[Politik und Gesellschaft] Bundestag beschließt Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe

Am heutigen Freitag beschloss der Bundestag mehrheitlich, dass die geschäftsmäßige Sterbehilfe künftig unter Strafe steht.

Gebilligt wurde der von einer Abgeordnetengruppe um Michael Brand (CDU) und Kerstin Griese (SPD) ausgearbeitete Entwurf, der besagt, dass derjenige bis zu drei Jahren Gefängnis erhalten soll, der "in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäftsmäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt". Damit werden sowohl die umstrittenen Sterbehilfevereine verboten als auch die Tätigkeit der Sterbehilfe von Ärzten unter Strafe gestellt.

Es gab noch andere Entwürfe für eine gesetzliche Regelung. So sah ein Entwurf vor, dass die organisierte Sterbehilfe zwar erlaubt, und auch Ärzte dabei straffrei bleiben sollen, eine Beratung der Patienten und Dokumentation der Fälle allerdings verpflichtend wäre.

Ein weiterer Gesetzentwurf bestand aus keiner Änderung des ursprünglichen Gesetzes, sah aber vor, dass Ärzte zivilrechtlich nicht belangt werden können, wenn sie sich an besondere Regeln halten. Wenn ein leidender Patient eine organische Krankheit hat, die "unumkehrbar" zum Tod führt, volljährig und einwilligungsfähig ist und über Alternativen zum Suizid eingehend beraten wurde, dann dürfte ein Arzt Sterbehilfe leisten.

Quelle: ,
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #2
Kommentar

Meiner Meinung nach ein Schritt in die falsche Richtung.

Wenn jemand, der zwar geistig auf der Höhe ist, aber vom Körper so her nur noch unter Schmerzen im Bett liegt, und von sich aus mit freiem Willen diesen letzten Schritt gehen will, dem sollte das auch ermöglicht werden. Das ist aber gerade solch einer bettlägerigen Person nicht mehr immer möglich.

Was bleibt diesen Menschen mit dem jetzt verabschiedeten Gesetz übrig? Die lange unerwünschte Qual durch lebenserhaltene Maschinen? Die Belastung der Familie durch langwierige Pflege in einem nicht gewollten, dahinvegitierendem Zustand?
Zudem bleibt immer auch dieser fade Beigeschmack, dass man seiner Familie, sollte man sie zu diesem Schritt überzeugt haben, diesen letzten Schritt aufs Gewissen drückt, als diejenigen, die den Stecker ziehen mussten.

Von daher hätte ich den letzten von mir aufgeführten Entwurf definitiv vorgezogen, der Ärzten, die mit dem Thema vertraut sind, die Möglichkeit gibt, diesen letzten Schritt durchzuführen, auch unter den genannten oder sogar strengeren Auflagen.
 
Also eine Verschärfung der jetzigen Regel, wo aktive Sterbehilfe ja sowieso schon verboten ist, aber ein Auge zugedrückt wurde, wenn z.B. ein Arzt einem Krebspatienten im Endstadium beim langsamen Verrecken ein wenig zu viel Schmerzmittel gegeben hat, damit dieser sanft entschlummert.

Oh man. :mad:
 
Als allererstes steht im Grundgesetz die Menschenwürde.

Dazu gehört imho auch, dass jemand gehen kann, wann er möchte. Schlicht und einfach. Und wenn er dies nicht mehr selbst kann und Hilfe braucht, soll das so sein. Und solange das "professionell" durch einen Arzt geschieht, alles rechtliche und medizinische klar ist, sehe ich da kein Problem.

Die Regierung sieht das eben mal wieder anders....
 
Mich wundert, dass die SPD da mitmacht.

Obwohl: Nicht wirklich.

Wer weiß, was im Hintergrund gelaufen ist.


@ Hector: Seit wann scheren sich Politiker um die Menschenwürde?
 
Brauchst du mich nicht fragen. Ich weiß, dass sie das nicht interessiert... :(
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #7
Das ganze war eine fraktionszwanglose Abstimmung, gerade weil es so ein ethisches Thema ist.

Die Namensliste mit allem Abstimmungen kann man hier einsehen:
 
Da meine Wut wegen dieser Entscheidung, die gegen Bürgerumfragen geschah, noch nicht abgeklungen ist,
würde ich sagen: solange irgendjemand daran echtes Geld verdient :dozey:

Jeder erwachsene Mensch sollte sich unbedingt eine Patientenverfügung anlegen.
Und ein eindringliches Wort mit seinen Angehörigen sprechen. Und nicht erst dann, wenn man die Diagnose einer hinterhältigen Krankheit erhält.
Der Arzt des Vertrauens hilft einem bei den einzelnen Punkten einer Verfügung.

BTT, ich habe mir gestern sofort nach Einstellung der Abstimmung ins Netz mal das Abstimmungsverhalten angesehen.
Und dabei ist mir aufgefallen, dass erstaunlich viele Abgeordnete die einen Doktortitel haben, gegen das Gesetz stimmten.
Mir fehlt leider die Zeit, die Vita dieser Leute nachzusehen um die Art des Doktors zu erkunden.

Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass so viele Medizinlobbyisten sind und sich einem Diktat unterwerfen.
Besonders, da es diesmal keinen Franktionszwang gab und die Menschen in Deutschland zu einen überraschend großen Teil nicht
vor sich hinvegetieren und/oder irrsinnige Schmerzen leiden wollen, sondern in Würde und sanft und schmerzfrei einschlafen wollen wenn der Tod eben unvermeidlich ist.

Die europäischen Länder, in denen die (hier nunmehr verbotene) Sterbehilfe gesetzlich erlaubt ist, haben keinen großartigen Zuwachs an Menschen verzeichnet
die ihrem Leben aufgrund von Leiden ein Ende setzen wollen. Es ist dort einfach offiziell nicht mehr strafbar.
Und nun werden die deutschen Menschen, die über ein kleines Geldpolster verfügen, ihre Angehörigen bitten müssen, sie zum Sterben in ein anderes Land zu bringen.
 
Ja - habe mich auch aufgeregt... aber tja - war irgendwie absehbar.
Über diverse soziale Medien gingen dann ja auch tolle Peditionen gegen Sterbehilfe... mit tollsten Argumenten

*Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben
*Das ganze mit den Juden hat auch so angefangen das man nur helfen wollte
*Ärzte nicht zu mördern machen
...
...

Gerade auch die religiösen Organisationen laufen gegen das Thema Sturm .. *Gott hat das Leben geschenkt nicht den Tot*

Und vielleicht da Deutschland ja so Christlich ist und der Kirche auch die letzte Hostie in den ***** schiebt gibt es nun dieses Verbot.

Habe dann einer Bekannten die mich auf zig so sinn freie Dinger eingeladen hat auch ebenso öffentlich (Die Einladungen und Überredung versuche konnte ja auch jeder lesen) Eine Antwort geschrieben - komisch einen Kommentar dazu erhält man dann natürlich nicht mehr.

Ist scheinbar besser wenn sich die Leute dann irgendwo in der Öffentlichkeit selber umbringen (nicht weil man gesehen werden möchte - sondern weil vielleicht der ein oder andere dann die Brücke einfacher findet als sich erhängen usw...) oder Qualvoll sterben oder jemand sowas illegal macht.

Ich bin auch der Meinung das jeder über sich selber entscheiden darf - wenn er nicht mehr leben möchte und der Grund nicht änderbar ist (Eben unheilbare Krankheiten die das Leben nur noch zur Qual machen) - dann darf sich jeder Entscheiden den Endpunkt des Lebens selber zu wählen.
Der Patient kann sich so auch wesentlich würdiger und schöner von jedem vielleicht verabschieden und zufrieden gehen.

Was mich allerdings zusätzlich zum Denken gebracht hat ist dieser Bericht:


Zum einen wirft das noch einmal einen anderen Blick darauf jemanden nicht gehen zu lassen - das ist schon fast Folter zusammen mit diesem neuen Gesetz.
Zum anderen der Satz des Arztes das so mancher nach *vernünftiger* Behandlung und Pflege für seine letzten Wochen und Monate im Leben noch einmal so viel Kraft tankt das er dann doch noch länger leben möchte und alles auf sich nimmt um noch ein paar Wochen zu haben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ganze war eine fraktionszwanglose Abstimmung, gerade weil es so ein ethisches Thema ist.
Und trotzdem haben die Fraktionsspitzen von CDU, SPD und Grüne ihre Abgeordneten aufgefordert, für den letztlich gewählten Entwurf zu stimmen - was es bei so einer Entscheidung noch nie gab...
 
Es ist ja nicht so, dass die Leute gezwungen werden zu sterben. Es ist eine freie Entscheidung bisher gewesen, wenn sie z.B. im Krankenhaus mit Krebs im letzten Stadium dahin siechten... dass sie den Arzt gewissermaßen gebeten haben, dass sie nicht mehr Qualen und Schmerzen erleiden müssen und bissl mehr Morphin oder ähnliches starkes Zeug bekamen, wo sie sanft einschliefen. Von nun an machen sich diese Ärzte strafbar.
 
Es ist eine freie Entscheidung bisher gewesen, wenn sie z.B. im Krankenhaus mit Krebs im letzten Stadium dahin siechten... dass sie den Arzt gewissermaßen gebeten haben, dass sie nicht mehr Qualen und Schmerzen erleiden müssen und bissl mehr Morphin oder ähnliches starkes Zeug bekamen, wo sie sanft einschliefen. Von nun an machen sich diese Ärzte strafbar.

Was für ein Unsinn? Was Du da beschreibst ist keine Beihilfe zum Suizid, sondern Totschlag. Das war schon immer strafbar.
Nur wo kein Richter, dort kein Henker.

Auch die Vorstellung von "im Krankenhaus mit Krebs im letzten Stadium dahin siechten" ist, wenn nicht falsch, dann unzureichend.


Es gibt Krebs, da vergehen nur wenige Monate oder sogar nur Wochen, bis der Patient stirbt. Es gibt aber auch Fälle, da kann der Tod erst mehrere Jahre später eintreten. Während dessen wird der Patient auch noch behandelt. Keine Chance auf Heilung, aber immerhin auf lebensverlängernde Maßnahmen.

(Ich kann nicht sagen, wie es ist, wenn man einfach auf jede operative Behandlung verzichtet und einfach Schmerzmittel verlangt und ob man einen Arzt findet, der sich darauf einläßt.)

Da wird dann ein Stück Lippe entfernt. Dann die Zunge. Dann der eine Unterkiefer, dann der andere, dann der Gaumen.....


Auch wenn es nicht ganz seriös erscheint, möchte diese Krankheit mit der Verwandlung aus "Die Fliege" (Film 1986) vergleichen. Da bittet der Protagonist am Ende auch um die Erlösung, weil es keine Aussicht auf ein dem Menschen würdiges Leben mehr gibt.
 
Es gibt Krebs, da vergehen nur wenige Monate oder sogar nur Wochen, bis der Patient stirbt. Es gibt aber auch Fälle, da kann der Tod erst mehrere Jahre später eintreten. Während dessen wird der Patient auch noch behandelt. Keine Chance auf Heilung, aber immerhin auf lebensverlängernde Maßnahmen.

(Ich kann nicht sagen, wie es ist, wenn man einfach auf jede operative Behandlung verzichtet und einfach Schmerzmittel verlangt und ob man einen Arzt findet, der sich darauf einläßt.)

Da wird dann ein Stück Lippe entfernt. Dann die Zunge. Dann der eine Unterkiefer, dann der andere, dann der Gaumen.....
Und was hat der Patient davon? Ans Bett gefesselt, ständige OPs und es geht ihm beschissen - damit er diese Qualen noch etwas länger ertragen "darf"?

Es gibt natürlich einige, die dadurch viel Geld verdienen - das war vermutlich auch der Hintergrund dieser Entscheidung...
 


So ein Quark. Natürlich haben Ärzte öfters Leiden so beendet. Natürlich nicht offiziell und mit Vermerk in der Akte und leider auch nur ganz wenige Ärzte (eine Bekannte von mir wurde so von ihrem Leid erlöst). Jetzt gehts für diese Ärzte ans Eingemachte. Kein Arzt wird mehr eine "Überdosis" Morphin verabreichen, denn selbst ohne Anzeige wird dann ein Strafverfahren eingeleitet. Wird ja alles geprüft, wie Tod zustande kam etc.

Kennst Du Leute mit Krebs? Ich kannte einige und das waren leider nicht nur ein paar Wochen und das war ein qualvolles Verrecken bzw. langsames Dahinsiechen, u.a. von jemandem in den letzten Wochen im Koma.
 
Und was hat der Patient davon? Ans Bett gefesselt, ständige OPs und es geht ihm beschissen - damit er diese Qualen noch etwas länger ertragen "darf"?

Nichts. Hast Du meinen Post zu Ende gelesen?

Da bittet der Protagonist am Ende auch um die Erlösung, weil es keine Aussicht auf ein dem Menschen würdiges Leben mehr gibt.



So ein Quark. Natürlich haben Ärzte öfters Leiden so beendet.

Ja und? Was hat das mit Hilfe zur Selbsttötung zu tun?
 
Soviel ich weiss, gehört Sterbehilfe nicht zum Curriculum des Medizinstudiums. Es wird sehr große Widerstände seitens der verfassten Ärzteschaft geben, das zum Lehrstoff zu machen. Und das ist auch gut so.
 
Und warum ist das gut?
Die Ärzte sollen lieber über Monate hinweg ihren Patienten leiden, jammern usw. sehen und evtl. flehen hören wie er keine lust mehr hat?
Was das mit *Das beste für den Menschen / Patienten* zu tun hat weiß ich nicht.
 
  • Thread Starter Thread Starter
  • #19
@Lumiere: Das Wissen, ab wann ein Betäubungsmittel tödlich und nicht nur schmerzlindernd wirkt aber schon.

Außerdem heißt Sterbehilfe nicht, das man sofort ohne weiteres auf Befehl des Patienten zum Giftcocktail greift, sondern mMn eben auch eine ausführliche Beratung beinhalten muss, die auch auf die Möglichkeiten von lebensverlängernden Maßnahmen eingeht, und dem Patienten ggf. sogar wieder einen Lebenswillen aufzeigen kann.

Das vergessen die meisten Sterbehilfegegner meist, das es hierbei eben keine spontanen "mach mal den Schalter aus, Doc"-Patienten sind, die diese Hilfe bekommen könnten.

Aber so gibt es eben auch das nicht mehr, weil das ja eben auch schon zur Geschäftsmaßigkeit zählt.
 
Ich habe nichts gegen Sterbehilfe. Aber Ärze sind keine Mörder von Justitias Gnaden, meinetwegen sollen das Seelsorger mit Zusatzqualifikation "Staatlich geprüfter Sterbehelfer" machen. Besonders viele Kenntnisse sind dazu nicht nötig, jeder Junkie kann diese vorweisen.
 
Zurück
Oben