Österreich: Einsatz von Gesichtsscannern in Apotheke

Ab sofort starten zwei österreichische Apotheken ein dreimonatiges Pilotptojekt im Auftrag von Pharmakonzern Bayer Austria. Es werden Gesichtsscanner installiert, mit dem Ziel, an Kunden zielgruppengerechte Werbung anzuzeigen, .



ORF-Journalist Patrick Gruska machte zuerst darauf aufmerksam: In zwei österreichischen Apotheken, darunter in der Linzer Schutzengel-Apotheke, setzt Pharmakonzern Bayer Austria testweise Gesichtsscanner ein. Der Testlauf solle zunächst auf zwei Standorte beschränkt sein und es sind jeweils zwei Scanner und drei Werbedisplays im Einsatz. Laut Bayer wurde die Technologie bereits auf datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit geprüft und mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert.



Die Kameras sollen die Gesichter der Kunden scannen und sowohl Geschlecht, als auch Alter einer Person bestimmrn. Je nach Ergebnis wird Werbung für ein bestimmtes Produkt eingespielt. Derzeit werden laut Angaben vom Inhaber der Schutzengel-Apotheke, Jörg Mayrhofer, vier Produkte von Bayer auf diese Weise beworben: Iberogast, Bepanthen, Aspirin Complex sowie Supradyn vital 50Plus. Für jüngere Kundinnen wird Iberogast-Werbung eingespielt, ältere Frauen bekommen Supradyn eingespielt. Bei Männern wäre die Werbung altersunabhängig. Es wird pauschal Aspirin beworben, berichtet .

Eine Sprecherin des Pharmaherstellers Bayer, Daniela Winnicki, betont, Bilder würden „nicht gespeichert und keinesfalls weitergegeben werden“. Lediglich das ungefähre Alter und das Geschlecht würden mittels Gesichtsscan erhoben, Erkennungs-Algorithmen liefen lokal und arbeiteten in Echtzeit. Auch eine Verknüpfung mit anderen Daten erfolge auch dann nicht, wenn der Kunde in der Folge Produkte kauft. Aus den erfassten Daten werde in Sekundenbruchteilen ein sogenannter „Hash-Wert“ generiert, bei dem keinerlei Personenbezug mehr vorliege. „Die Bilder werden sofort nach dieser Verarbeitung gelöscht und es besteht keine Möglichkeit, die Person zu identifizieren“, garantiert die Bayer-Sprecherin.

Für die deutsche Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage ist die Gesichtserkennung in Apotheken ein eindeutiges No-Go und gleichbedeutend mit einem ungefragten Eindringen in die Privatsphäre: “Bayer informiert zwar darüber, aber von einer Einwilligung kann nicht die Rede sein”, sagte eine Sprecherin. Wer nicht überwacht werden wolle, müsse woanders einkaufen, das sei eine “Friss-oder-Stirb-Mentalität”, .

In Deutschland werden Gesichtsscanner noch eher selten eingesetzt. Versuche wurden bisher bei und der gestartet. Digitalcourage hatte auch hier im Sommer mit Verweis auf das Bundesdatenschutzgesetz . Wenig später hatte Real den Test für beendet erklärt. Eine Entscheidung über den Einsatz des Apotheken-Gesichtsscan-System in Deutschland sei noch nicht getroffen, teilt ein Sprecher von Bayer Deutschland mit. Die Erfahrungen in Österreich würden allerdings in die Entscheidung mit einfließen.

Bildquelle: , thx! (CC0 Public Domain)






Autor: Antonia
 
Gerade in Apotheken, wo Diskretion höchstes Gebot sein sollte, so etwas einzusetzen zeigt wieder einmal schön, wer in Europa die Macht hat- der Bürger ("Alle Macht geht vom Volke aus") oder die Konzerne mit den dahinter stehenden "Investoren", Quartalszahlen usw.
 
Wenn ich sowas lese ärgere ich mich vor Jahren das programmieren aufgegeben zu haben ... Ich hätte Hacker werden sollen ...

Bei Männern: "Hallo der Herr... Ja Sie ... Psssttt .... Ich SEHE sie brauchen WIRKLICH ein Potenzmittel !!! .... !

Bei Frauen: "Meine Güte ... Wirklich SOOO ALT .... "
 
Och, find ich ganz gut, wenn neben Verkaufsempfehlungen auch Tipps zur Lebensführung erteilt werden würden, damit nicht nur der monitäre Erfolg im Vordergrund steht, sondern dies auch zur Volksgesundheit beiträgt.
"Friss nicht soviel, fette Sau, oder kauf dir Abnehmpillen"
"Dir empfehlen wir Parfüm und Kosmetika, weil du hässlich bist und stinkst, oder kauf dir fürs Gesicht ne Tüte für 50 Cent und ein Duftbäumchen zum Umhängen"
"Versuch es mit weniger Koks, dafür mit mehr Pillen aus der Apotheke"
"Ach, alte Schabracke, bei dir hilft gar nichts mehr. Der Bestatter ist gleich nebenan"
Das würde die Akzeptanz in der Bevölkerung massiv erhöhen. :D
 
Ich find das echt nicht lustig. Was hindert die denn daran, Verkaufsgespräche abzuhören oder Rezepte zum Gesicht zu scannen. Dann holen die sich noch die Versicherungen mit ins Boot, das wäre der GAU für jeden Datenschutz.

Und die Bevölkerung ist auf die Versorgung mit Medikamenten angewiesen.
Es wird bald Zeit für den Baseballschläger und die Spraydose für Gesichtserkennungshardware.
 
Ich find das echt nicht lustig.
Nennt sich Galgenhumor.
Du kannst dir aber sicher sein, dass ich einen blöden Spruch ablassen werde, wenn ich so ein Teil in meiner angestammten Apotheke sehe. Natürlich mit der Frage, wo denn die nächste Apotheke ohne Scanner zu finden sei.
 
Ob sich damit der Umsatz von Faltencreme steigern lässt?
Hat nicht Real oder Kaufland? Das Zeug nicht auch irgendwo testweise eingeführt?

Wenn das so weiter geht wird die Burka die neue Trend-Kleidung für 2018. :D
 
Das Ding ist schon abgeschaltet worden.

Protest: Gesichtsscanner in Apotheke abgedreht

Zu groß war die Kritik der Kunden zweier Linzer Apotheken am Pilotversuch mit einem neuartigen Gesichtsscanner.

"Die Reaktionen auf den Scanner waren vor allem auch im Internet negativ. Deshalb haben wir ihn abgeschaltet",

 
Update vom 28.11.2017:

Bayer erklärt diesen Pilotversuch mit Gesichtserkennung zu Werbezwecken in zwei Apotheken Österreichs auf seiner Webseite für beendet. Als Grund geben sie an:

"Wir wollten einen innovativen Weg gehen, haben aber gesehen, dass das Thema kontroversiell wahrgenommen wird. Daher möchten wir aktiv – auch in Abstimmung mit unseren Kunden - das als Pilot geplante Projekt heute beenden."

 
Zuletzt bearbeitet:


Das Siegel zeichnet dient ja nicht der Auszeichnung besonderen Datenschutzes, sondern bestätigt lediglich die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen.

ePrivacy wird noch ein ganz spanendes Thema, wenn man sich den Entwurf von EU-Kommision und EU.Parlament ansieht, aber auch die Ablehnung , oder vorsichtig Bedenken genannt, durch Industrie und nationaler Regierungen, wie der noch amtierenden deutschen.
 
Ich meine die ePrivacyverordnung, die im Mai '18 zusammen mit der Datenschutzgrundverordnung hätte in Kraft treten sollten.
 

zu den Auswirkungen der ePrivacy-Verordnung an Prof. Dr. Christoph Bauer (Geschäftsführer ePrivacy GmbH, 18.01.2017)

Christoph Bauer schrieb:
Im Übrigen gibt es auch Tracking-Methoden, die keine Spuren auf den Geräten der Nutzer hinterlassen (wie es die Cookies als Textdatei im Browser tun), durch die aber dennoch ein Gerät getrackt wird. Insofern kann es passieren, dass man jetzt zwar Third Party Cookies verbietet, aber andere Technologien umgesetzt werden, durch die man praktische die gleichen Effekte erzielt, wobei die Technologien ggf. nicht verboten sind. Damit hätte dann der Gesetzgeber sein Ziel verfehlt.
 
@Meta: Ich glaube, du hast meine Schlagrichtung nicht verstanden. Mir ging es darum, aufzuzeigen, dass dieses Siegel a) von einer Firma ins Leben gerufen wurde und b) gefühlt hauptsächlich von Werbenetzwerken als Feigenblatt verwendet wird. Insofern verwundert mich auch nicht, dass Bayer sich dort den Aufkleber eingekauft hat bzw. man weiß, was man von ebenjenem zu erwarten hat. Nämlich nix.
 
Das war gar nicht auf dein Posting gemünzt sondern sozusagen nur der "Aufhänger" für Fragen. :)

Btw. Du kannst ja einen Browser heutzutage an allem möglichen erkennen, Browser-Fingerprinting benötigt weder Kekse noch IP-Nummern.
 
Zurück
Oben