Die Türkei auf dem Weg zur Diktatur

@Seedy: Frag ich mich auch immer. Braucht kein Mensch die Ossis.
Das der Anteil linker Meinungen im Forum überdurchschnittlich hoch ist, ist nachvollziehbar und zu erwarten. Aber das wir jetzt schon in den anarchistischen Bereich kommen, erstaunt mich dann doch etwas:

die Neugliederung Deutschlands in verschiedene „Pogo-Zonen (Balkanisierung)“
 


Sach mal, was willst du von mir? Kannst du mich mal bitte in Ruhe lassen? Thema ist Türkei und nicht Ruby, Berlin oder "Ostdeutschland".
 
Die Türkei gehört sowohl geografisch als auch kulturell nicht zu Europa. Durch die überfällige politische Anpassung wird das Land in seiner Gesamtheit konsistenter und vermutlich auch stabiler.
Hm, zwei Dinge:

Stabil bedeutet nicht gut. Natürlich wäre es schön, wenn das Militär nicht dauernd putschen würde. Aber Libyen war unter Gaddafi auch stabil, wie der Irak unter Saddam. Das bedeutet nicht, dass die chaotischen Verhältnisse momentan gut sind, aber die beiden Regime waren es auch nicht.
Ich sehe das in der Türkei wie ein Pendel: Jahrelang schwang das politische Pendel in die laizistische Atatürk-Richtung. Dabei hat man es zum Teil übertrieben und viele Menschen vergrätzt. Mit Erdogan schwingt das Pendel zurück, und zwar heftig, dafür hoffentlich nur kurz. Es wird sich einpendeln, vlt. mehr in eine muslimische Richtung, vlt. mehr laizistisch, mal sehen. Auch in der Türkei gibt es eine Opposition, mit der sich Erdogan rumschlagen muss.

Zu Europa mag die Türkei kaum gehören, aber davon hängt eine EU-Mitgliedschaft nicht ab. Das liegt an den Kopenhagener Kriterien, wer die erfüllt, kann Mitglied werden. Davon ist die Türkei allerdings weit entfernt.
Außerdem basiert die EU ja auf Vielfalt. Engländer sind anders als Belgier, die nordischen Länder anders als die Osteuropäer, Berliner anders als Ostwestfalen. Sie eint, dass sie gemeinsam über die EU handeln. Da würde die Türkei nicht stören.
 
Stabil bedeutet nicht gut. Natürlich wäre es schön, wenn das Militär nicht dauernd putschen würde. Aber Libyen war unter Gaddafi auch stabil, wie der Irak unter Saddam. Das bedeutet nicht, dass die chaotischen Verhältnisse momentan gut sind, aber die beiden Regime waren es auch nicht.
Guter Punkt, den ich gern mal aufgreifen würde.

Ich hab da so eine Theorie:
Demokratie funktioniert in der islamischen Welt Nordafrikas und des Nahen Ostens nicht. Diese Länder sind stabil in einer Militärdiktatur, einer Monarchie oder einem islamischen Gottesstaat oder einer Kombination aus diesen. Dadurch gibt es logischerweise in der Bevölkerung immer Gruppen, die aufgrund ihrer Ethnie oder Religion unterdrückt werden. Dem überwiegenden Teil der Bevölkerung geht es allerdings relativ gut, siehe Libyen oder Irak.

Durch den Arabischen Frühling wurden einige dieser Systeme gestürzt. Und in keinem einzigen Land des Arabischen Frühlings hat sich die Gesamtsituation für die Bevölkerung verbessert. Selbst Tunesien als Musterbeispiel hat größere Probleme mit Islamisten.

Der Unterschied, den der Arabische Frühling ausmacht, ist die Situation für Ausländer. Für die ist es in jedem dieser Länder gefährlicher geworden.
 
Durch den Arabischen Frühling wurden einige dieser Systeme gestürzt. Und in keinem einzigen Land des Arabischen Frühlings hat sich die Gesamtsituation für die Bevölkerung verbessert. Selbst Tunesien als Musterbeispiel hat größere Probleme mit Islamisten.
Ja, das Machtvakuum wurde von diversen Warlords und Terrororganisationen gefüllt. Neben einigen demokratischeren Organisationen natürlich.

Zu deiner Theorie wäre eine Begründung interessant. Warum funktioniert die Demokratie in der islamischen Welt Nordafrikas und des Nahen Ostens so schlecht? Wegen der Religion und dem Konflikt Schiiten gegen Sunniten? Aufgrund der ständigen Eingriffe von USA und Russland? Wegen dem Israel-Palästina-Konflikt? Wegen der wirtschaftlichen Schwäche vieler Länder? Oder einem Mix aus allem zusammen?
 
Erdogan hat sowieso recht wenig Zuspruch. Wie ist das Referendum ausgegangen? 51 Prozent? Das ist weniger als die AKP bei der letzten Wahl geholt hat. Und das trotz der Einschüchterungen und Verhaftungen. Eine stabile Demokratur sieht anders aus.
 
Die 51 % haben doch aber ausgereicht.

Notfalls gibts dann wieder einen inszenierten Putsch, Attentatsversuch auf Erdogan oder was auch immer.

Momentan droht er allerdings wieder mal Deutschland.
 
Man kann eher sagen, im Notfall ziehst Du irgend etwas an den Haaren herbei. :rolleyes:
 


Ach ja...









Ist aber sicher genauso an den Haaren herbeigezogen wie die Massenverhaftungen, die Folterungen in den Gefängnissen und überhaupt.
 
Es dürfte sogar Dir klar sein, daß ich seine Angriffe nicht in Abrede gestellt haben, sondern mich auf den Satz davor bezogen habe. :rolleyes:
 


Bin keine Hellseherin.

Dass es aber nur Beispiele waren, ist dir schon klar, ja?

Aber jetzt um den G20 herum ist Erdogan erst mal beschäftigt.

Und ansonsten hat er ja noch die "Deutschland und Europa sind so furchtbar böse zur mir" Karte.
 
Vor allem das erste nicht. :p

Wie Trump auf Twitter, so bedient Erdogan seine Anhänger über die Presse. Über andere Kanäle steht er dann aber in Berlin als Bittsteller. Diplomatie findet nicht in den Blätterwäldern statt.
 
Wenn er das nicht wüßte, wäre er nicht in Hamburg.
 
Zu deiner Theorie wäre eine Begründung interessant. Warum funktioniert die Demokratie in der islamischen Welt Nordafrikas und des Nahen Ostens so schlecht?
Ich könnte jetzt Vorurteile und Klischees anbringen und auf die Herkunft unserer abrahamitischen Religionen anspielen.

Aber belassen wir es lieber bei der Beobachtung der geschichtlichen Entwicklungen in diesen Regionen. Bis auf Libanon und Israel ist mir da eigentlich nicht bekannt, dass es da jemals Demokratien gab. Demokratien werden aber nicht von jetzt auf gleich erschaffen. Das Bewusstsein muss sich erst über einen längeren Zeitraum in den Köpfen der Bevölkerung entwickeln.
 


Richtig. Da wird er kaum hinter verschlossenen Türen auch rumpöbeln.
 
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