Du weißt doch nichts über die Erziehung, oder die Sozialisierung. Wenn jemand Deutscher ist, sieht aber wegen seiner Eltern türkisch aus, reicht Dir das, um ihn unvoreingenommen und uneingeschränkt als Deutschen zu akzeptieren.
Oder kommt der bekannte Dialog ?:
A: Wo kommst Du her?
B: Deutschland
C: Nein. Ich meine, wo kommst Du wirklich her?
Ich habe das ja allgemein beschrieben, dass Menschen, die in anderen Kulturkreisen aufwachsen, z.B. die Kinder von Deutschen oder Iren, die in die USA ausgewandert sind, mehr, primär oder minder die Kultur der Eltern adaptieren, je nachdem in welchem konkreten Kontext sie aufwachsen.
Wenn jemand Deutscher ist, dann ist diese Person Deutscher. Ich persönlich mache die Erstabschätzung ob jemand Deutscher ist daran fest, ob die Person weitgehend Akzentfrei, also fließend, deutsch spricht. Das ist mir eine hinreichend gute Heuristik.
Ob dann jemand auch bzw. vornehmlich deutsch sozialisiert wurde, das ist oft nicht so gut schnell ersichtlich. Ich nehme hier jedoch auch die Sprache als Heuristik und vermute, dass jemand mit stärkerem Akzent eher noch eine andere kulturelle Prägung aufweist als jemand der akzentfrei Deutsch spricht. Auch das kommt nicht immer hin und ich kenne durchaus Gegenbeispiele, aber als erste Einschätzung taugt mir das, zumal das für mich keine wesentliche Frage ist.
Kannst du mir einen Tipp geben, wie man "C" politisch korrekt formuliert? Oder ist schon das reine Interesse an solchen Dingen nicht in Ordnung? In meiner Schule haben die Schüler mit Migrationshintergrund immer gefragt "Was für ein Landsmann bist du?", aber meinem letzten Dialog mit einem Menschen mit marokkanischen Wurzeln zufolge soll das wohl keine politisch korrekte Formulierung sein.
Ist es normal, daß Bewerbungen mit ausländischen Namen schnell in Ablage P verschwinden, abgesehen davon, daß derlei Diskriminierung verboten ist, oder fällt das unter die hier genannten Erfahrungswerte und ist, wenn nicht legal, dann aber legitim?
Ob das normal ist weiß ich nicht, jedenfalls ist es nicht so unüblich dass es irrelevant ist. Ich kann dir leider nicht sagen, wo die Grauzone zwischen Vorurteil, Diskriminierung, Rassismus, Meinung und Erfahrung endet. Menschen die rein nach Namen aussortieren scheinen mir jedenfalls ganz klar Vorurteile zu haben.
Hier war aber der Kulturkreis angegeben, weil die nachfolgenden Ereignisse hier in einen für den Leser verständlichen Kontext gesetzt werden, nämlich der sich langsam vergrößernde Auflauf an verwandten/bekannten Schaulustigen.
Ja, auch das würde ich in die Kategorie "ist kulturell bedingt" einordnen. Die Familie hat einen anderen (höheren) Stellenwert in arabisch-türkischen Kulturkreisen und eine größere Familie wird zuweilen eher noch zelebriert bzw. schlicht voraus gesetzt. In Jordanien gibt es den Begriff "girl friend / boy friend" z.B. so nicht so wirklich. Man ist verheiratet. Und man hat Kinder und wenn man keine Kinder hat (und über 18 Jahre ist), dann liegt das "natürlich" daran, dass man jetzt gerade noch nicht genug Geld hat für die 5 Kinder die man natürlich haben will. Wenn du von "girl friend" sprichst dann weiß der Jordanier vllt grob was du meinst und ich denke das ist grob so ähnlich wie wenn du in Deutschland sagst "Das ist Kathrin, meine Mätresse"