90 Staatsoberhäuptern verdient, die weniger an Mandela als an den dahingegangenen Stalin oder die nordkoreanischen Mahthaber erinnert.