Linke Heuchler

sbr

Neu angemeldet
Registriert
29 Nov. 2013
Beiträge
42
Reinhard Mohr vertritt in einem in der heutigen Ausgabe der FAZ die These, dass es in Deutschland eine linke Mainstram-Gesellschaft gibt, die aus übertriebener Kritik an der westlichen Gesellschaft und einem zu großen Verständnis für undemokratische Systeme wie in China oder auch in Russland eine Gefahr für die westlichen Demokratien darstellt. Den Titel von diesem Thread habe ich im übrigen von seinem Beitrag übernommen.

Ausgehend von diesem Artikel würde ich gerne eine Diskussion darüber beginnen, in wie weit eine solche Haltung tatsächlich vorhanden ist und ob diese auch wirklich eine Gefahr darstellt.

Mir persönlich ist in den letzten Wochen sowohl in meinem Bekanntenkreis, als auch in diversen Foren aufgefallen, dass tatsächlich ein starkes Misstrauen gegenüber den westlichen Medien und Politiker besteht. Aussagen und Berichten von deren Seite werden grundsätzlich erst einmal in Frage gestellt und als falsch angesehen. Aussagen von dubiosen Blogs, Verschwörungstheorien und Nachrichtensendern in der Hand von totalitären Staaten wird hingegen mehr vertraut.
Ich würde also durchaus bejahen, dass eine solche Haltung in großen Teilen der Gesellschaft vorhanden ist. Ob diese Haltung auch eine Mehrheit darstellt, kann ich so aber nicht beurteilen.

Aber ist diese Haltung auch gefährlich (oder gar eine Gefahr für die Demokratie)?
Ich denke, dass es zumindest zu einer Gefahr werden kann.
Wer ein gewisses Verständnis für Putin zeigt und von dem Westen eine Abkehr von der Sanktionspolitik fordert, gleichzeitig aber durchaus anerkennt, dass hier mehr oder weniger Demokratie und Rechtsstaat herrschen, der ist sicher keine Gefahr für die Demokratie.
Aber diejenigen, die der Meinung sind, dass alle westliche Medien manipuliert werden, von einer großen Verschwörungstheorie ausgehen und jedem, der nicht ihre Kritik an der westlichen Gesellschaft als solche teilt, vorwerfen entweder Teil der Verschwörung oder zumindest durch diese beeinflusst zu sein, die sind meiner Meinung nach durchaus eine große Gefahr. Mit ihnen lässt sich nämlich nicht mehr diskutieren. Wer solche Argumente benutzt, der weigert sich seinen Gesprächspartner als solchen anzuerkennen und spricht gleichzeitig unserem demokratischen Staat seine Legitimität ab. Und eine solche Einstellung kann dazu führen, dass ein Sturz dieses gehassten Staates bejubelt wird und ein schlimmes Erwachen erst zu spät erfolgt.

Insgesamt komme ich also zu dem Ergebnis, dass Reinhard Mohrs Sorgen durchaus berechtigt sind. Fraglich ist nur, ob eine solche Einstellung tatsächlich von der Mehrheit in Deutschland geteilt wird oder ob man nur wieder diejenigen wahr nimmt, die am lautesten rufen.
 
Ich glaube es trifft genau das zu was du als letztes angesprochen hast. Wer sind die denn? Ganz genau, eine Minderheit. zumindest noch. Aber es stimmt schon das sich immer mehr latent Demokratie-Kritische Stimmen melden, hüsteln, leuter werden. In wie Weit man dem aber ängstlich gegenüber stehen sollte weiß ich nicht. Immerhin hat die letzte Wahl ja wieder vertraut konervative Parteilen bestätigt. Wobei man auch sehen muss das die Linke hier schon auch zulegt.

Alles in Allem halte ich es aber eher für einen Sturm im Wasserglas. Der Großteil bezieht seine Informationen immer noch aus den Zeitungen und der Tagesschau, nicht aus Blogs. Das man im Internet darüber wohl kritischere Meinungen hört bedingt das anthropische Prinzip :coffee:
 
Mir persönlich ist in den letzten Wochen sowohl in meinem Bekanntenkreis, als auch in diversen Foren aufgefallen, dass tatsächlich ein starkes Misstrauen gegenüber den westlichen Medien und Politiker besteht.
Misstrauen gegenüber "Stimmhuren", die Einstein widerlegen, indem sie schneller ihre Positionen wechseln, als es die Relativitätstheorie zulässt?
Is nicht wahr!
 
Sehe es ähnlich wie TBow.

Unsere westlichen Politiker haben in letzter Zeit nicht grade Vertrauen geschürt.

Die ganzen missgemanageden Skandale (NSA) und die vollkommen übertriebene Geheimhaltung (TTIP) haben mir gezeigt, das wenn es irgend geht die Politiker alles vertuschen.

Von wegen Verschwörungstheorien. Mag alles Blödsinn sein, aber hätte mir wer früher gesagt das die USA uns bis aufs kleinste Abhören hätte ich das auch als Paranoia abgetan.

Von daher: Ja ich vertraue unseren Politikern nichtmehr weiter als ich Spucken kann und werde solange keine der amtierenden Parteien mehr wählen, bis die ganzen Verdächtigen abgesägt sind und das verlorene Vertrauen wieder aufgebaut ist.
 
Ist es nicht ein essentieller Anteil einer Demokratie, dass man Dinge hinterfragen und kritisieren darf? Inwiefern also handelt es sich bei diesem 'linken Mainstream' um Verächter der Demokratie?

Ich finde seine Formulierungen teilweise ohnehin ein wenig zu sehr pauschalisierend, auch wenn ein paar interessante Ansätze dabei sind.
 
Was es definitiv massenweise gibt ist eine Verklärung der Welt außerhalb von Westeuropa/USA.
Was du beschreibst ist eine Ausprägung davon, wüsste aber nicht, dass das so breitflächig ist, gerade was das Thema Demokratie angeht.
Der Autor des Artikels verstrickt sich zu sehr in seiner eigenen Abneigung und trifft ein paar mal genau ins Schwarze, schreibt ein paar mal übers Ziel hinaus und ein paar mal ganz danebenliegend.
Letzteres trifft dann auch auf das Thema hier zu.

Persönlich habe ich das so kennengelernt, dass die intellektuellen Linken eher vor lauter Demokratiewahn (und natürlich allgemeiner politischer Korrektheit) sich selbst stilllegen.
 
Die Menschen, die der Autor beschreibt, die wird es wirklich geben und an kann sicher über ihre Haltung diskutieren.
Ob es aber seriös ist, wenn er in seinem Umfeld im Berliner Millieu von Seinesgleichen, also links sozialisierte Besserverdiener, Beobachtungen tätigt und daraus ein Stimmungsbild der Republik zu machen versucht, verneine ich kategorisch.
Ob dies einer linken Eigenart, sich zu wichtig zu nehmen, geschuldet ist, lasse ich mal offen.
 
allerdings widmet sich der autor ausführungsreich selbst der widerlegung seiner links-these: 'Was daran links sein soll, ist schwer zu sagen.' man muß den titel also anders verstehen. nicht die linken heucheln, sondern die gesellschaft heuchelt ein links-sein. sogar ganz rechtsaußen.

leider kann ich die gemachten beobachtungen und daraus gefolgerten schlüsse in dem artikel voll bestätigen. nicht nur die gehobene mittelklasse, auch die bildungsferneren, die durchschnittsverdiener und amtlich bezuschußten üben sich in pseudokritischer haltung, populismus und werteverkehrung.
 
Der Autor des Artikels verstrickt sich zu sehr in seiner eigenen Abneigung und trifft ein paar mal genau ins Schwarze, schreibt ein paar mal übers Ziel hinaus und ein paar mal ganz danebenliegend.
Letzteres trifft dann auch auf das Thema hier zu.
Das solltest du näher erläutern, sonst kann man mit deinem Beitrag nicht wirklich viel anfangen.
 
Detaildiskussionen die nicht direkt zum Thema sind möchte ich ungerne führen. Was jetzt genau von den Aussagen auf die beschriebenen Linken zutrifft oder nicht, oder auf manche, oder alle, oder wenige, oder nur ein bisschen, etc...
Mir wärs lieber wenn du meinen restlichen Beitrag zitierst und nach Erläuterung fragst :D
 
Ganz generell gibt es per Definition nur eine Gefahr für die Demokratie: Den Umsturz durch eine Minderheit mit Gewalt, weil diese Entscheidung des Regierungswechsels dann nicht durch die Mehrheit getroffen wird.

In der Demokratie hat die Mehrheit das Recht, die Demokratie abzuschaffen - in dem sie zB einen Kaiser oder sonstigen Anführer wählt.
Alles andere wird beschönigend "wehrhafte Demokratie" genannt, heißt aber eigentlich nur dass die bisherigen Regierungsparteien ihre Macht mit Gewalt verteidigen...

Und Trotzdem ist eine Änderung der politischen Landschaft durch solche Parteien völlig unrealistisch, es schaffen ja noch nicht mal vernünftige Oppositionsparteien die große Masse davon abzuhalten jene wiederzuwählen, die sie die letzte Amtsperiode nur verarscht haben...

Misstrauen gegenüber "Stimmhuren", die Einstein widerlegen, indem sie schneller ihre Positionen wechseln, als es die Relativitätstheorie zulässt?
Is nicht wahr!
Du meinst so wie Merkel?

"Wenn ihr (Merkel) alle gegenüber stehen dann dreht sie sich einfach um und sagt "die stehen hinter mir" "
- Volker Pispers
 
in wie weit eine solche Haltung tatsächlich vorhanden ist

Auf den drei Seiten wirft er meiner Meinung nach alle Kritiker/Weltveränderer/.. in einen Topf vermischt diesen und macht draus eine Haltung.

Transsexuelle, Gender-Mainstreaming und Putin-Versteher = eine Haltung? Das ist doch ein Wiederspruch in sich.
 
wer definiert denn, was "übertriebenes" misstrauen ist?

- politiker sprechen sich selbst eine erhöhung aus, die höher als das von denen bestimmte monatsgehalt ist, welches man zum leben in würde benötigt.
- andere länder spionieren ganz offen jeden einzelnen von uns aus und unsere gewählten politiker tun nichts.
- es werden waffen verkauft, die eindeutig zum töten von menschen benutzt werden.
- ein ecclestone kauft sich für 100 mio frei. laut irgendwelcher informationen ist er kein milliardär. gehen wir mal von 999 mio vermögen aus. also konnte er sich für 10% freikaufen. kann ein hartz4 empfänger sich für 40 euro freikaufen, also 10% seines einkommens, da er kein vermögen haben darf?

das sind nur ein paar beispiele, die bei mir zu misstrauen führen. welche davon sind übertrieben und welche nicht. und wenn ja, warum sind sie es?
 
wer definiert denn, was "übertriebenes" misstrauen ist?

[...]

das sind nur ein paar beispiele, die bei mir zu misstrauen führen. welche davon sind übertrieben und welche nicht. und wenn ja, warum sind sie es?

Es geht nicht darum, dass, in dem Fall, dein Misstrauen übertrieben oder unangebracht ist, sondern darum, dass bei viele Leuten aus diesem Misstrauen unserer Politik gegenüber ein blindes Vertrauen in die Politik z.B. Russlands oder Chinas entstanden ist nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Die Politiker im russischen Parlament arbeiten z.B. offiziell vielleicht nur für ein paar Kopeken im Jahr (reine Vaterlandsliebe, natürlich), wenn man dabei aber im Hinterkopf hat, dass da 10-12 Milliardäre dabei sind und die anderen wahrscheinlich auch die ein oder andere Million auf der hohen Kanten haben, würde es mir persönlich schwer fallen auf unsere gierigen Politiker zu schimpfen und im zweiten Atemzug dann Russland als vorbildlich abzufeiern. In China ist es ähnlich. Klar wird da auch mal einer medienwirksam wegen Korruption verurteilt und ggf. hingerichtet, dass sich die anderen im Politbüro aber weiterhin die Taschen vollmachen und dabei ganz fantastische Summen einstreichen, wird übersehen. Bei den Menschenrechten das Gleiche Bild: natürlich liegt hier einiges im Argen, aber wenn ich bspw. eine schwarze Transsexuelle jüdischen Glaubens wäre (oder auch ein unabhängiger Journalist) würde ich lieber in Amsterdam, London oder Berlin leben als in Moskau. Viele Leute messen da anscheinend aber mit zweierlei Maß und das finde ich schon bemerkenswert und diskussionswürdig.

Ich hatte vor ein paar Tagen schon im Ukraine-Thread geschrieben dass ich nicht glaube, dass die Welt besser wird, in dem wir jetzt Freibriefe für Annektierungen und andere kleine Gemeinheiten auststellen mit Verweis darauf, dass die z.B. Amerikaner ja immer noch viel grausamer und brutaler vorgagangen sind. Wenn die Vereinigten Staaten von Amerika nämlich der Maßstab sind, haben wir ein großes Problem und sollten wirklich noch mal unsere Prioritäten checken.

Noch kurz zu Bernie: Forbes schreibt was von , aber das wirklich nur zur Info.
 
- ein ecclestone kauft sich für 100 mio frei. laut irgendwelcher informationen ist er kein milliardär. gehen wir mal von 999 mio vermögen aus. also konnte er sich für 10% freikaufen. kann ein hartz4 empfänger sich für 40 euro freikaufen, also 10% seines einkommens, da er kein vermögen haben darf?
Die Antwortet lautet offenbar "ja":
Verfahrenseinstellungen gegen Auflage sind auch laut dem Wirtschaftsstrafverteidiger Franz Bielefeld nichts Besonderes: Dies sei nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung üblich, etliche Normalbürger kämen ebenfalls in den Genuss der Regelung.


Ich hatte vor ein paar Tagen schon im Ukraine-Thread geschrieben dass ich nicht glaube, dass die Welt besser wird, in dem wir jetzt Freibriefe für Annektierungen und andere kleine Gemeinheiten auststellen mit Verweis darauf, dass die z.B. Amerikaner ja immer noch viel grausamer und brutaler vorgagangen sind.
Das stimmt, das Problem ist, dass uns hier vermittelt wird: Wir hier haben Pressevielfalt und soliden politischen Journalismus und überhaupt sind wir die guten. Es gab dann immer mal Skandale, aber eine fundamental neue Perspektive scheint sich mir persönlich in letzter Zeit abzuzeichnen. Dann kriegen EU/NATO/USA vielleicht mal relativ viel negative Aufmerksamkeit einfach weil die Perspektive ist/war "Das sind die guten" und man das widerlegen möchte.
Ich habe aber keinesfalls den Eindruck, dass man China oder Russland feiert, ganz im Gegenteil, rein von den entsprechenden Threads habe ich aber das Gefühl, dass wird einem schnell mal angedichtet wenn man negativ über NATO/USA spricht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben