[Entertainment] Michael Ballhaus ist tot

450px-Michael_Ballhaus.4676.jpg Michael Ballhaus ist tot. Er starb am 12. April im Alter von 81 Jahren nach kurzer Krankheit. Ballhaus gilt als einer der bekanntesten und bedeutendsten Kameraleute des deutschen und internationalen Films. Ende der 60er Jahre wurde er Stammkameramann von Rainer Werner Fassbinder. Mit diesem drehte er insgesamt 15 Filme.

Im Jahr 1982 ging er in die USA. Dort drehte er mit bekannten Regisseuren wie Martin Scorsese und Wolfgang Petersen, bis er sich im Jahr 2007 aus Hollywood zurückzog und sich fortan anderen Projekten widmete.

Nach Angaben seiner Familie starb er in der Nacht vom 11. auf den 12. April.





Bild: Michael Ballhaus bei der deutschen Filmpremiere The Brave One, Berlin, 13.9.2007 (Franz Richter, CC BY-SA 2.5, CC BY-SA 2.0,
CC BY-SA 1.0 via )
Quelle:
 
Eine Woche und nicht einmal ein läppisches R.I:P.

Die geringe Wertschätzung steckt bei den Deutschen schon im Wort "Kameramann"
Dabei ist der Kameramann, zumindest dort, wo er geschätzt wird, ein Regisseur. Regisseur des Bildes.
Er führt nicht die Schauspieler, aber bestimmt durch Setzen der Beleuchtung und durch die Wahl der Sicht, doch deutlich die Wahrnehmung eines Filmes.

Ich meine, Ballhaus hat die 360° Fahrt um die Protagonisten erfunden? Hollywood wußte jedenfalls bestimmt, warum sie ihn so gut beschäfigt haben

Ist bestimmt noch keine 2 Jahre her, wo ich einen Film über ihn gesehen habe und es waren interessante Dinge, die er zu erzählen hatte.

Und die Tragik ist natürlich auch immer ergreifend, wenn ein Künstler das verliert, was seine Kunst ausmacht. Beethoven z.B. sein Hörvermögen Ballhaus sein Sehvermögen.

Es gibt wohl nicht nur den "unknown stunman" von Lee Majors, der Kameramann hat sicher viele Filme erst zu dem gemacht, was sie für uns sind.

Ballhaus gehörte sicher zu den Großen.
 
Dass Kameramann eine geringschätzige Bezeichnung wäre, seh ich nicht so. So gibts zwar analog dazu den Tonmeister, aber Kamerameister hört sich einfach scheiße an und "Meister" ist glaub da weniger spektakulär gemeint, als man hineininterpretieren könnte. Wenig geschätzt und übersehen, ja, das werden die Techniker und damit auch gleichzeitig deutlich mehr als nur das, absolut.

Ich interessiere mich sehr für Details und Inszenierung von Filmen (und Theaterstücken) in jeglicher Hinsicht und schau mir als wohl einer der wenigen Menschen meist die Credits an, aber hab leider ein zu schlechtes Namensgedächtnis, um mir Namen wie Michael Ballhaus zu merken. Dafür gibts einfach zu viele Techniker, die da mitspielen. - Persönlich träume ich ja von einem Film, oder in meinem umsetzbaren Fall eher einem Theaterstück, bei dem am Ende das Publikum mal alle Menschen zu sehen bekommt, die an so einem Werk beteiligt waren, bis hin zur Putz- und Garderobenfrau, damit auch die ihren direkten Applaus bekommen. Sowas fehlt mir seit ich mich mit diesen beiden Dingen beschäftige. Wüsste nicht, dass es sowas gäbe.

Die zu Ballhaus' Tode im Netz mehrfach erwähnte Goodfellas-Kamerafahrt ist zweifelsohne extrem gut. Nicht, dass ich nun großartig andere solcher Szenen spontan nennen könnte, aber ich meine, es gab auch andere Leute, die ähnliches vollbracht haben, oder schlicht unglaublich beeindruckende Kameraarbeit ablieferten, die ja nicht unbedingt "lang" sein muss. Damit will ich auch nicht diese Leistung schmälern, zu der neben dem Kameramann auch noch die vielen anderen Leute dazugehören. Als absolutes Extrembeispiel und unvergessliche Leistung, die mich wirklich beeinderuckt hat, möchte ich aber "Russian Ark" von Alexander Sokurow nennen, bei dem die Kamerafahrt genau den kompletten Film von Anfang bis Ende geht und zwar 90 Minuten lang mit rund 2000 beteiligten Schauspielern. Das zu toppen, erscheint mir quasi unmöglich, wobei natürlich auch diese "kurzen" langen Fahrten eine enorme Faszination ausüben können und Filme deutlich aufwerten.

Der Kameramann bei Russian Ark hieß btw. Tilman Büttner. Den Namen kennt bestimmt auch schier keiner. ;-)
 
Dass Kameramann eine geringschätzige Bezeichnung wäre, seh ich nicht so.

Ich meine damit nicht, daß an dem Wort etwas anstößiges ist. Aber der Kameramann ist halt der Mann mit der Kamera. egal ob bei einer Talkshow oder bei einem Nachrichtenaußenteam.
Und beim Film gehört halt mehr dazu, als die Kamera zu bedienen und das wird im deutschen begrifflich nicht unterschieden/gewürdigt.
 
Der Kameramann wird meistens bei den Credits recht zu vorderst genannt. Häufig sogar im Vorspann. Insofern seh ich diesen Teil und Mensch auch nicht als zu wenig gewürdigt. Es merkt sich nur kaum jemand, wie der Mensch heißt, geschweige denn, dass sie verstehen, was der da tut und können muss. Da hilft dann glaub auch keine tolle Bezeichnung. Beim normalen Zuschauer ist bei A-Promi und Regisseur Schluss. Die wenigsten Leute wissen nach dem Film noch die beteiligten Studios oder sowas.

Dass der Kameramann einen sehr zu schätzenden Beitrag liefert, ist unbestritten. Nur müsste man dann auch weitergehen und sagen, dass eine noch so tolle Kamera nicht viel wert ist, wenn da nicht noch Kostüme, Auswahl der Settings, deren Einrichtung und Ausstattung, Musik, Spezialeffekte, etc. vorhanden sind. Hebt man nun den Kameramann zu sehr nach oben, gehen die anderen Beteiligten unter (was sie auch regelmäßig tun in Filmen und ähnlichem), die da ebenso wichtige Bestandteile liefern, um entsprechende Szenen und ein tolles Allgemeinbild und Erlebnis zu erzeugen.

Was also tun? Wörter wie Kamerameister, Musikmeister, Kostümmeister, Settingmeister, usw. kreieren, oder sich einfach generell darauf besinnen und sich dessen bewusst werden, dass ein Film aus extrem vielen Einzelkomponenten besteht, die jede für sich wichtig ist und im perfekten Zusammenspiel ein gutes Erlebnis bis hin zu einem Meisterwerk ergeben? - Das tun eh nur wenige Leute, also hab zumindest ich auch kein Problem damit, dass der Posten der Kamera halt Kamera(mann) (und alle anderen ebenso irgendwas normales) heißt, bzw. heißen.
 
Wörter ändern die Realität nicht, sie beschreiben sie nur. Schauspieler ist ein unglaublich banales Wort, trotzdem schauen bei den Oscars nur alle auf sie.

Auf Youtube gibt es eine tolle Serie namens Creative Spark von der Academy. Da erzählen Kostümbildner, Komponisten oder Drehbuchautoren von ihrer Arbeit (Mein Favorit ist ).

Ich kannte Michael Ballhaus bisher nicht, jetzt schon.
 
@Kapitän: Ja, klingt schön.

Sowas noch für alle anderen Posten und der echte Cineast ist zufrieden und vielleicht auch die Techniker und ähnliche. Dem Publikum wirds weiterhin egal sein, weil sie nicht die eigentliche Arbeit verstehen, um die es geht, ganz gleich, wie es heißt. ;-)
 
Nix. Aber Bildregie wäre ein besserer Begriff.

Der Begriff ist allerdings bereits auch schon ' '. ;)

Ich finde die englische Bezeichnung mit "Director of Photography" allerdings auch weitaus angenehmer, klingt in der Tat ein gutes Stück ehrenwerter und umfasst sowohl die technischen als auch getalterischen Aspekte ein bisschen besser als im Deutschen, wo es doch sehr technisch klingt.


Zum Thema: Guter Mann und sehr inspirierend.
 


Stimmt. Aber egal, weil es eh für den Ausführenden Bildregisseur heißen müßte, nicht Bildregie.
 
Nix. Aber Bildregie wäre ein besserer Begriff.

Aus solchen Gründen haben wir nun nicht mehr den "Hausmeister" sondern den "Facility Manager". Man kann das mit der nicht enden wollenden Anpassung in Richtung politische "Korrektheit" auch einfach mal langsam gut sein lassen. Kameramann ist kein schlechtes Wort. Hausmeister eigentlich auch nicht.

Ansonsten: RIP.
 
In diesem Fall geht es nicht um Umetikettierung, sondern um Spezifizierung, also um etwas ganz anderes.
 
Für mich ist weder der Titel "Kameramann" noch "Bildregisseur" relevant, um dessen Arbeit zu würdigen.
 
Der Begriff "Hausmeister" ist ja eigentlich viel zu gut - ein Meistertitel ist eigentlich etwas das man nicht mal eben so erhält...

Aber ich denke auch dass Kameramann eher als Hilfsarbeiterjob wahrgenommen wird, obwohl da sehr viel Können, Wissen und Talent dazu gehört - umbenennen würde daran aber auch nichts ändern
 
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