Ich verstehe erstmal grundsätzlich garnicht was das Geschlecht überhaupt auf dem Ausweis irgendwo in Behördenakten zu suchen hat wenn jegliche darauf basierende Andersbehandlung sowieso nicht rechtens ist.
Der Vermerk des Geschlechts im Perso ist ja nicht nur aus kosmetischen Gründen. Er dient unter anderem auch der erleichterten Identifikation beziehungsweise Verifikation, zum Beispiel wenn der Name und das Bild keine eindeutige Zuordnung ermöglichen. Denk zum Beispiel an Unisex-Namen.
Es geht bei der Eintragung des Geschlechts nicht um einen Künstlernamen oder einen Just-for-fun-Eintrag, sondern um eine medizinisch-objektive Feststellung des Geschlechts. Bei der Erfindung des Ausweises hatte man noch nicht daran gedacht, dass man zumindest visuelle Geschlechtsmerkmale durch medizinische Eingriffe und Hormonbehandlungen anpassen kann. Außerdem war das Transgender-Thema zu dieser Zeit noch nicht bekannt. Um der aktuellen Entwicklung Genüge zu tun, könnte man den Eintrag vielleicht spezifizieren und als "medizinisches Geschlecht" formulieren. Der Eintrag im Perso ändert ja nichts daran, wie man sich selbst fühlt.
Das Geschlecht war lange Zeit auch von rechtlicher Relevanz, etwa beim Renteneintrittsalter, bei Frauen regelmäßig unter dem von Männern oder beim Mutterschaftsurlaub, bei dem lange Zeit nur für Frauen eine Lohnfortzahlung vorgesehen war. Es ist aber auch heute in verschiedenen Bereichen von Relevanz, wenn auch nicht unbedingt Gesetze zu Grunde liegen. Einige Beispiele:
- getrennte Unterbringung von Frauen u. Männern in Krankenhauszimmern
- sportliche Bewertungen von Frauen u. Männern im schul. Sportunterricht
- Leibesvisitation von Frauen u. Männern
- Frauenschwimmen
- Frauenparkplätze
- ...
Das betrifft auch sensible Bereiche, die nicht mehr nur die eigene Persönlichkeit und das eigene Empfinden ansprechen, sondern auch Dritte.
Es betrifft ja nicht nur den Mann, der sich als Frau fühlt, wenn er sich in exklusiv für Frauen vorbehaltenen Plätzen aufhält.
Das Beispiel mit der Frauendusche im Schwimmbad von virtus war, wenn er es auch unvorteilhaft formuliert hat, durchaus passend.
NoName1954 es geht nicht ums Verstecken, sondern darum kein unnötig großes Aufsehen um das eigene Geschlecht zu machen.
Auch als mittlerweile gesellschaftlich anerkannter und etablierter Homosexueller musst du nicht bei jeder Gelegenheit eine riesige Angelegenheit daraus machen und die meisten Homosexuellen machen das auch nicht. Meist sind es doch die "Kampflesben", die gerade wegen ihres aggressiven öffentlichen Auftretens stigmatisiert werden, nicht der oder die Homosexuelle, die keinen großen Wind um die Sache macht.