Ich sehe ehrlich gesagt das Problem nicht. In meinen Augen gehört jedes Lebewesen, das es wert ist, mit Respekt behandelt. Ob das nun ein Mann ist, eine Frau oder ein (Pseudo-) Hermaphrodit ist, spielt dabei keine Rolle. Auch die Art, wie dieser Respekt bekundet wird, ist in meinen Augen völlig nebensächlich, die Geisteseinstellung zählt in diesem Fall. Übergebe ich eine Visitenkarte an einen Japaner, werde ich das mit beiden Händen tun, weil es in seiner Kultur ein Zeichen vollumfänglicher Aufmerksamkeit und damit eines Geschenks ist. In meinem chinesischen Imbiss begrüße ich den Wirt mit einer Verbeugung, weil ich weiß, dass das in seiner ehemaligen Heimat der übliche Gruß ist, und ich bekomme diesen Gruß auch zurück, sogar konträr zur eigentlichen Sitte mit einer tieferen und längeren Verbeugung (er ist bedeutend älter als ich). Ich interpretiere das so, dass er mir für die Wahl einer Grußgeste aus seinem Kulturkreis sehr dankbar ist, weil er mir offenbar so viel wert ist, dass ich mich mit seinen Sitten und Gebräuchen auseinander gesetzt habe. Respekt bedeutet, den Gegenüber mit Achtung zu behandeln.
Er ist ein Imam, also ein Priester und Lehrer seiner Religion. Von einem Lehrer sollte man erwarten können, dass er jeden Ratschlag, den er gibt, auch selbst in seinem Leben anwendet. Wasser predigen und Wein trinken ist keine Option für einen guten Lehrer. Seine Religion verbietet ihm die Berührung einer fremden Frau - auch das hat mit Respekt vor der Intimsphäre und der Person als Solche zu tun. Stattdessen legt er die Hand auf sein Herz, wahrscheinlich entweder mit einer angedeuteten Verbeugung ("Vielen Dank für die Ehre, mir Gehör zu schenken") oder mit der vollen Ausführung des eigentlichen Grußes (Hand aufs Herz, Handinnenfläche oder Fingerspitzen zum Mund, zur Stirn und anschließend mit S-förmiger Bewegung nach oben abschließend - die Bedeutung: Mögen die Gefühle, die Worte und die Gedanken in dieser Begegnung von Gott gehört und geleitet sein, oder, nach anderer Lesart, "Sei von Herzen gegrüßt, geküsst und geehrt"). Es ist ein sehr schöner Gruß, und in meinen Augen wesentlich respektvoller als ein Handschlag, wenngleich in unserem Kulturkreis nicht üblich.
Angenommen, ich kenne diesen mir entgegen gebrachten Gruß nicht (beliebtes Beispiel in Marokko: Handschlag, danach Streichen über die Brust - kann schnell missverstanden werden als "Abputzen der jetzt dreckigen Hand", bedeutet aber eigentlich, dass der soeben begrüßte Gegenüber mir wichtig ist, d. h. einen Platz in meinem Herzen verdient). Wie verhalte ich mich? Wie wäre es mit einer mir bekannten Begrüßungsfloskel und einfach eine Reaktion abwartend? Ist mir der Gegenüber danach feindselig eingestellt, ist es eigentlich völlig egal, wie der Gruß gewesen ist. Ist er höflich und respektvoll, wird das wohl auch für den Gruß zutreffend sein.
Von einer Lehrerin erwarte ich Weltoffenheit und umfassende Bildung. Dass man einfache Grußformeln anderer Kulturkreise, mit denen man häufiger zu tun hat, nicht kennt, zeugt nicht von umfassender Bildung. Dass man sich dann nicht belehren lässt, zeugt nicht von Weltoffenheit oder gar Weisheit. Stattdessen sehe ich hier eine dumme Pute, die glaubt, mit einem Staatsexamen nach einem Lehramts-Studium wäre ihre Bildungsreise zu Ende. Surprise, sie hat noch nichtmal begonnen. Von einer Schule, die solche Lehrer hoch hält, würde ich mein Kind auch nehmen.