Legitimation für Streiks

Hier in Hamburg streiken die Fahrer der U-Bahnen oder was seit gestern 02:00 bis ca. Montag 04:00 so wie ich das verstanden habe. Das finde ich eigentlich ganz gut. So trifft es keine oder kaum Berufspendler und trotzdem merken die Leute was. Immerhin fahren freizeitlich am Wochenende ja doch einige Leute mit dem ÖPNV.

Hab mal kurz geschaut, und die haben den Sonntag wohl bewußt genommen. Mit den Freezers, HSV und den Towers gab es gleich drei Großveranstaltungen am Sonntag. Wenn ich 60 Euro für son Ticket zahle und da zu spät ankomme, würde mich das persönlich mehr aufregen, als wenn ich entschuldigt zu spät zur Arbeit komme. :p
 
Was ist eigentlich mit Leuten, die eine Zeitkarte (Monats-/Jahreskarte) haben? Können die an solchen Tagen mit dem Taxi fahren und dem Verkehrsbetrieb die Rechnung schicken falls kein Ersatzverkehr gestellt wird?

Ist ja wie Schwarzfahren umgedreht...
 
"Höhere Gewalt" sind doch - wie der Name schon sagt - Naturkatastrophen und ähnliches.
Gerade im streikfaulen D kann man davon ausgehen, dass ein Streik vom Unternehmer selbst verschuldet ist.

Und wenn meine Zeitkarte an diesem Tag gilt und ich nicht entschädigt werde ist das, wie wenn ich einen ganzen Tag lang schwarz fahre.
 
Was ist eigentlich mit Leuten, die eine Zeitkarte (Monats-/Jahreskarte) haben? Können die an solchen Tagen mit dem Taxi fahren und dem Verkehrsbetrieb die Rechnung schicken falls kein Ersatzverkehr gestellt wird?
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nope. 1,50 € (NV) pro Verspätung > 60m und nur bis 25% des Kartenwertes.

Ein Streik ist höhere Gewalt und damit hast du kein Anrecht auf Entschädigung.

nope. Seit letztem Jahr nicht mehr. (EuGH)
 
Was ist eigentlich mit Leuten, die eine Zeitkarte (Monats-/Jahreskarte) haben?

schienenersatzverkehr, der nicht kurzfristig mit bussen ersetzt werden kann, läuft in hamburg eh über taxen, die dann die exakte route der stationen abfahren, wobei man ausschliesslich an den stationen ein- und aussteigen kann und das taxi auch keine andere route fahren darf.
 
höhere Gewalt kann alles sein, dass außerhalb der Handlungsmöglichkeiten eines Unternehmens liegt. Es kann also auch etwas wie ein Streik sein.

Dein Vergleich hinkt sehr. Schwarzfahren tut man in der Regel vorsätzlich, aber ein Unternehmen hat keine Wahl, ob es nun bestreikt wird.
 
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  • #48
Aber sicher hat ein Unternehmen Einfluss darauf ob es bestreikt wird. Und für den Fall dass, hat es Einfluss auf Ersatzverkehr.
 
höhere Gewalt kann alles sein, dass außerhalb der Handlungsmöglichkeiten eines Unternehmens liegt. Es kann also auch etwas wie ein Streik sein.
Streik ist normalerweise die letzte Stufe mindestens mehrtätiger Verhandlungen und die Gründe für all das liegen auch noch im Verantwortungsbereich des Unternehmens.

Und der Vorsatz kommt spätestens dann zu Tage wenn das Unternehmen den Ersatzverkehr verweigert. Ich sagte ja, es ist das Gegenteil von Schwarzfahren: Beim einen erschleicht man sich eine Leistung und bezahlt nicht dafür, beim anderen bezahlt man für eine Leistung die nicht erbracht wird. Vergleichbar ist es in der Auswirkung sehr wohl.
 
Achso ... also nehmen wir den Unternehmen ihre Tarifautonomie, weil wir ihnen die Schuld an Streiks geben? Das ist als würde man Schadenersatz von den Streikenden fordern. Wenn das Unternehmen in der Lage wären einen entsprechenden Ersatzverkehr einzurichten, würde auch niemand streiken.
 
höhere Gewalt kann alles sein, dass außerhalb der Handlungsmöglichkeiten eines Unternehmens liegt. Es kann also auch etwas wie ein Streik sein.
Ein Unternehmen hat allerdings Einfluss darauf, ob es bestreikt wird oder nicht. Zumindest bei legitimen Streiks. Alle anderen Streiks sind allerdings auch Kündigungsgrund für den Mitarbeiter.

Achso ... also nehmen wir den Unternehmen ihre Tarifautonomie, weil wir ihnen die Schuld an Streiks geben? Das ist als würde man Schadenersatz von den Streikenden fordern. Wenn das Unternehmen in der Lage wären einen entsprechenden Ersatzverkehr einzurichten, würde auch niemand streiken.
Das ist leider falsch. In der Regel haben die Unternehmen entsprechende Gelder, zumindest potentiell. Wenn man natürlich Managern die Boni hinterher wirft oder (Finanz)Holdings betreibt und Standorte bewusst zu enormen Lizenzgebühren verdonnert, um bloß in Deutschland Verluste zu machen und nicht in die Steuerkassen zahlen zu müssen, dann ist natürlich unterm Strich kein Geld mehr für die Mitarbeiter übrig. Potentiell hätte man, würde man das wollen, allerdings durchaus die Mittel seine Mitarbeiter fairer zu bezahlen.
 
Was ihr sagen wollt ist, dass ein Unternehmen entweder den Forderungen immer zustimmen, oder seine Insolvenz riskieren muss. Die Konsequenz daraus wäre, dass niemand mehr Streiken würde und dass Unternehmen praktisch kein Verhandlungsrecht mehr hätten. Man will nach einem Streik nicht arbeitslos sein, weil das eigene Unternehmen an den Schadenersatzforderungen pleite geht. Eure Forderung richtet sich gegen die Arbeitnehmer, genauso wie gegen die Unternehmen.
Das Rückgrad der deutschen Wirtschaft ist sowieso der Mittelstand und für mittelständische Unternehmen liegt das Geld nicht auf dem Gehweg. Selbst wenn es das Täte, womit wollt ihr es rechtfertigen, das Unternehmen erpressbar werden sollen? Das können sich dann in der Tat nur noch die großen Unternehmen leisten.

Davon abgesehen sollen Streiks kein Mittel sein, Forderungen fern ab der marktwirtschaftlichen Realität zu fordern. Wenn ein Arbeit schlecht bezahlt ist, liegt das oft nicht an der Gier der Arbeitgeber, sondern an der Natur des Berufs.
 
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  • #53
Was du schilderst ist doch mehr oder minder der ist-Zustand. Und wie oft wird schon ein mittelständiges Unternehmen bestreikt?
 
Im letzen Jahr wurden 1384 Betriebe bestreikt, auch wenn das eine ganz schöne Spitze ist: So viele Großunternehmen haben wir gar nicht. Tarifverhandlungen werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden geführt. Von einem Streik sind also oft nicht nur einzelne Unternehmen betroffen, wie z. B. gerade bei der Bahn. Du ließt natürlich nicht immer von allem in der Zeitung, aber oft ließt man z. B. davon, dass Zulieferer von Automobilkonzernen bestreikt werden.

Das Institut für Mittelstandsforschung definiert mittlere Unternehmen übrigens wie folgt: 10 bis 500 Mitarbeiter und weniger als 50 Mio. € Jahresumsatz.
 
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