[Politik und Gesellschaft] Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern (UPDATE)

Die erfolgreiche Aushandlung eines Geheimdienstabkommen zwischen Deutschland und den USA wird immer unwahrscheinlicher. Grund dafür ist nach Aussage deutscher Offizieller die mangelnde Kompromissbereitschaft der USA. Das Abkommen sollte vor dem Hintergrund der NSA-Affäre für ein Mindestmaß an Regeln bei der Geheimdienstarbeit sorgen.

, hat die Bundesregierung mittlerweile "kaum noch Hoffnungen auf eine substanzielle Vereinbarung". Die USA, so ein anonymer deutscher Verhandlungsteilnehmer, seien zu keinerlei Zugeständnissen bereit und verweigerten sogar die Zusage, künftig keine deutschen Regierungsmitglieder und politischen Amtsträger mehr abzuhören. Auch seien sie nicht bereit, Informationen übervergangene Operationen - etwa das Abhören des Mobiltelefons von Bundeskanzlerin Angela Merkel - herauszugeben. Forderungen des Verfassungsschutzes, deutschen Experten Zutritt zu einer vermuteten Abhörstation von US-Geheimdiensten im Obergeschoss der Botschaft am Pariser Platz in Berlin zu gewähren, lehnten die USA demnach ebenfalls ab.

Von Anfang an hatte die die deutschen Hoffnungen auf ein weitreichendes No-Spy-Abkommen bereits gedämpft. Vertreter der Regierung von Präsident Barack Obama ließen durchblicken, dass die US-Geheimdienste ein gegenseitiges Überwachungsverbot nicht ernsthaft in Erwägung zögen. Wie Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice im vergangenen Dezember andeutete, ist einer der Gründe für dieses Verhalten, dass die USA keinen Präzedenzfall schaffen wollen, der auch bei anderen Staaten entsprechende Wünsche und Begehrlichkeiten auslösen könnte.

Beim Bundesnachrichtendienst (BND), der mit den Verhandlungen beauftragt ist, herrsche große Enttäuschung. BND-Präsident Gerhard Schindler soll intern erklärt haben, bei diesem Stand lieber auf ein Abkommen zu verzichten, als es zu unterzeichnen. Nach einigen positiven Signalen der USA hatte sich Schindler nach eigenen Angaben Hoffnungen gemacht, dass es zu einer schnellen Einigung kommen könnte. Mit der US-Seite seien im August mündlich "Zusicherungen" verabredet worden, nach denen es "keine gegenseitige Spionage, keine wirtschaftsbezogene Ausspähung und keine Verletzung des jeweiligen nationalen Rechts" geben dürfe. "Die Amerikaner haben uns belogen", zitierte die Zeitung einen ranghohen deutschen Beamten.

Die Bundesregierung kommentierte die Vorgänge bislang nicht offiziell. Sie teilte lediglich mit, dass nach wie vor vertrauliche Gespräche zum Thema stattfinden.

Update:

zufolge dementierte Bundeskanzlerin Angela Merkel am gestrigen Dienstag die Berichte, denen zufolge das "No-Spy"-Abkommen vor dem Scheitern stehe. Die Bundesregierung bemühe sich nach wie vor um eine Einigung in der kontroversen Frage, so Merkel. Bundesinnenminister de Maizière ließ verlauten, die Verhandlungen würden fortgesetzt. Konkret kommentieren wollte de Maizière die Behauptung, die Verhandlungen stünden aufgrund mangelnden Entgegenkommens der USA vor dem Scheitern, aber nicht.

Einige Regierungsangehörige erwägen derweil wirtschaftliche Sanktionen für die USA, sollte das Abkommen scheitern.
 
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Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

Wenn sich die Entsprechenden Personen einfach mal etwas mehr mit der Materie Beschäftigen würden, anstelle das Pöse Internet einfach mal Generell zu aufs Schärfste zu Verurteilen,
könnte man auch entsprechende Ressourcen Fördern und sich somit bei Firmen in ein Besseres Licht rücken.
 
Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

Immerhin sind sie ehrlich genug, dass sie das Abkommen nicht unterschreiben und dann einfach weitermachen, wie bisher.
Im Grunde bin ich sogar ein bisschen froh darüber, jetzt ist die deutsche Regierung in Zugzwang.
Der Bevölkerung kann man nicht einfach sagen, "jetzt haben wir ja ein tolles Abkommen und alles ist gut" und wieder die Augen vor dem offensichtlichen verschließen und sich mit der USA auseinander zu setzen, wird sicherlich auch nicht gerade einfach.

@TBow: Es geht doch nicht darum das deutsche Volk vor den Spionageaktionen der USA zu schützen. So naiv kannst du doch nicht sein?! Den verantwortlichen Damen und Herren geht es um ihre eigenen Ärsche und um die Ärsche, die ihnen die schwarzen Koffer zuschieben. Dass man sich auch für die Interessen des einfachen Fußvolkes einsetzt, ist allenfalls Werbung oder notwendiges Übel, jedenfalls nicht das primäre Interesse der deutschen Regierung.
 
Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

War was anderes zu erwarten? Wieso sollte Amerika überhaupt was tun? Die lachen sich doch kaputt und machen einfach weiter. Wieso? Weil doch eh keiner was dagegen macht bzw. mal Amerika auflaufen lässt, dafür ist Merkel (und alle anderen Länder, auf die Amerika angewiesen ist (nicht nur andersrum!)) viel zu feige.
Das Unwort 2013 hätte eher "Spionage-Verleugnung" sein sollen :rolleyes:

Merkel würde auch Nordkoreas Herrscher die Hand schütteln, wenn es den Beziehungen hilft, und? Interessiert doch keine Sau, hauptsache die Gelder fließen weiter wie bisher.
 
Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

@TBow: Es geht doch nicht darum das deutsche Volk vor den Spionageaktionen der USA zu schützen. So naiv kannst du doch nicht sein?! Den verantwortlichen Damen und Herren geht es um ihre eigenen Ärsche und um die Ärsche, die ihnen die schwarzen Koffer zuschieben. Dass man sich auch für die Interessen des einfachen Fußvolkes einsetzt, ist allenfalls Werbung oder notwendiges Übel, jedenfalls nicht das primäre Interesse der deutschen Regierung.
Klar, Angie und ihre Vasallen sind schon Richtung 12 Finger Darm Obamas unterwegs.
Genau das ist eben das Problem. "Unsere" Regierung ist Teil des Problems und nicht die Lösung. Wir müssen uns selbst helfen.
Das einzig Positive, dass ich sehe, ist, dass Snowden uns aufgezeigt hat, wie kricherisch die Regierungen Europas auf die NSA Affäre reagieren.
 
Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

Jetzt wäre es doch an der Zeit das Frau Dr. Merkel den USA ihr vollstes Vertrauen ausspricht, oder?
 
Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

Irgendwelche Vorschläge, außer "richtig wählen"? Sag bitte nicht Revolution.
Jeder soll auf Teufel komm raus verschlüsseln, denn das verursacht bei den Spionen einen imensen Mehraufwand. Am besten sollten Verschlüsselungen in den Programmen "per default" aktiv sein. Open Source Nutzen, denn das erschwert den Einbau von Backdoors.
Anonyme Bezahldienste nutzen, damit die Transaktionen nicht lückenlos nachvollziehbar sind. Ausbau von Tor mit Spenden und know how der Nutzer zu einem schnellen und sicheren "Darknet".
Aufbau eines internetbasierten Telefoniedienstes, der weitestgehend verschlüsselt ist, damit man der GSM Kacke, entgeht. Der nachträgliche Einbau von hardwarebasierten Schreibschutzmechanismen wäre zB eine mögliche Marktlücke. Damit könnte man sogar ordentlich Kohle scheffeln. Ich persönlich hätte überhaupt kein Problem einen Hunderter mehr für meinen Computer zu zahlen, wenn ich damit der spionierenden Firmware der NSA den Stinkefinger zeigen kann.
Je verbreiteter diese Maßnahmen wären, desto schweiriger wäre es für diese Leute, alles und jeden zu überwachen.
Dabei habe ich noch gar nicht die US Unternehmen angesprochen, die man meiden kann. 30% Umsatzverlust beklagen die US Clouddienstleister bereits. Tuts den US Firmen in der Geldbörse weh, dann gibts von der Seite auch Druck.
 
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Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern

Irgendwelche Vorschläge, außer "richtig wählen"? Sag bitte nicht Revolution.

Richtig wählen, Revolution oder Dinge, die mit unserer demokratischen Ordnung nicht in Einklang stehen.. Viel mehr kann man wohl nicht machen.. Ist ja nicht so, als gäbe es wirklich viele Alternativen. Achso, klar, man kann den Kopf noch in den Sand stecken und hoffen, dass man einfach nichts mehr von all dem Unrecht hört und sieht. Wie 1815-1845, Biedermeier lässt grüßen..
 
Re: Geheimdienstabkommen mit den USA droht zu scheitern


Was wären das denn so für Dinge, die du meinst? Politiker lynchen? Die Diktatur des Proletariats? Hatten wir das Experiment nicht schon, 40 Jahre lang?
Ich warte auf konstruktive, umsetzbare Vorschläge, wie wir uns "selber helfen" sollen.
 
Update:

zufolge dementierte Bundeskanzlerin Angela Merkel am gestrigen Dienstag die Berichte, denen zufolge das "No-Spy"-Abkommen vor dem Scheitern stehe. Die Bundesregierung bemühe sich nach wie vor um eine Einigung in der kontroversen Frage, so Merkel. Bundesinnenminister de Maizière ließ verlauten, die Verhandlungen würden fortgesetzt.
Naja, die USA werden dem Hündchen großzügig einen abgenagten Knochen a la "Wir verzichten auf das Ausspähen eines männlichen Ministers, am 29 Februar von 2 Uhr Nachts bis 2 Uhr 15, wenn es in Berlin zu diesem Zeitpunkt mehr als 30°C hat" zuwerfen ,damit uns Angie einen Erfolg vermelden kann.
Deutschland obsiegt. :D
 
Unsere Geheimdienste sind viel zu sehr damit beschäftigt, Rechten beim Verprügeln von Ausländern zuzusehen und Linke zu Gewalttätern zu erziehen. Wo sollte dazwischen noch Zeit bleiben, die Aktivität ausländischer Geheimdienste erstens zu erkennen und zweitens zu verhindern, wenn sie gegen unsere Gesetze verstößt oder gegen unsere Interessen gerichtet ist. Wie schnell die Amerikaner wohl auf der Matte stehen und Sturm klingeln würden, wenn jegliche Kooperation der Geheimdienste eingestellt würde, hier und da ein "Botschaftsmitarbeiter" ausgewiesen würde, Baugenehmigungen für Spionagehauptquartiere zurückgezogen würden, ein paar Verträge gekündigt würden. Einfach machen, dann kommen die schon; und wenn wir dann schon so weit sind, Geheimdienstaktivität einzuschränken, können wir es gleich dabei belassen. Wozu noch ein No-Spy-Abkommen, wenn der eigene Geheimdienst dafür sorgt, dass auch so weder Bürger noch Politiker abgehört werden? In einem freien demokratischen Staat ist das die einzige legitime Aufgabe eines Geheimdienstes: Dafür sorgen, dass andere nicht geheim agieren können und die Geheimnisse unserer Bürger, Unternehmen und des Staates sicher sind. Dann muss nur noch der eigene Dienst kontrolliert werden.
 
In einem freien demokratischen Staat ist das die einzige legitime Aufgabe eines Geheimdienstes: Dafür sorgen, dass andere nicht geheim agieren können und die Geheimnisse unserer Bürger, Unternehmen und des Staates sicher sind.

Den Staat musst Du erst noch gründen.

Außerdem ist die Aufzählung widersinnig. Dein Idealstaat darf vor seinen Bürgern keine Geheimnisse haben. Also wenn Staatsgeheimnisse geschützt werden müssen, liegt schon was Undemokratisches vor.

Außerdem ist es lachhaft, vom Staat den Schutz der Geheimnisse seiner Bürger zu verlangen. Er selbst ist es doch, der ihnen den Bundestrojaner schickt, ihr Bankgeheimnis legal bricht und nunmehr die Vorratsdatenspiecherung einführen wird.

Ich fühle mich durch Vorratsdatenspiecherung und Preisgabe des Bankgeheimnisses mehr und konsequenzenreicher ausgespäht als durch die NSA.
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #33
Ich fühle mich durch Vorratsdatenspiecherung und Preisgabe des Bankgeheimnisses mehr und konsequenzenreicher ausgespäht als durch die NSA.

Du weißt aber schon, dass die Vorratsdatenspeicherung
a) in Deutschland derzeit gar nicht in Kraft ist
b) von der NSA auch praktiziert wird - nebst dutzenden anderen Maßnahmen
- oder?
 
Außerdem sollte man sich vor Augen führen, wenn man sich bei "unserer Regierung" auf eines verlassen kann, dann darauf, dass sie aus technischem Unverständnis und mangelnder Sachkenntnis heraus, keine moderne Überwachung auf die Reihe bekommt. Bei der USA sieht das leider ganz anders aus. Hat eben Vorteile, wenn man eine Bundeskanzlerin hat, für die Internet #Neuland ist.
 
Du weißt aber schon, dass die Vorratsdatenspeicherung
a) in Deutschland derzeit gar nicht in Kraft ist
b) von der NSA auch praktiziert wird - nebst dutzenden anderen Maßnahmen
- oder?

Das weiß ich alles.

Außerdem weiß ich, dass im Koalitionsvertrag die Einführung der Vorratsdatenspeicherung verbindlich vereinbart worden ist und sie derzeit nur wegen einem Verfahren vor dem EuGH auf Eis liegt.

Ferner weiß ich, dass die Zahl der Kontenabfragen von Behörden und Sozialbehörden bei den Banken exponentiell gestiegen ist.

Und schließlich weiß ich, dass die Sammelwut der NSA mir am Hintern vorbeigehen kann, weil an deren Daten weder Abmahnanwälte noch Sozial- oder Steuerbehörden kommen und auch keine deutscher Beamter, der mich belangen könnte, sie zu Gesicht bekommen wird.

Das ist bei der Vorratsdatenspeicherung, welche die Bundesregierung einführen wird, ganz anders.

Aber es geht hier wohl weniger um den Schutz der Privatsphäre, deren Kern das Bankgeheimnis gewesen ist, als darum, bisschen auf die nationale Tube zu drücken und Stimmung gegen die USA zu machen. Das jedenfalls ist mein Eindruck.
 
Außerdem sollte man sich vor Augen führen, wenn man sich bei "unserer Regierung" auf eines verlassen kann, dann darauf, dass sie aus technischem Unverständnis und mangelnder Sachkenntnis heraus, keine moderne Überwachung auf die Reihe bekommt.
Die Deutschen Geheimdienste haben viel mehr Dreck am Stecken, als die Öffentlichkeit weiß.
Ein Grund, wieso "unsere Regierung" schön die Klappe hält, wird wohl sein, dass sonst die Amis Infos über die Machenschaften der landeseigenen Dienste veröffentlichen wird.
 
Nero schrieb:
Aber es geht hier wohl weniger um den Schutz der Privatsphäre, deren Kern das Bankgeheimnis gewesen ist, als darum, bisschen auf die nationale Tube zu drücken und Stimmung gegen die USA zu machen. Das jedenfalls ist mein Eindruck.

Genau; alles nur Antiamerikanismus ....... :m :m
 
Schufa und Auskunftspflichten des Antragsteller bei Hartz IV tangieren die Privatsphäre der Bundesbürger weit stärker als die NSA.

Aber dies Thema hätte nur Informationswert, keinen Sensationswert.

Ein tüchtiger Schuss Fußballweltmeisterschaft sollte immer dabei sein, damit die Debatte läuft.
 
Genau; alles nur Antiamerikanismus ....... :m :m
Schon Friedrich meinte "Dieser Anti-Amerikanismus geht mir gewaltig auf den Senkel". Dann muss es wohl wahr sein.
Gut, dass das Pofi "Der Beender" Pofalla gleich beendet hat. :D

Aber der Wind hat sich nun gedreht. Sogar die CSU meinte vor kurzem, "Wer spioniert, der fliegt". Hm, oder hab ich das falsch in Erinnerung? ;)
 
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Ach was, viel Wind.

Auf der operativen Ebene sieht man das viel pragmatischer und kooperiert.

Wenn der Verfassungsschutz nicht abhören darf, muss ein befreundeter ausländischer Geheimdienst den Job für ihn machen.

Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit, eine Hand wäscht die andere.

Und wenn es rauskommt, will es keiner gewesen sein.

Das war schon immer so, schon zu Zeiten des legendären Hermann Höcherl.

Der formulierte, als ihm das Gestänker der Pharisäer auf den Keks ging, den legendären Satz, ein Innenminister könne nicht dauernd mit dem Grundgesetz unterm Arm herumlaufen.

Soviel erfrischende Ehrlichkeit findet man heute selten.
 
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