ALGI - Muss man als Meisterin alles annehmen?

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  • #41
Ich denke nicht, dass bei meiner Mutter das Problem ist, dass sie nicht jeden Job annehmen würde, aber wieso sollte sie das nach mehreren tausend Euro Investition und viel viel Zeit und nerven noch tun? Also nach 3 Wochen Arbeitslosigkeit? Lassen wir da mal die Kirche im Dorf.

Das Problem ist natürlich wenn es nach dem bisherigen Lohn geht, denn meine Mutter war ja vorher einfach nur Geselle bzw. Altgeselle oder wie man das in der Handwerkersprache nennt, wären die meisten Stellenangebote Koscher.

Ich weiß nur nicht wie das ist, ob Meister überhaupt als normale Gesellen angestellt werden dürfen? Denn wie gesagt, die ganzen Angebote bislang beschränken sich auf Gesellenjobs.

und Kapitn: Nein, der Meister befähigt einen nicht zu sowas, da "Arbeitslosenrecht" nicht zu den Fächern gehört die man an der Meisterschule hat. Zumal meine Mutter bei dem Behördendschungel in Deutschland kaum durchblickt, da man leider viel zu wenig über seine Rechte informiert wird seitens der Ämter.

Gruß,

MisterM
 
@ bevoller: Ähm, in der Theorie ja ganz schön und gut, wenn dann das Geld gesperrt wird, hat man aber erst mal die Rennereien.

Aber wie ich schon mehrfach schrieben: Bewerbung schreiben bedeutet ja nicht, dass man auch eingestellt wird.
 
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  • #43
Der Plan schaut eben jetzt auch so aus, das meine Mutter zu den Vorstellungsgesprächen geht und dort erwähnt, dass sie als Meister angestellt sein möchte. Falls einer plötzlich sagen sollte: Ja natürlich kein problem! Dann wäre das natürlich auch perfekt, ist aber eher unwahrscheinlich.
 
Hat sie die Bewerbungen losgeschickt?

BTW: Spätestens wenn sie in Alg II ist, kann sie das nicht mehr machen (fordern, dass sie als Meisterin eingestellt wird), weil das als eine Verhinderung des Arbeitsverhältnisses gewertet wird und dann kann sie sich auf eine schöne Sanktion gefasst machen.
 
Zuerst heißt es 1000 Bewerbungen, dann sind es nur noch 10. 10 sind mal gar nichts und 10 Bewerbungen raus zu senden, wenn man wirklich Arbeit sucht, ist ja wohl das mindeste, was man erwarten kann.
Stellen, für die die nötige Qualifikation nicht zur Verfügung steht, sind natürlich Schwachsinn, allerdings, um es dem Amt recht zu machen, sollte sich deine Mutter auch dafür bewerben. Stellen, die "unter dem Niveau" deiner Mutter sind, kann sie durchaus als Übergangslösung in Betracht ziehen. Ein bisschen verdienen ist besser als gar nichts verdienen. Warum musst du die Bewerbungen schreiben?
 
und Kapitn: Nein, der Meister befähigt einen nicht zu sowas, da "Arbeitslosenrecht" nicht zu den Fächern gehört die man an der Meisterschule hat. Zumal meine Mutter bei dem Behördendschungel in Deutschland kaum durchblickt, da man leider viel zu wenig über seine Rechte informiert wird seitens der Ämter.
Da hast Du den Käpt'n wohl falsch verstanden. Der Schwerpunkt lag auf selbstständig.
In höher qualifizierten Berufen - und da möchte ich den Meister durchaus mit einem Studium gleichsetzen - wird man immer wieder mit Fragestellungen konfrontiert werden, deren direkte Lösung nicht Bestandteil der Ausbildung war. Und dann sind halt die berühmten Transferleistungen und selbstständiges Erarbeiten gefragt.
Da der Meister einen ja auch zum Führen eines Betriebes qualifizieren soll, sollte Deine Mutter auch nicht vor dem "Behördendschungel" kapitulieren müssen. Information ist auch immer eine Holschuld!



Aber BTT:
Ich verstehe ja immer noch nicht, was daran so schlimm sein soll, sich in normaler Weise auf die Angebote der Arge zu bewerben.
Spätestens im Vorstellungsgespräch gibt man an, dass man eigentlich eine Meister-Stelle sucht und diesen Job deswegen nur übergangsweise machen würde, bis man etwas besseres gefunden hat.
Dann gibt es drei Optionen, nämlich
- entweder gibt es im Betrieb eine entsprechende Position -> Bingo
- es gibt keine und der AG stell trotzdem ein -> Gehalt und die Zeit weiter nach einer passenden Position zu suchen
- es gibt keine und der AG will jemanden für dauerhaft -> Kein Ärger mit der Arge, weiter Unterstützung und die Zeit weiter nach einer passenden Position zu suchen

Oder sehe ich das falsch?
 
Ein Meister ist dem Bachlor-Abschluss gleichwertig.



Aber das befähigt einen nicht durch die Gesetzte auf dem Amt zu blicken, das schaffen nichtmal die die dort arbeiten...
 
Da hast Du völlig recht, ich entschuldige mich. Jetzt wo ich weiss, dass der Meister nur mit dem guten alten Vordiplom gleichzusetzen ist, muss ich meine Aussagen natürlich revidieren. Ich wäre auch nicht auf die Idee gekommen, mich nach einem halben Studium und, sagen wir mal, noch einem Seminar als (berufs)qualifiziert zu bezeichnen.

Solltest Du Ironie finden, darfst Du sie behalten.
 
Ich sehe darin in der Tat keine Ironie. Nur weil in unserem mittlerweile sowieso mehr als verkorksten Bildungssystem ein Abschluss mit einem anderen faktisch willkürlich gleichgesetzt wird, bedeutet das nicht, dass a) die Wirtschaft dies anerkennt und b) ein bildungstechnisch gleicher Wissenstand erzielt wird.

Im Übrigen halte ich Abschlüsse auf dem Papier generell für überbewertet - und dabei ist es egal, ob nun Meister, Bachelor, Master, Diplom oder Doktor. Berufserfahrung und Sozialkompetenz erachte ich als weitaus wichtiger. Aber das ist nun doch sehr Offtopic.
 
Ich sehe darin in der Tat keine Ironie. Nur weil in unserem mittlerweile sowieso mehr als verkorksten Bildungssystem ein Abschluss mit einem anderen faktisch willkürlich gleichgesetzt wird, bedeutet das nicht, dass a) die Wirtschaft dies anerkennt und b) ein bildungstechnisch gleicher Wissenstand erzielt wird.

So siehts aus, die offizielle Zuordnung ist nicht wirklich ernstzunehmen. Sieht man ja auch, wenn man sich beispielsweise die Inhalte, Regeldauer (1 Jahr vs. 3.5 Jahre Vollzeit) oder Einstiegsgehälter anschaut. Aus akademischer Sicht ist der Meister eine mögliche Zugangsberechtigung zum Studium, und damit keinesfalls einem Studienabschluss gleichwertig. Solche Unterschiede bei offiziell gleichwertigen Abschlüssen gibt es aber auch in der Uni, wenn man sich mal ansieht, wer sich mit welchem Aufwand Bachelor oder Master nennen darf.
Der Hintergrund ist eher, dass man die deutschen Berufsausbildungen international gut positionieren wollte.
 
@ bevoller: Ähm, in der Theorie ja ganz schön und gut, wenn dann das Geld gesperrt wird, hat man aber erst mal die Rennereien.
Vor allen Dingen hat man dann erst mal kein Geld. Und das evtl. für ein paar Monate. Eine Nachzahlung nützt ja nichts, wenn man bis dahin verhungert ist.
Ist mir schon klar. Allerdings muss man ja nicht sofort die Bewerbung verweigern. Man schreibt halt weisungsgemäß und geht zugleich eine Etage höher.
Eine Empfehlung ist übrigens, immer mit einem Beistand zum Sachbearbeiter zu gehen. Das darf er nicht verweigern - und man muss ja nicht gleich immer mit dem Anwalt kommen.

Ein bisschen verdienen ist besser als gar nichts verdienen.
Da ist wieder die alte Leier von "Sozial ist, was Arbeit schafft." Du solltest dir aber klar sein, dass so auch dein Wert auf dem Arbeitsmarkt herunter geschraubt wird.
Denn selbst wenn du bestens qualifiziert bist, ist es allenfalls eine Frage der Zeit (und Lobby-Arbeit), bis jemand kommt, der mindestens genau so gut wie du ist - die Arbeit aber für weniger Geld macht. Aber ein bißchen verdienen ist besser als gar nichts verdienen. ;)
 
Nachdem was ich so von einem Jungmeister ( dieses Jahr ) mitbekommen habe, ist das wirklich mit einem Studium gleich zu setzen.
Der Meister im Handwerk ist nach 7 Jahren vom Anfang der Ausbildung bis zum Meisterbrief einem abgehenden Studenten mit Diplom gleich zu setzen, wenn er nicht sogar im Bezug auf Erfahrung voraus ist.
Er hat jetzt schon 7 Jahre teilweise fast jeden Tag mit seinem Skill und seinen Werkstoffen tatsächlich gearbeitet, der weiß ganz genau, was man machen sollte, und was lieber nicht!

Ich finde diese Herabsetzung / Diskriminierung im Bezug auf Meister auch ziemlich unschön.

Man bedenke, wir haben die letzten 10 Jahre eh schon mehr als genug Studenten gehabt.
Die praktischen Berufe sind ein wichtiger und wertvoller Stand, den es zu schützen gibt!

Ich hätte später keinen Bock über Brücken zu fahren, die ein Bauingeneuer geschweißt hat, der die letzten 10 Jahre an einem Schreibtisch saß...
Auf der anderen Seite hätte ich keinen Bock meine Steuererklärung von meinem Bäcker machen zu lassen, der die letzten 20 Jahre vorzügliche Backwaren hergestellt hat...
Jeder Mensch hat ein Fachgebiet, indem er spitze sein kann, er muss es nur finden wollen.

Handwerk / Handel / Forschung / soziale Dienste / Kommunikation / EDV
Es muss ein Gleichgewicht herrschen, wo genug Menschen mit gefundener Begabung und Spaß an der Sache für Qualität sorgen.



Das Handwerk klagt seit längerer Zeit über Nachwuchsprobleme. Man muss das ja auch mal so sehen.
Ein Meister ist vielleicht nicht unbedingt geistig die Leuchte und bereichert die Welt mit Kunst, Kultur oder Forschung, er sorgt aber verdammt gut und effizient dafür, dass die QUALITÄT der erdachten / verbesserten / altbewährten Produkte entweder gleichbleibend ist, oder sogar ansteigt!

Schon mal auf die Idee gekommen, warum ein Gesetzgeber sowas wie eine Meisterpflicht für produzierende Betriebe festgesetzt hat ;).
Das macht schon Sinn.
Deutschland und seine Bewohner haben sich in der Vergangenheit schon immer besonders mit rationalen Arbeitsabläufen hervorgehoben.
Das hat zum einen den Vorteil, dass Deutschland sein Bildungssystem so aufbauen konnte, dass möglichst gleichzeitig das Wissen ( Student / Diplom ) und die Qualität ( Meister ) an einem Fleck in mehrfacher Ausführung vorhanden ist ( rational Arbeiten! ).
Selbst das Herr damals war so organisiert, dass mindestens in jedem Trupp ein "Meister" seine Faches sein Wissen weitergeben konnte. Deswegen war das Herr unter anderem auch so gefürchtet...

Meister sind WERTVOLL,
Meister sind WISSEN,
Meister sind WICHTIG,
Meister sind WOHLSTAND​
 
Sie hat aber keinen Job und lässt andere ihre Bewerbungen schreiben, informiert sich nicht über ihre Rechte und Pflichten bei Arbeitslosigkeit. Das mutet komisch an. Und es klingt auch ein wenig nach: Ich bin was besseres, ich will nicht das normale Zeugs arbeiten. Ich möchte ihr aber nichts unterstellen. Aber sie sollte wirklich selbständiger werden.

Spätestens wenn sie in Alg II ist, wird man ihr diesbezüglich den Marsch blasen und dann muss sie ihre Rechte und auch Pflichten kennen. Es gibt das Internet, dort gibt es viele Info Seiten - auch über die Rechte.

Es ist wirklich toll, dass sich Leute weiterbilden und auch den Meister machen, aber heutzutage zählt bei die vielen Firmen leider nicht mehr, ob man da einen "Wisch" zu Hause rumliegen hat, sondern ob man arbeiten will und das möglichst billig. Leider. So sind viele Fachkräfte auch am Fließband, obwohl sie angeblich dringend gebraucht werden, aber halt zu teuer. Die Firmen können sich das Rumjammern leisten, denn die Politik springt gleich, wenn die Mimimi rufen.

Die Frau soll sich nicht der Illusion hingeben, dass sie schnell was neues findet, zumal sie nicht mehr die Jüngste zu sein scheint??? Es ist ja auch leider so, dass Firmen immer was Junges, flexibles wollen. Wenn sie ihren Sohn die Bewerbungen schreiben lässt - wie siehts da aus mit selbständig? Weiß ich nicht. Aber so richtig wollen tut sie wohl nicht - also bewerben und sich selbst informieren, was Sache ist, wo sie jetzt keine Arbiet hat???

Es steht immer noch die Frage im Raum, ob sich die Meisterin denn selbständig bewirbt auf selbst gesuchte Stellen, die einigermaßen ihrem Profil passen oder wirklich nur auf eine bestimmte Sache pocht, was nicht gut ist, weil so findet sie nichts. Vielleicht kann der TE noch ein paar mehr Infos rausrücken?
 
Zuletzt bearbeitet:
@1Bratwurstbitte:
Ich gebe dir vollkommen recht mit dem was du schreibst, aber der Ausgangspunkt der Diskussion war allein die Bildung, und da sagst du selbst:

Ein Meister ist vielleicht nicht unbedingt geistig die Leuchte und bereichert die Welt mit Kunst, Kultur oder Forschung, er sorgt aber verdammt gut und effizient dafür, dass die QUALITÄT der erdachten / verbesserten / altbewährten Produkte entweder gleichbleibend ist, oder sogar ansteigt!
 

du schließt von sohnemanns darstellung der mutter auf deren person und fähigkeit. wobei da doch zweifel angebracht sind ;)
 
Je nach Fachgebiet und Gegend kann man auf ist es für Gesellen schon schwierig. Meister werden oft auch gesucht, weil kein familiärer Nachwuchs da ist und der Betrieb weitergeführt werden soll. Da muß man dann natürlich mehr als Qualifikation mitbringen, das Läuft auf einen Verkauf hinaus.

Apropos Qualifikation. Da hierfür nicht selten Nachfrage besteht, wird der ein oder andere sicher schon einmal die Aufforderung eines Betriebes bekommen haben, sich zu bewerben. Denn man antwortet ja nicht nur auf Anzeigen, sondern veröffentlicht auch sein Profil.
 
...Es ist wirklich toll, dass sich Leute weiterbilden und auch den Meister machen, aber heutzutage zählt bei die vielen Firmen leider nicht mehr, ob man da einen "Wisch" zu Hause rumliegen hat...
Du verkennst die Qualifikation.
Sicherlich hast du Recht, dass auch Leute mit Diplom auf der Straße sitzen, und teilweise auch im Billiglohnsektor ausgenutzt werden.

Als Meister ist man aber in einer glücklicheren Situation als ein normaler Geselle oder Ungelernter.
Ein Meister wird mal eben als Vorarbeiter oder Organisator eingestellt, entweder weil der Betrieb dringend einen Meister braucht ( Meister-Zwang ), oder weil er bei kritischen Produktionsprozessen benötigt wird.

Beim Metzger wird z.B häufig der Meister, der das Hackfleisch veredelt und hinterher mit Eis vermischt doppelt so gut bezahlt, dafür muss er dann aber auch die Pampe bezahlen, wenn er 300 KG Hackfleisch versaut hat...
Je besser er ist, je mehr verdient er dann auch...

Oder beim Metall-Bau. Es geht manchmal einfach um die Haftung. Wer haftet denn z.B bei einem Balkon wo die falschen Schrauben, Dübel oder Schweißverfahren genutzt wurden und das Ding abstürzt?
Der Meister wird vielleicht nicht unbedingt zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen, ist aber trotzdem für die abgelieferte Arbeit verantwortlich.
 
Warum mach ich den Meister, wenn ich nicht Selbstständig werden kann/will oder eine entsprechende Stelle in Aussicht habe?
 
Ich hätte später keinen Bock über Brücken zu fahren, die ein Bauingeneuer geschweißt hat, der die letzten 10 Jahre an einem Schreibtisch saß...
Ganz ehrlich, bei einer Brücke, die der Ingenieur selbst schweißen musste, wäre ich auch vorsichtig. Das ist überhaupt nicht sein Job. Sein Job ist es Leute auszusuchen, die fachlich in der Lage sind so etwas zu tun.
 
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